Griechenland: Rettung auf Zeit

KommentarGriechenland: Rettung auf Zeit

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Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos ist trotz Schuldenschnitt vorsichtig mit zu viel Optimismus. Er weiß welcher Wiederaufbau-Marathon Griechenland bevorsteht.

von Florian Willershausen

Mit ihrem Schuldenschnitt spendieren Anleger den Griechen ein paar Monate Zeit für die Suche nach einem neuen Wachstumsmodell – aber erst, wenn es gefunden ist und funktioniert, hat Europas Krisenland eine echte Zukunft.

Griechenlands stämmiger Finanzminister Evangelos Venizelos könnte jetzt mal tief durchatmen, denn auf kurze Sicht hat er endlich mal einen Etappensieg erzielt: Private Gläubiger seines Landes, die monatelang mit harten Bandagen gegen den Schuldenschnitt gekämpft hatten, tauschen in der Mehrheit ihre Anleihen gegen bis zu 30 Jahre laufende neue Papiere ein. Wer sich geweigert hat, so Venizelos, den will er über Umschuldungsklauseln zum Umtausch zwingen.

Die unmittelbare Griechenland-Pleite ist damit abgewendet – wieder einmal. Der Weg für das zweite Rettungspaket mit dem Gewicht von 130 Milliarden Euro ist freigeräumt – zu Lasten privater Gläubiger und deutscher Steuerzahler. Die Eurogruppe hat sogleich bis zu 35,5 Milliarden Euro für die Abwicklung des griechischen Schuldenschnittes freigegeben, hat Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker nach einer Telefonkonferenz der Finanzminister mitgeteilt. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Beteiligung am zweiten Griechenland-Hilfspaket signalisiert. Für Europas Krisenland Griechenland ist das ein historischer Tag: Mit hunderten Milliarden Euro kaufen die Europäer dem Land ein paar Monate Zeit, um nach einem neuen Geschäftsmodell zu fahnden.

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Suche nach neuem Wachstumsmodell

Das ist ein Grund zum Verschnaufen, nicht aber zum Aufatmen: Solange Griechenland kein völlig neues Wachstumsmodell findet, das schleunigst implementiert wird und alsbald so weit funktioniert, dass die Volkswirtschaft wächst und Beschäftigung schafft, wird Hellas von EU-Finanzspritzen und der Gunst der Gläubiger so abhängig bleiben wie ein Junkie von seinen Heroin-Dealern.

Fragt sich nur, wie ein neues Geschäftsmodell aussehen könnte? Die Touristik-Branche leidet ebenso an den relativ hohen Preisen wie die Griechen selbst, weil Urlauber am Mittelmeer billigere Hotels finden als auf Hellas. Maschinenbauer wie die Werften sind gegenüber südkoreanischer Konkurrenz mit einem starken Euro nicht wettbewerbsfähig. Die Landwirtschaft kann kein nachhaltiges Wachstum schaffen, solange der Agrarsektor in ganz Europa an der Infusionsnadel der EU hängt.

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