Griechenland: Tauziehen um 7,2 Milliarden Euro

Griechenland: Tauziehen um 7,2 Milliarden Euro

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Noch kein Deal im Schuldenkrimi mit Athen - es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

Die internationalen Gläubiger bescheinigen Griechenland kleine Fortschritte bei den nötigen Reformen. Doch für einen Deal reicht es wieder nicht. Für Athen wird es eng.

Im Schuldenstreit bleiben Griechenland womöglich nur ein paar Wochen, um den drohenden Staatsbankrott abzuwenden. Dies legte das Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel nahe, das ohne ein greifbares Ergebnis endete. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem sprach zwar von „wichtigen Fortschritten“. Doch sei mehr Zeit erforderlich, um die verbliebene Kluft zu schließen. Zugleich stellte Dijsselbloem klar, dass es neue Gelder für Athen nur im Gegenzug für Reformen geben werde. Die Brüsseler Verhandlungen sollen am heutigen Dienstag fortgesetzt werden.

Im Ringen zwischen Griechenland und der Eurogruppe sowie dem Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank geht es um die Zahlung einer letzten Tranche von 7,2 Milliarden Euro aus dem bis Ende Juni verlängerten Rettungsprogramm für das Euro-Land. Die Liste von Reformen und Sparmaßnahmen, die die Geldgeber von Athen im Gegenzug für die Milliardengelder seit Februar einfordern, liegt immer noch nicht vor. Wann sich eine Einigung ergeben könnte, deutete Dijsselbloem nicht an. Er sagte lediglich, er hoffe auf eine Übereinkunft, bevor „die Zeit und das Geld auslaufen“.

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Griechenlands Zahlungsverpflichtungen 2015

  • Die Rückzahlungen 2015

    Die griechische Regierung muss in diesem Jahr noch rund 17 Milliarden Euro an Krediten und Zinsen zurückzahlen. Der größte Batzen entfällt dabei mit rund 8,1 Milliarden Euro auf den Internationalen Währungsfonds (IWF). Daneben stehen Zahlungen an die Europäische Zentralbank (EZB), private Gläubiger sowie die Partner aus der Eurozone aus. Ungeachtet der Verlängerung des Hilfsprogramms mit den Euro-Partnern ist bisher unklar, wie Finanzminister Yanis Varoufakis die Mittel aufbringen will. Vor allem im Juli und August stehen Rückzahlungen über mehrere Milliarden Euro an. Es folgt eine Auflistung darüber, was Griechenland in welchem Monat dieses Jahres zahlen muss.
    Rundungsdifferenzen möglich, Quelle: Eurobank Athen, eigene Berechnungen (Reuters)

  • März

    Rund 1,5 Milliarden an den IWF, 75 Millionen Zahlungen an andere - insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro.

  • April

    450 Millionen an IWF, 275 Millionen an Zinsen - insgesamt rund 0,7 Milliarden Euro.

  • Mai

    750 Millionen plus 196 Millionen an IWF, sowie 77 Millionen für bilaterale Kredite - insgesamt rund 1 Milliarden Euro.

  • Juni

    1,5 Milliarden an IWF plus 280 Milliarden an EZB und andere - insgesamt 1,7 Milliarden Euro.

  • Juli

    450 Millionen an IWF, 3,5 Milliarden an EZB, 700 Millionen an Zinsen für EZB - insgesamt rund 4,8 Milliarden Euro.

  • August

    Rund 170 Millionen an IWF, 3,2 Milliarden an EZB und andere Notenbanken, 190 Millionen an Zinsen - insgesamt rund 3,7 Milliarden Euro.

  • September

    1,5 Milliarden Euro an IWF.

  • Oktober

    450 Millionen an IWF, 200 Millionen an andere - insgesamt 0,65 Milliarden Euro.

  • November

    150 Millionen an IWF, 77 Millionen bilaterale Kredite - rund 0,23 Milliarden Euro

  • Dezember

    1,1 Milliarden Euro an IWF.

Ungeachtet seiner Finanznöte will die Regierung in Athen am Dienstag pünktlich einen fälligen Kredit über 757 Millionen Euro an den IWF zurückzahlen. Ein hoher Regierungsbeamter versicherte am Montag in Athen, die fällige Summe sei angewiesen worden. Zuvor hatte Athen Geldreserven von örtlichen Kommunen und Staatsunternehmen zusammengekratzt.

Die schrägsten Varoufakis-Zitate

  • Zur Troika

    "Die monumentale Aufgabe, vor der wir stehen, liegt darin, den Geist der Troika zu vertreiben, ihre Mentalität auszulöschen und ihre Macht in Europa, nicht nur in Griechenland, zu beenden."

  • Zu griechischen Rückzahlungen

    "Heute zu sagen, dass die Griechen zahlen müssen, was mir vernünftig erscheint, heißt, dass die üblichen Opfer noch mehr leiden müssen. Das ist eine Einstellung Auge um Auge, Zahn um Zahn, eine Art biblische Wirtschaft, die jeden in Europa hilflos macht."

  • Zu Krediten

    "Zu jedem verantwortungslosen Kreditnehmer gehört ein verantwortungsloser Kreditgeber. Vor 2010 hat das im Überfluss vorhandene Kapital in Griechenland einen Tsunami an Schmarotzer-Krediten ausgelöst."

  • Zur Austerität

    "Im Mittelalter haben „Ärzte“ Aderlässe verschrieben, die oft eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten auslösten, auf die der „Arzt“ mit weiteren Aderlässen reagiert. Das ist die Art von Gedankengang, die perfekt die Einstellung Europas zeigt: Je mehr die Austerität scheitert, desto mehr wird von ihr verschrieben."

  • Zu Demokratie

    "Wenn wir in Europa unter einem Defizit leiden, dann ist es ein Defizit an Demokratie. Davon profitieren schwarze Mächte, die Demokratie und Menschenrechte aushöhlen wollen."

  • Zu Zivilisation

    "Europas heutige Haltung ist eine Bedrohung für die Zivilisation, wie wir sie kennen."

  • Zu Angela Merkel

    "Merkel ist die mit Abstand scharfsinnigste Politikerin in Europa. Da gibt es keinen Zweifel. Und Wolfgang Schäuble ist vermutlich der einzige europäische Politiker mit intellektueller Substanz."

Zur jüngsten Verhandlungsrunde mit Griechenland kamen die 19 Finanzminister der Euro-Gruppe sowie Vertreter der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und des IWF zusammen. Vor dem Treffen in Brüssel hatte Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis mit seinem deutschen Kollegen Wolfgang Schäuble gesprochen.

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Zuvor hatte Varoufakis gesagt, er glaube, ein Deal könne in „den nächsten Tagen“ erfolgen. Schäuble seinerseits zeigte sich offen für die Idee eines Referendums, mit dem die Regierung die Griechen möglicherweise über die künftigen Reformen entscheiden lassen will. Dies könne vielleicht ein „korrekter Schritt“ sein, sagte er.

Griechenland drohen die Staatspleite und ein Ausstieg aus dem Euro, falls sich die Linksregierung nicht wie gefordert zu neuen Reformen und Sparmaßnahmen durchringt. Seit 2010 wird das Euro-Land mit einem milliardenschweren Rettungsprogramm von EU und IWF im Volumen von 240 Milliarden Euro vor dem Bankrott bewahrt. Allerdings versprach die seit Ende Januar regierende Partei Syriza von Ministerpräsident Alexis Tsipras im Wahlkampf, das Spar- und Reformprogramm der Vorgängerregierungen zu beenden. Dies erschwert ihr jetzt, Zugeständnisse zu machen.

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