Griechenland: Unternehmer fürchten die Rückkehr der Drachme

Griechenland: Unternehmer fürchten die Rückkehr der Drachme

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Weniger Verlust in Drachmen. Griechische Telekom-Tochter OTE

von Matthias Kamp, Rüdiger Kiani-Kreß, Michael Kroker, Christian Schlesiger, Silke Wettach

Deutsche und griechische Firmenchefs bereiten sich auf das Euro-Aus Griechenlands vor. Insbesondere die Telekom zittert.

Wenn Willi Verhuven seinen Blick auf Griechenland richtet, legen sich Sorgenfalten auf seine Stirn. Die Situation sei „dramatisch“, sagt der Inhaber des fünftgrößten deutschen Reiseveranstalters Alltours. „Die Buchungen liegen weit unter Vorjahr.“ Offenbar ließen sich die Deutschen „von einigen radikalen Demonstranten und extremistischen Politikern in Athen abschrecken“. Nun will Verhuven Hellas-Urlaub mit Sonderanzeigen ankurbeln.

Nachdem die Bildung einer neuen Regierung gescheitert ist, wählen die Griechen am 17. Juni neu. Etwa zur gleichen Zeit erwarten sie die nächste Tranche aus dem Rettungspaket, die sie dringend benötigen. Inzwischen häufen sich die Befürchtungen, die Griechen könnten die mit den internationalen Geldgebern ausgehandelten Sparvorgaben aufkündigen und damit einen Kurs einschlagen, an dessen Ende die Staatspleite und der Austritt aus dem Euro stünden.

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Für Unternehmen in Deutschland wie in Griechenland ist die Rückkehr zur Drachme längst kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Investmentbanker errechnen sogar schon, welchen Wert die Drachme nach einer Wiedereinführung hätte. Bei der Umstellung am 1. Januar 2002 lag er bei 340 Drachmen pro Euro. Schätzungen von Goldman Sachs zufolge müsste die Drachme nach einer Rückkehr um 30 Prozent gegenüber dem Rest der Euro-Zone und mehr als 50 Prozent gegenüber Deutschland abgewertet werden. Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass eine Abwertung von mindestens 15 bis 20 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Euro- Zone nötig sei. Während sich etwa die Commerzbank schon vollständig von ihren Griechenlandanleihen getrennt hat, sehen deutsche und griechische Unternehmen einer möglichen Rückkehr zur Drachme mit gemischten Gefühlen entgegen.

Bitter für Hochtief

Als eines der ersten deutschen Unternehmen würde der Essener Baukonzern Hochtief einen Austritt Griechenlands aus dem Euro und eine Abwertung der neuen Währung spüren. Das inzwischen vom spanischen Bauriesen ACS dominierte Unternehmen gehört zu Europas größten Flughafenbetreibern und besitzt am größten griechischen Airport in Athen über seine Tochter Hochtief Airport direkt 26,7 Prozent sowie weitere 13,3 Prozent über Hochtief Airport Capital, eine Investmentgesellschaft, die Hochtief Airport managt. Im Portfolio der Essener ist der hellenische Hauptstadtflughafen die wichtigste Beteiligung. Er brachte mit gut 100 Millionen Euro den höchsten Nachsteuergewinn im Hochtief-Reich, wovon bis zu 40 Millionen im Konzern landen. Umgerechnet in Drachmen bliebe davon im Extremfall nur noch die Hälfte übrig.

Der Essener Bauriese versucht gerade, auch seine Airports zu verkaufen. Fielen die Einnahmen künftig in Drachmen an, würde das den Gewinn eines ausländischen Investors gehörig mindern. Folge: Hochtief bekäme auch deutlich weniger als die mindestens 200 Millionen Euro, auf die Experten den Anteil am Athener Flughafen derzeit schätzen.

Sonderfall Deutsche Telekom

Auf den ersten Blick könnte sich die Deutsche Telekom über die Rückkehr Griechenlands zur Drachme freuen. Der Bonner Konzern hält 40 Prozent an der griechischen Telefongesellschaft OTE. Damit ist Telekom-Chef René Obermann gleichzeitig einer der größten ausländischen Investoren in Hellas überhaupt. Zwar hat OTE im vergangenen Jahr rund fünf Milliarden Euro Umsatz erzielt, dabei aber ein Minus von rund 14 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Verlust würde durch die Einführung der Drachme sinken.

Doch das ist ein Sonderfall. Sobald die Telekom in der Ägäis Gewinn macht, würde die dortige Tochter nach Einführung der Drachme weniger überweisen als bei der Abrechnung in Euro.

Noch schlimmer wiegt, dass die Drachme der Telekom Inflationsrisiken bescheren würde. OTE ist als Ex-Monopolist ein reguliertes Unternehmen. Daher darf es Preissteigerungen, zu der die Drachme etwa bei importierten Investitionsgütern oder durch steigende Lohnkosten aufgrund importierter Inflation führen würde, nicht direkt an die Kunden weitergeben. Bis die Regulierungsbehörde dies zuließe, würde viel Zeit vergehen, in der die steigenden Kosten am Gewinn nagen.

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