Griechenland: Verzweiflung in Griechenland

Griechenland: Verzweiflung in Griechenland

von Felix Ehrenfried

Trotz aller Sparprogramme und Reformen steigt die Verschuldung und Arbeitslosigkeit in Griechenland. Die Bürger verlieren den Glauben an ihre Heimat.

Maria Psani, 42 Jahre alt, sitzt vor ihrem Computer in ihrer kleinen Wohnung, nur wenige Gehminuten bis zum Athener Parlament am Syntagma-Platz, wo in diesem Moment mehrere zehntausend Griechen erneut gegen die Sparauflagen der Regierung protestieren. Maria lernt seit zehn Jahren Deutsch im Athener Goethe-Institut. Auf einer Jobseite klickt sie sich durch die Angebote deutscher Unternehmen.

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Eurostat Athens Schulden steigen weiter

Die Rettungsmaßnahmen in Griechenland haben den Schuldenstand des Landes 2012 zunächst einmal nicht gesenkt, sondern erhöht. Und auch in den anderen Ländern im Süden Europas wächst die Überschuldung weiter an.

Griechische Euro-Münze. Quelle: dpa

Sie will auswandern: „Hier in Griechenland gibt es einfach keine offene Stellen und wir haben nicht mehr lange Anspruch auf eine staatliche Hilfe.“ Psani ist seit eineinhalb Jahren arbeitslos. Derzeit lebt sie gemeinsam mit ihrem Mann Costas Tzimas von dessen Arbeitslosenunterstützung. 350 Euro haben die beiden zur Verfügung, um allmonatlich Versicherungen, Stromrechnungen und Lebensmittel zu bezahlen. Daneben haben sie einen Kleinkredit, den sie abzahlen müssen. Das Arbeitslosengeld von Tzimas läuft im September aus, danach erhalten die beiden keine weitere Unterstützung des Staates.

Arbeitslosenquote auf Rekordstand – Jeder vierte Grieche ohne eigene Einkünfte

Die Arbeitslosigkeit in Griechenland befindet sich auf einem Höchststand. Nach einer Statistik des Griechischen Statistischen Amts hat sich die Zahl der Arbeitslosen von 449.700 im Oktober 2009, und damit dem Beginn der griechischen Krise, auf 1,3 Millionen im Dezember 2012 mehr als verdoppelt. So lag die Arbeitslosenquote im ersten Quartal 2013 bei 27,2 Prozent, wie das Statistikamt berechnete – den höchsten Wert aller Industriestaaten.

Krisenland Arbeitslosigkeit in Griechenland auf neuem Rekordhoch

Im Vergleich zur Euro-Zone ist die Quote doppelt so hoch als der Durchschnitt.

Arbeitslose warten auf die Auszahlung ihrer Arbeitslosenunterstützung in Athen: Die Erwerbslosenquote hat einen neuen Höchststand erreicht. Quelle: dpa

Mehr als jeder vierte Grieche ist also ohne Arbeit. Zum Vergleich: Im Herbst 2009 waren lediglich 7,7 Prozent der Deutschen arbeitslos. Im März dieses Jahres schrumpfte die Arbeitslosenquote laut der Bundesagentur für Arbeit auf 7,3 Prozent. 

„Ich habe schon zahlreiche Bewerbungen nach Deutschland, aber auch nach Dubai geschickt“, erklärt Maria Psani, während sie sich weiter durch die Jobangebote klickt. Auch Unternehmen in Griechenland haben ihre Unterlagen bekommen: Von keinem bekam sie eine Antwort. „Wir würden gerne hier in Athen bleiben“, so Psani, „wissen aber nicht wie wir hier weiter überleben können.

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