Griechenland vor dem Grexit: Zerreißprobe in Athen

Griechenland vor dem Grexit: Zerreißprobe in Athen

von Tim Rahmann

Griechenland steht vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Banken bleiben auf Geheiß der Regierung ab sofort geschlossen, Kapitalverkehrskontrollen werden eingeführt. Das große Bangen beginnt.

Neuland. Als Angela Merkel erstmal dieses Wort in den Mund nahm – in einer Rede über das Internet und dessen schwierige Kontrolle -, erntete die Bundeskanzlerin Hohn und Spott. Sie wird voraussichtlich so schnell nicht wieder vom „Neuland“ sprechen – dabei böte es sich dieser Tage an. Griechenland steht vor der Zahlungsunfähigkeit. Erstmals droht ein Land innerhalb der Euro-Zone Pleite zu gehen. Erstmals könnte ein Land aus der Währungsunion ausscheiden. Erstmals könnte die Europäische Zentralbank gefordert sein, ihr OMT-Programm, also der gezielte Aufkauf von Staatsanleihen von Krisenländern, einzusetzen. Mehr Neuland geht nicht.

Und gerade weil der Grexit und seine Folgen, sofern er käme, eine bisher nicht bekannte Episode in der Geschichte der Europäischen Vertiefung und Vereinigung wäre, ist kaum abzusehen, wie die kommenden Tage verlaufen werden. Kommt es zu Panik und Gewalt in Griechenland? Flammt die Euro-Krise neu auf? Stürzen die Börsen ab? Oder gibt es doch noch eine Rettung?

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Griechenland-Krise Grexit? Welcher Grexit?

Keine Spur von Panik: In Athen hält sich die Hoffnung, der Austritt Griechenlands aus der Eurozone könne irgendwie vermieden werden. Indem er Kurs auf ein Referendum nimmt, pokert Tsipras so hoch wie nie zuvor.

huGO-BildID: 46181452 epa04821093 Greek Prime Minister Alexis Tsipras (R) arrives for a debate on the referendum in the plenary session at the Greek Parliament in Athens, Greece, 27 June 2015. Greek Prime Minister Alexis Tsipras called for a referendum on the Greek debt deal on 05 July, during a televised speech late night on 27 June on Greek state TV. EPA/ALEXANDROS VLACHOS +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Fangen wir mit einem kurzen Überblick über das an, was wir bisher wissen:

  • Griechenland und die Geldgeber konnten sich nicht auf die Auszahlung einer vereinbarten Kredittranche über 7,2 Milliarden Euro einigen. Der Grund: Die griechische Regierung wollte sich nicht zu Spar- und Reformauflagen bekennen.

  • Griechenlands Premier lehnt die Vorgaben der Geldgeber – EU, EZB und Internationaler Währungsfonds – konkret als „demütigend“ ab, will aber das Volk am kommenden Sonntag in einem Referendum über das Sparprogramm abstimmen lassen.

  • Griechenland bat Europa, das Land bis zum Referendum zu stützen. Dies lehnten die Euro-Finanzminister ab.

  • Am Dienstag muss Griechenland einen Kredit an den IWF zurückzahlen. Das Geld ist aber aller Voraussicht nach nicht vorhanden. Es droht der Zahlungsausfall.

  • Die griechischen Banken leiden unter dramatischen Kapitalabflüssen. Die Bürger versuchen, ihre Konten zu plündern. Stabilisiert werden die Banken über Notkredite der EZB (ELA). Die EZB gab am Sonntag bekannt: Eine Ausweitung der Notkredite über den Betrag von 90 Milliarden Euro hinaus wird es nicht geben.

  • Die Folge: Ab sofort bleiben die Banken in Griechenland geschlossen. Zudem werden Kapitalverkehrskontrollen eingeführt.

Damit wird sich die Aufmerksamkeit am Montagvormittag weg von den Verhandlungsorten in Brüssel und Frankfurt, hin nach Griechenland richten. Wie reagieren die Bürger, von denen – so eine aktuelle Umfrage des Instituts Alco – 57 Prozent für eine Einigung Griechenlands mit den Geldgebern sind?  Ziehen sie in Protest auf den Syntagma-Platz vor dem Parlament? Geht ihre Verzweiflung in Gewalt über? Der Staat jedenfalls ist in Alarmbereitschaft. Gepanzerte Fahrzeuge haben in den Straßen von Athen Position bezogen, um mögliche Randalierer oder das große Chaos zu stoppen.

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