Griechenland: Vorsorge bei TUI

Griechenland: Unternehmer fürchten die Rückkehr der Drachme

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Handelswährung Euro TUI-Hotel Akrotiri Beach auf Korfu

Vorsorge bei TUI

Einen Austritt Griechenlands aus dem Euro sehen die meisten Reiseveranstalter hingegen gelassen. Zwar haben sie zu Jahresanfang griechischen Hotelketten Kredite von mehreren Millionen Euro gewährt, damit diese wie üblich in der flauen Wintersaison notwendige Investitionen in ihren Häusern vornehmen können. Im Sommer, wenn die Gäste kommen, werden die Kredite mit den Einnahmen verrechnet. Doch viele machen es wie Marktführer TUI: Das Unternehmen hat mit den Hoteliers vereinbart, dass die Rückzahlung ebenfalls in Euro erfolgt.

Zusätzlich reagieren dürften TUI und Co. erst, wenn die Drachme tatsächlich da ist. Für Urlauber aus dem Euro-Land dürfte Griechenland kurzfristig billiger werden, weil Restaurantbesuche und Ausflüge vor Ort billiger werden. Das würde den Tourismus beflügeln, der rund 20 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Mittelfristig müssten die Veranstalter im Falle der Drachme mit den Hoteliers aber neue Verträge verhandeln. TUI verweist auf das Beispiel Ägypten und die Türkei. Dort werden jährliche Vorauszahlungen an die Hoteliers und die Bezahlung der Unterkünfte nicht an die jeweilige Landeswährung gekoppelt, sondern an den Euro. Reiseveranstalter wie Hoteliers haben beide ein Interesse an einer stabilen Währung, um Wechselkursrisiken auszuschließen. Daher sei es „sehr wahrscheinlich, dass auch nach einer Wiedereinführung der Drachme der Euro das Fundament der touristischen Zusammenarbeit wäre“, heißt es offiziell bei TUI.

Lokaler Anker für die Allianz

Auch wenn Griechenland für die Allianz ein relativ kleiner Markt ist, wäre der Abschied des Landes vom Euro ein gewisses Problem für den Versicherer. Denn der Gewinn fiele dann in Drachmen an, und der Umtausch in Euro würde die Überweisungen an die Konzernzentrale unter sonst gleichen Umständen mindern. Prämieneinnahmen in Drachmen sieht die Allianz allerdings gelassen . „Die würden wir dann eben mit Kapitalanlagen in lokaler Währung besichern“, heißt es im Konzern.

Europas führender Versicherer, der in Griechenland im Lebens-, Sach- und Unfallversicherungsgeschäft aktiv ist, wendet sich allerdings vehement gegen einen Austritt Griechenland aus der Euro-Zone. „Die Folgen für das Land wären verheerend, und deswegen muss das unbedingt vermieden werden“, sagte Oliver Bäte, Controlling-Vorstand bei Allianz. Das „Basisszenario“ sei nach wie vor, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibe.

Aus für griechische Banken

Am schlimmsten würde ein Euro-Austritt die griechischen Banken treffen, die ohnehin schon unter Kapitalflucht und den Folgen des Schuldenschnitts leiden. „Das wäre ihr Todesurteil“, sagt Bankenexperte Nikolaos Georgikopoulos von der New York University. Schon jetzt ist die Kapitaldecke der Banken zu dünn, entspricht weder den Vorgaben der Europäischen Zentralbank noch denen von Basel II. Georgikopoulos spricht von negativem Eigenkapital.

Seit Beginn der Krise im Oktober 2009 sind die Einlagen des Privatsektors um 74 Milliarden Euro geschrumpft, eine Summe, die einem Drittel des griechischen Bruttoinlandsprodukts entspricht. 16 Prozent der Kredite haben die Banken bisher als faul deklariert, eine Quote, die Georgikopoulos aber für zu niedrig hält. In der Woche nach der Wahl Anfang Mai sind die Einlagen nach Angaben der Tageszeitung „Proto Thema“ alleine um drei Milliarden Euro gesunken.

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Auch griechischen Unternehmern bereitet das Ausstiegsszenario große Sorge. Kostas Maltezos, Geschäftsführer des griechischen Matratzenherstellers Coco-Mat, bezeichnet die Konsequenzen eines Abschieds vom Euro als „katastrophal“. Der Heimatmarkt des Unternehmens, das edle Naturmatratzen im Preis von 1600 bis 7000 Euro herstellt, würde zusammenbrechen. Zwar käme es billiger, wenn er seine 220 Mitarbeiter künftig in Drachmen entlohnen könnte. Gleichzeitig würden Importe wie Naturlatex und Kokosfasern aber teurer. Coco-Mat, das 2011 einen Umsatz von 63 Millionen Euro erzielte, ist in der glücklichen Position, den Banken kein Geld zu schulden, weil es auf Kredit verzichtet. Insgesamt rechnet Maltezos aber mit einer „sehr instabilen Lage“.

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