Griechenland-Wahl: Der Euroraum könnte vom Grexit profitieren

kolumneGriechenland-Wahl: Der Euroraum könnte vom Grexit profitieren

Kolumne

Die Troika will sich nach der Griechenland-Wahl nicht von einer neuen Regierung politisch erpressen lassen. Doch wahr ist auch: Ein möglicher Zahlungsausfall Griechenlands könnte für den Euroraum positiv sein.

In den aktuellen Umfragen liegt die Oppositionspartei Syriza und ihr Vorsitzender Tsipras noch immer knapp vorn. Gelingt Syriza im ersten oder zweiten Versuch der Sieg, dürften sich die ohnehin schwierigen Verhandlungen zwischen Griechenland und der Troika nochmals zäher gestalten.

Syriza, wenn auch nicht mehr so extrem positioniert wie vormals, fordert sowohl eine Abkehr von der Sparpolitik als auch ein Schuldenmoratorium. Die Positionen der Troika, die Griechenlands Sparanstrengungen in ihrer jetzigen Höhe für nicht ausreichend beurteilt und deswegen die Auszahlung fälliger Kredittranchen bereits zurückhält, und der Syriza-Partei könnten kaum gegensätzlicher sein. In Fragen der politischen Glaubwürdigkeit steht für beide Seiten einiges auf dem Spiel, was der Kompromissbereitschaft nicht zuträglich sein dürfte.

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Griechenlands Schwächen

  • Schlechtes Image

    Griechenlands Ruf hat in der Euro-Krise arg gelitten. Nur zwei der 60 getesteten Staaten haben ein schlechteres Image als der Pleitestaat. Die Folge: Investoren meiden das Land, die Kreditwürdigkeit ist mies.

  • Unfähige Regierung

    Nur 5,7 Prozent der gefragten Experten bescheinigten Griechenland, eine kompetente Regierung zu haben. In der Tat hat es Athen nicht geschafft, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen (Rang 60), für Wachstum zu sorgen (Rang 60) und die öffentlichen Finanzen auf Vordermann zu bringen.

  • Wenig Förderung

    Auch bei der Bildung und Weiterbildung der Bürger hat Griechenland großen Nachholbedarf. Fortbildung von Angestellten gibt es quasi nicht (Platz 58), auch die Qualität der Universitäten ist schlecht (Rang 51). Demzufolge gibt es auch wenige Forscher und Wissenschaftler (Rang 49). Besser schneidet der Krisenstaat bei der Frühförderung ab: Es gibt eine Vielzahl von Lehrern, die Klassen sind sehr klein (Rang 2).

Bislang herrschte die Meinung vor, dass der wirtschaftliche Zwang oder die Sorge um die Folgewirkungen eines Scheiterns der Verhandlungen beide Seiten zur Einsicht zwingt. Was in den Vorjahren sicherlich noch zutraf, muss aber nicht zwangsläufig 2015 noch Gültigkeit haben.

Griechenland erwirtschaftet inzwischen einen Primärüberschuss. Das Land ist also nicht mehr auf Geldgeber zur Finanzierung der laufenden Ausgaben angewiesen. Die Gläubiger Griechenlands sind ganz überwiegend die öffentlichen Kreditgeber sowie internationale institutionelle Anleger. Griechische Banken und vor allem Privatleute aus Griechenland sind kaum noch in Schuldtiteln des Landes engagiert. Man wähnt sich so unabhängig vom Ausland wie schon lange nicht mehr.

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Die griechische und die europäische Flagge wehen vor dem Parlamentsgebäude in Athen. Quelle: dpa

Die Auswirkungen eines möglichen Zahlungsausfalles Griechenlands für die Kapitalmärkte sollten relativ gering sein. Der in den letzten Jahren aufgebaute institutionelle Rahmen im Euroraum, bestehend aus ESM und EZB-Hilfen, dürfte etwaige Schockwellen stark dämpfen und Ansteckungseffekte auf andere Länder des Euroraumes weitestgehend verhindern.

Das anstehende Ankaufprogramm von Staatsanleihen durch die EZB sollte zusätzlich mögliche Verunsicherungen von Investoren relativ gering halten. Die EU hat also gute Gründe zu glauben, dass Griechenland inzwischen allgemein als isolierter Fall wahrgenommen wird.

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