Griechenland: Wolfgang Schäuble – der Harte

Griechenland: Wolfgang Schäuble – der Harte

von Gregor Peter Schmitz

Finanzminister Wolfgang Schäuble blieb in den Verhandlungen mit Athen stur. Dafür muss er sich viel Hass gefallen lassen. Aber ihm winkt Belohnung: die tiefe Dankbarkeit von Kanzlerin Angela Merkel.

Er kann hart sein. Hart gegen sich, aber auch hart gegen andere, und zu niemandem war er zuletzt härter als zu den Griechen. So liest sich wenigstens die Kommentierung quer durch Europa. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der einst den Karlspreis als "großer Europäer" erhielt, muss sich als "Europas Zuchtmeister" bezeichnen lassen, gar als Terrorist, als „Totengräber“ Europas, wie Linken-Chef Bernd Riexinger tönte. In Athen lassen Demonstranten ihn als Vampir und Blutsauger durch die Straßen geistern.

Warum dieser Hass? Nun, Schäuble hat sich alles getraut, was der Kanzlerin schon qua Amt versagt ist. Er hat „isch over“ angedroht, er hat auf einer Bundesbanktagung gescherzt, Griechenland könne im Austausch für das ähnlich bankrotte Puerto Rico dem Dollar beitreten.

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EU-Kommissionsbeamte, die Vermittlungsvorschläge unterbreiten wollten, hat er öffentlich heruntergebürstet. Und kein europäisches Gipfeltreffen schien mehr beginnen zu können ohne grummelnde Ermahnungen aus Schäubles Mund. Vertrauen sei auf "unfassliche Weise zerstört" worden, sagte er in Brüssel etwa am Samstag. Man habe keine Lust mehr auf Rechnungen, "von denen jeder weiß, dass man sie nicht glauben kann".

Mit Härte gegen Griechenland und die eigene Partei

Kurz zuvor hatte er zu seinem bislang wohl härtesten Schlag ausgeholt. Sei Griechenland nicht zu umfassenden Änderungen seiner Vorschläge bereit, solle es die Eurozone für fünf Jahre verlassen. Es ist eine Idee, die schon seit langem kursiert, Schäuble hatte sie oft als „Milchmädchenrechnung“ zurückgewiesen. Nun kam ihm diese Milchmädchenrechnung gerade recht – und seine Leute argumentieren, erst diese Härte habe die Griechen schließlich zum Einlenken bewegt.

Es war aber auch eine Härte, die sich nicht bloß an die Griechen wendete, sondern auch an die eigene Partei. Denn der Bundestag muss im Laufe der Woche ein Verhandlungsmandat für ein weiteres Hilfspaket erteilen. Viele konservative Unionsabgeordnete haben jede neue Form von Unterstützung ausgeschlossen.

Will Merkel eine Mehrheit in ihrer Partei durchsetzen, braucht sie Schäuble. Er ist zum Helden aller Griechenlandskeptiker in der Union avanciert. Als Schäuble vor kurzem bei Unions-Abgeordneten auftrat und trocken verkündete, in Sachen Griechenland gebe es wohl nichts Neues, lachten diese laut und zustimmend. So bediente er die (wütende) Basis. Und es ist kein Zufall, dass nun schon Tweets kursieren, Schäuble sei doch womöglich der bessere Kanzler in Zeiten wie diesen.

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