Griechenlands Reparationsforderungen: Das Geld aus Deutschland kam nie an

Griechenlands Reparationsforderungen: Das Geld aus Deutschland kam nie an

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Bundeskanzler Konrad Adenauer beim Staatsbesuch 1954 im Theseus-Tempel in Athen.

von Ferdinand Knauß

Nach Ansicht der griechischen Regierung schuldet Deutschland Griechenland eine Viertelbillion Euro an Reparationen wegen des Zweiten Weltkriegs. Sie blendet dabei nicht nur die Geschichte der zum Großteil versickerten deutschen Zahlungen der Nachkriegszeit aus.

Griechenland dürfte eigentlich gar keine Schulden haben. Denn Deutschland schulde Griechenland rund eine Viertelbillion Euro an Reparationen, womit die griechische Staatsschuld beglichen wäre. Diese Ansicht vertritt offiziell die Regierung in Athen.

Die Forderung nach Reparationen kommt immer wieder auf. Seit April 2015 beziffert sie die griechische Regierung ganz konkret auf 278,7 Milliarden Euro für die Kosten und Verbrechen der deutschen Besatzung zwischen 1941 und 1944.

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Die Forderung wurde wohl nicht zufällig ausgerechnet dann laut, als Athen erneut kurz vor dem Staatsbankrott stand und nur durch erneute Hilfen der EU, also nicht zuletzt Deutschlands, davor bewahrt werden konnte. Griechenlands Premier Alexis Tsipras hat vor einigen Tagen diese Forderung erneuert.

Griechenland und Deutschland Tsipras will weiter für Reparationen kämpfen

Die griechische Regierung erneuert ihre Forderung, dass Deutschland Reparationen für Verbrechen in Griechenland während des Zweiten Weltkriegs leisten soll. Die Bundesregierung sieht das Anliegen als erledigt an.

Tsipras ist der erste griechische Ministerpräsident, der Komeno besucht, wo die deutsche Wehrmacht mehr als 300 Menschen getötet hat. Quelle: AFP; Files; Francois Guillot

Die Verquickung historischer Schuldfragen Deutschlands mit der aktuellen Schuldenkrise Griechenlands ist extrem brisant. Sich zur historischen Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg und die damals im deutschen Namen verübten Verbrechen zu bekennen, ist Staatsräson der Bundesrepublik. Die Opfer der deutschen Aggression und Besatzung in Zweifel ziehen oder relativieren, will niemand. Neben den beiden anderen Besatzungsmächten Italien und Bulgarien übte die deutsche Militärverwaltung in Griechenland eine verbrecherische Gewaltherrschaft aus, deren Brutalität sich nach dem Kriegsausscheiden Italiens ab September 1943 noch steigerte, bis sich die Wehrmacht dann ein Jahr darauf aus dem Land zurückziehen musste.

Wirtschaftliche Ausplünderung Griechenlands

Die deutsche Besatzungsmacht brachte für die Griechen nicht nur mörderische Gewalttaten und Massaker, sondern auch die wirtschaftliche Ausplünderung, die schließlich eine Inflation verursachte. Griechenland, ohnehin eines der am wenigsten entwickelten Länder Europas, war 1945 wie der Großteil des Kontinents verheert und ausgeblutet. Dazu kam, dass in Griechenland der Zweite Weltkrieg fast ohne Unterbrechung in einen Bürgerkrieg zwischen der von Großbritannien und den USA gestützten Regierung und EAM-Partisanen überging, der erst 1949 mit der Niederlage der Partisanen endete.

Griechenland Wie die Nazis den Inselstaat ausplünderten

Der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras fordert von Deutschland Reparationen. Damit rührt er an den Erinnerungen der Griechen an die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkrieges.

Griechische Flagge Quelle: dpa

Wie steht es tatsächlich um die historischen Ansprüche der Griechen? Sind sie völkerrechtlich berechtigt?

Ein Argument der griechischen Regierung betrifft eine „Zwangsanleihe“ der deutschen Besatzungsmacht über 476 Millionen Reichsmark (Gegenwartswert nach griechischen Angaben rund 10,3 Milliarden Euro), die Griechenland abgepresst worden sei. Zum Beleg verweisen die Griechen auf einen amtlichen deutschen Bericht im Archiv des Auswärtigen Amtes unter der Nummer „R 27320“.

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