Griechischer Schuldenschnitt: Private Investoren sind Gläubiger zweiter Klasse

KommentarGriechischer Schuldenschnitt: Private Investoren sind Gläubiger zweiter Klasse

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Der Schuldenschnitt wird kein Vergnügen für die privaten Halter von Griechenlandanleihen.

von Frank Doll

Die Griechenland-Tragödie hat Konsequenzen für den ganzen Anleihemarkt. Das Problem ist die Ungleichbehandlung von privaten und öffentlichen Gläubigern.

Würden Sie jetzt noch Griechenland-Anleihen kaufen? Wohl kaum. Anleger, die darauf gewettet haben, dass Athen zumindest seine im März fälligen Staatsanleihen zurückzahlen würde und sie von einem mit den Banken ausgehandelten Schuldenschnitt nicht betroffen wären, bekamen Mitte der Woche Panik.

Das griechische Parlament machte den Weg frei für eine Zwangsbeteiligung aller Gläubiger an dem mit Banken und Versicherern ausgehandelten Schuldenschnitt. An der Börse Stuttgart, wo viele Private zocken, rauschte der Kurs der im März fälligen Griechen-Anleihe – vor wenigen Tagen noch bei über 40 Prozent – auf unter 29.

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Dass die Kurzzeitwetten einiger Kleinzocker nicht aufgingen, mag nicht stören. Aber die Griechenland-Tragödie hat Konsequenzen für den ganzen Anleihemarkt. Das Problem ist die Ungleichbehandlung von privaten und öffentlichen Gläubigern.

Griechenland ist mit 368 Milliarden Euro oder 171 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet. Der ausgehandelte Schuldenerlass von 53,5 Prozent würde die Verschuldungsquote in etwa auf die Höhe Deutschlands drücken – wenn alle Gläubiger mitmachten. Doch das passiert nicht, weil der Schuldenschnitt nur private Gläubiger treffen soll.

Sie sollen auf 107 Milliarden Euro ihrer Gesamtforderungen von 200 Milliarden Euro verzichten und den Rest in andere Anleihen tauschen. Unter dem Strich büßen sie über 70 Prozent ein. Weitere 168 Milliarden Euro liegen bei öffentlichen Gläubigern, allen voran bei der Europäischen Zentralbank (EZB).

Halter von Anleihen werden degradiert

Diese sind nicht betroffen vom Schuldenschnitt. Unter dem Strich werden Griechenland also nicht über 50, sondern nur 29 Prozent seiner Schulden erlassen. Das bringt Griechenland gewiss nicht auf die Beine, hat aber fatale Folgen bei den großen Staatsanleihe-Käufern: „Damit degradiert die EZB nicht nur die Halter von griechischen Anleihen, sondern alle Halter von Anleihen der Euro-Länder“, sagt Bill Gross, Chef des weltgrößten Anleiheninvestors Pimco.

Für Investoren gilt künftig: Je mehr Staatsanleihen die EZB hält, umso mehr müssen private Investoren schultern, wenn ein Staat insolvent wird und umschulden muss. Doppelt ärgerlich für Private: Politik und Großbanken schaffen es, den Schuldenschnitt als freiwillige Lösung zu definieren, Kreditausfallversicherungen zahlen also nicht.

Private Gläubiger haben ihre Versicherungsprämie umsonst bezahlt, sie verlieren drei Viertel und bekommen nichts. Sie werden in Zukunft noch höhere Zinsaufschläge verlangen – oder freiwillig keine Anleihen mehr kaufen. Ein Alarmsignal lieferten die Renditen zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen.

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Diese zogen nach dem Griechenland-Deal auf zwölf Prozent an. Welcher Investor sollte auch Portugal die Stange halten, wenn er damit rechnen muss, dass nachträglich alle Verträge zur Disposition stehen? Die nächsten Wackelstaaten, die auf den Märkten Staatsanleihen verkaufen wollen, könnten unangenehm überrascht werden.

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