Großbritannien: 100.000 Euro für ein EU-Ausstiegsszenario

Großbritannien: 100.000 Euro für ein EU-Ausstiegsszenario

von Yvonne Esterházy

Ausgerechnet ein junger britischer Diplomat ist für seine Vision eines gelungenen Austritts seines Landes aus der EU ausgezeichnet worden. Im euroskeptischen Großbritannien sind Wettbewerbe dieser Art nicht nur sehr populär - sie liefern auch Denkanstöße.

"Offenheit statt Isolation" betitelte der 30-jährige Iain Mansfield sein preisgekröntes Pamphlet, das er als Blaupause für einen möglichen Ausstieg Großbritanniens aus der EU verstanden wissen will. "Sollte es zum Exit kommen, so ist die Vision eines offenen, wohlhabenden und global engagierten Großbritanniens durchaus zu verwirklichen", schrieb der Diplomat, der derzeit als Wirtschaftsattaché in der britischen Botschaft in Manila arbeitet. Zu seinen offiziellen Aufgaben gehört es, in seinem Gastland um Investoren zu werben, indem er Großbritannien als Eingangstor für den europäischen Binnenmarkt anpreist.

Anders als viele britische Konzerne und Banken glaubt der Privatmann Mansfield jedoch, dass ein Brexit (ein Kunstwort aus „Britain“ und „Exit“) keine Nachteile für die britische Industrie und Exportwirtschaft zur Folge hätte sondern sogar befreiend wirken könnte: "Das Resultat wäre eine beschleunigte Verlagerung der Ausfuhrströme weg von der EU. Statt dessen würden sie in Richtung der Schwellenländer zielen", schreibt er. Das könnte dem britischen Inlandsprodukt (BIP) wichtige Wachstumsimpulse geben, im besten Fall könnte der sogar 1,1 Prozentpunkte oder 1,3 Milliarden Pfund betragen. Solcherlei ist allerdings derzeit noch wenig realistisch, da Großbritanniens Ausfuhren in die sogenannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) bisher lächerlich gering sind. Europa ist dagegen immer noch Ziel von rund der Hälfte aller britischen Exporte.

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Mansfield gewann den mit 100.000 Euro dotierten ersten Preis in einem Wettbewerb, den das Institute for Economic Affairs (IEA) im Sommer letzten Jahres erstmals ausgelobt hatte. Das IEA betont ausdrücklich, im Hinblick auf die künftige britische EU-Mitgliedschaft keine Stellung beziehen zu wollen. "Wir wollten einfach anregen, die verschiedenen Optionen durchzuspielen, falls es 2017 zu einem Referendum kommt und die Mehrheit der Briten für den Austritt stimmen sollte", erläutert eine Sprecherin.

Brexit-Dividende für Ausbildungsprogramme

Knapp 150 Bewerber aus Großbritannien und anderen Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Indien, Nigeria, Sambia, Österreich und Russland reichten Beiträge ein. 35 Teilnehmer waren 31 Jahre oder jünger - der jüngste Bewerber war der 15-Jährige Kieran Bailey. Neben Professoren, Studenten und Diplomaten nahmen auch Think-Tank-Mitarbeiter teil. "Es war eine sehr gemischte Gruppe", so die Sprecherin. Die Ideen der Teilnehmer waren zum Teil radikal und kreativ, zum Teil auch eher konventionell. Stephen Bush etwa, ein emeritierter Professor der Universität Manchester, forderte wie viele andere ein neues Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und der EU und bezeichnete den EU-Austritt als einzigartige Chance, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen, die britische Wirtschaft neu zu beleben und Cluster zur Förderung der verarbeitenden Industrie zu schaffen.

Die Gelder, die durch den Wegfall der EU-Beiträge (die sogenannte Brexit-Dividende) eingespart werden könnten, sollten für Ausbildungsprogramme 18-jähriger Briten, Stipendien für Bürger aus den Commonwealthstaaten und für den Küsten- und Landschaftsschutz eingesetzt werden, schlug der Professor vor. Tim Hewish, Direktor und Gründer des Thinktanks Commonwealth Exchange, setzte sich nach dem vollzogenen  EU-Austritt für eine enge Kooperation mit den englischsprachigen Commonwealth-Mitgliedern und anderen englischsprachigen Staaten ein.

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