Großbritannien: Die Insel der Superreichen

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Großbritannien: Die Insel der Superreichen

, aktualisiert 21. Juni 2017, 11:32 Uhr
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London ist eine Insel der Milliardäre. Um die ausgefallenen Bedürfnisse der Superreichen hat sich eine Industrie entwickelt.

London ist die Heimat der Superreichen. Neben Weltstadtflair und Steuervorteilen lockt die Stadt mit einer eigenen Industrie für die ausgefallenen Bedürfnisse der Milliardäre. Die dürfte nach dem Brexit weiter wachsen.

Die Broschüre wird angepriesen wie das „Who’s who“ der britischen High Society, 99 Pfund ist sie teuer, Exklusivität garantiert. Beim „Spear’s 500“-Magazin handelt es sich weder um ein Adelsverzeichnis noch um eine Auflistung der begehrtesten Junggesellen – sondern um eine Liste der angesagtesten Dienstleister für Superreiche. Hier sind sie versammelt, die erfolgreichsten Anlageberater, die fähigsten Scheidungsanwälte, die umtriebigsten Reputationsmanager, die jeden Fleck auf der weißen Weste ihrer Klienten zu tilgen versprechen.

Steueranwälte werden porträtiert und Eventmanager, die im Handumdrehen so illustre Partys organisieren können, dass nicht einmal Mitglieder der Königsfamilie dort auffielen. In den Kurzbiografien der Edelhelfer finden sich Abschlüsse von Cambridge, Oxford, Harvard – und noble Namen wie Randolph Churchill, der Urenkel des legendären Weltkriegs-Premiers Winston Churchill.

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Folgerichtig versteht sich der Verleger von „Spear’s 500“, ein selbstbewusster Herr namens William Cash, auch keineswegs als Vertreter der dienenden Klasse. „Sehr viele Angehörige ehemaliger bekannter britischer Familien kümmern sich heute ganz selbstverständlich um die Interessen der neuen Superreichen“, sagt Cash. Warum auch nicht? Die britische Wirtschaft zeichnet sich durch ihren dominierenden Dienstleistungssektor aus – und der erstreckt sich nun mal auch auf die Vermögenden. Auf mehr als drei Milliarden Pfund schätzen Experten inzwischen das Betreuungsgeschäft mit Superreichen.

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Im Sparen sind die Deutschen Weltmeister, doch ihr Vermögen wächst nicht so schnell wie in manch anderen Ländern. Der Zugewinn der privaten Finanzvermögen liegt unter dem Vorjahresniveau und unter der globalen Zuwachsrate.

Geldscheine Quelle: dpa

Cashs Magazin erscheint jetzt schon im elften Jahr und ist eine Art Bibel im neofeudalen London der Butler und Hausdiener. Die Metropole ist ein Magnet für Megavermögende aus der ganzen Welt: Fast 10.000 ultra high-net-worth individuals, wie Personen mit mindestens 30 Millionen US-Dollar Vermögen in der Definition der Privatbanken heißen, leben dauerhaft in Großbritannien. Die Zahl soll bis 2026 auf mehr als 12.000 steigen, schätzen Experten. Der Brexit werde daran wenig ändern, glaubt Mr. Cash, denn der betreffe ja vor allem die „normale Bevölkerung“.

Das High-End-Lakaientum ist ein glänzendes Geschäft. Und ein wenig obszön in einem Land, in dem Reichtum gewohnheitsmäßig mit Understatement zur Schau getragen wird. Heute allerdings ist es nur eine Frage von Minuten, bis man in Londons Straßen einen goldlackierten Sportwagen zu Gesicht bekommt oder sündhaft teuren Schmuck. Nach einer bezahlbaren Wohnung aber suchen die allermeisten Bürger vergebens – zugleich stehen ganze Straßenzüge leer, weil reiche Eigentümer noch ein zweites, drittes, viertes Domizil woanders unterhalten. Und so blieben die Lichter oft aus, im One Hyde Park an der Südseite des großen Stadtparks etwa, einem Apartmentkomplex, in dem ein Penthouse (sechs Schlafzimmer, kugelsichere Fenster) für 140 Millionen Pfund zu haben ist.

Understatement war gestern: Die Bond Street im Stadtteil Mayfair ist eine der teuersten Einkaufsstraßen der britischen Metropole. Quelle: Fotolia

Understatement war gestern: Die Bond Street im Stadtteil Mayfair ist eine der teuersten Einkaufsstraßen der britischen Metropole.

Bild: Fotolia

Netter Fernsehabend: 11.000 Pfund

So laut wie der Turbokapitalismus in den Straßen Londons aus den Motorhauben all der Maserati, Porsche und Aston Martin röhrt, so sehr stinkt vielen Bürgern inzwischen, dass bei all dem Reichen-Catering für sie nichts herausspringt. Vor allem die jungen Briten haben bei den Unterhauswahlen gegen eine Politik für die „happy few“ gestimmt: Zwei Drittel stimmten für Labour. Natürlich hat Theresa May, die Anführerin der Konservativen, einen desaströsen Wahlkampf hingelegt und sich mit Forderungen wie der nach einer Selbstbeteiligung an der Gesundheitsversorgung im Alter („Demenz-Steuer“) um Kopf und Kragen geredet. Entscheidend aber war, dass man der Premierministerin nicht mehr das Versprechen abnimmt, für alle Briten regieren zu wollen. Labour-Chef Jeremy Corbyn brachte die Stimmung einprägsam auf den Punkt: „Unser Wirtschaftsmodell funktioniert nur für einige wenige.“

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