Großbritannien vor der Wahl: Was ein „Brexit“ für die EU bedeutet

Großbritannien vor der Wahl: Was ein „Brexit“ für die EU bedeutet

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Euro-Skeptiker und Ukip-Chef Nigel Farage zeigt während einer Presseveranstaltung in der Nähe von Dover mit erhobenem Zeigefinger in Richtung europäisches Festland.

von Yvonne Esterházy, Konrad Fischer, Silke Wettach und Florian Willershausen

Die Parlamentswahl am 7. Mai ist eine wichtige Vorentscheidung für den Verbleib des Landes in der Europäischen Union. Wirtschaft und Politik in ganz Europa fürchten einen Austritt. Aber wie schlimm wäre er?

Valerie schaut auf ihre Fingernägel, dunkellila. Sie rückt die Sicherheitsweste zurecht, neongelb. Und lacht. „Gelb und Lila, Ukip-Farben – schön, nicht wahr?“ Es ist Samstagnachmittag in Margate im Südosten Englands. Die United Kingdom Independence Party (Ukip) hat in eine viktorianische Konzerthalle am Strand geladen. Valerie und ihr Mann Alan bewachen den Eingang.

Jeden mit Einladung lassen sie rein: Paare mit Silberhaar, viele ältere Damen, vereinzelt auch ein paar junge Männer und Frauen. Dann kommt Nigel Farage auf die von roten Vorhängen umrahmte Bühne. Der Zuschauerraum ist abgedunkelt, der Ukip-Chef läuft im grellen Scheinwerferlicht zu großer Form auf. „Willkommen im euroskeptischsten Wahlkreis Großbritanniens“, ruft er aus und: „Wir wollen unser Land zurück!“ Tosender Applaus.

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Margate gehört zum Wahlkreis South Thanet, in dem sich Farage am 7. Mai bei den Parlamentswahlen um ein Direktmandat bemüht. Seine Partei wurde zwar bei den Europawahlen im vergangenen Jahr mit 27,5 Prozent stärkste Kraft im Vereinigten Königreich, ist bisher aber nur mit zwei Abgeordneten im Parlament von Westminster vertreten und kommt in aktuellen Umfragen auf 13 Prozent. Wenn in zwei Wochen ein neues Unterhaus gewählt wird, wird sich zeigen, wie viel Farage in den britischen Wählern steckt.

Nur noch 40 Prozent der Briten sind für die EU

Farage würde am liebsten sofort raus aus der EU, der amtierende Ministerpräsident David Cameron hat für den Fall einer absoluten Mehrheit ein Referendum bis spätestens 2017 über eben diese Frage, den „Brexit“, angekündigt. Ein solches Referendum hat es 1975 schon einmal gegeben. Damals stimmten die Briten mit großer Mehrheit für Europa, diesmal könnte es anders ausgehen. Nach aktuellen Meinungsumfragen sind derzeit nur noch 40 Prozent der Briten für eine Fortsetzung der Mitgliedschaft, 39 Prozent für einen Austritt.

Die Angst davor geht schon jetzt um, in der britischen Wirtschaft, in der Brüsseler Bürokratie und auch in Deutschland. Doch wäre ein Brexit wirklich der Anfang vom Ende der EU, am Ende schlimmer noch als ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone? Bangen hier nur ein paar Unternehmen um ihren Markt auf dem Festland und eine Handvoll Bürokraten um ihre Jobs? Wäre ein solcher Schritt nicht ein schwerer Schlag gegen die britische Wirtschaft – oder vielleicht doch volkswirtschaftlich durchaus verkraftbar?

Wenn die Konservativen die Wahlen in Großbritannien gewinnen, dann soll es kommen: Das Referendum über den Verbleib des Königreichs in der EU. Doch was passiert, wenn die Briten tatsächlich gehen?

Diese Fragen treiben derzeit allerdings nur wenige Inselbewohner um, stattdessen streiten sich die Parteien um Steuer- und Gesundheitspolitik. Anders als die Konservativen lehnt die Labour-Partei unter ihrem jetzigen Spitzenkandidaten Ed Miliband ein EU-Referendum ab. Bei einem Sieg der Linken wäre also der Verbleib in der EU gesichert.

Die Meinungsumfragen deuten seit Monaten darauf hin, dass weder Labour noch die Konservativen eine eigene Mehrheit erreichen. Labour leidet vor allem unter dem Aufschwung der schottischen Unabhängigkeitspartei, die in Schottland fast alle Mandate gewinnen könnte. Cameron und seinen Tories macht Ukip zu schaffen. Die Tories stehen relativ alleine da, sollte es mit dem bisherigen liberaldemokratischen Koalitionspartner nicht mehr reichen, was alle Umfragen vorhersagen.

Ukip dagegen könnte schon mit ein paar Mandaten die konservative Mehrheit ruinieren. Dann könnte sie sich gemeinsam mit der nordirischen Unionspartei als Mehrheitsbeschaffer anbieten. Dafür nennt Farage vor allem eine Bedingung: ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft schon in diesem Jahr.

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