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Hans-Peter Keitel: "Deutschland spart nun wirklich nicht ambitioniert"

Hans-Peter Keitel: "Griechenland fehlt es am Willen"

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"Deutschland spart nun wirklich nicht ambitioniert"

Hans-Peter Keitel Quelle: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche
Griechenland ist ein Sonderfall, sagt Keitel. Spanien und Italien können es schaffen, Vertrauen am Kapitalmarkt zurückzugewinnen. Quelle: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche

Und wenn die Griechen weiterhin die Dinge treiben lassen?

Dann wäre für Griechenland kein Platz mehr in der Euro-Zone. Essenziell ist, dass dadurch nicht auch andere Mitgliedstaaten unter Druck geraten.

Sehen Sie diese Gefahr?

Viele Fachleute halten die Ansteckungsgefahr für beherrschbar. Wir haben die EFSF, demnächst den ESM und den IWF. Irland und Portugal haben dank ihres Sanierungskurses sehr an Glaubwürdigkeit am Kapitalmarkt zurückgewonnen. Spanien und Italien können dies ebenfalls aus eigener Kraft.

Macht denn Deutschland alles richtig?

Weiß Gott nicht. Deutschland spart nun wirklich nicht ambitioniert. Da strengen sich viele andere Euro-Länder deutlich mehr an.

Aus dem Finanzministerium heißt es, man wolle wachstumsschonend sparen.

Sorry, ich sehe nicht, wo die Bundesregierung überhaupt richtig spart. Die sinkende Neuverschuldung ist auf die sprudelnden Steuereinnahmen zurückzuführen. Die sollten wir nicht vergeuden. An einer ernsthaften Diskussion über Einsparungen und Subventionsabbau würde sich die Wirtschaft beteiligen.

Konkrete Angebote hat die Wirtschaft nie gemacht.

Aus gutem Grund. Von uns kommt kein erster Aufschlag, und den erwartet auch kein vernünftiger Mensch. Ich will erst definitiv wissen: Um wie viel geht es, und ist das wirklich eine ernsthafte Anstrengung und Vereinbarung?

Für die griechische Nationalmannschaft gab es lange keinen Spitznamen. Erst, nachdem die Griechen die EM 2004 gewannen, erhielten sie den Spitznamen „To Piratiko“, zu deutsch: das Piratenschiff. Der Name ist eine Anspielung auf die Seefahrernation Portugal, der die Griechen die Trophäe abluchsten.

Bild: dapd

Der DIHK schlägt den Rasenmäher vor.

Vom Rasenmäher halte ich nichts, er kann kein strukturelles Ausgabenproblem lösen und ist im Kern unpolitisch. Es gibt nüchterne Argumente für und wider bestimmte staatliche Ausgaben. Über die lässt sich ernsthaft diskutieren. Da darf man sich nicht in irgendwelche Hilfskonstruktionen flüchten. Die aktuelle Krise zeigt, dass man nie unverschuldet in Schwierigkeiten gerät. Man kann langfristig nicht mehr ausgeben, als man einnimmt.

Von der Zuschussrente bis zu Mindestlöhnen – werden hier schon die ersten Wahlgeschenke in buntes Papier gewickelt?

Es gibt Ideen und Luftballons, die immer wieder auftauchen, manche sogar jedes Jahr im Sommer.

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5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.08.2012, 22:21 Uhrsuchtgruebler

    Ein Beitrag, der wohltuend auch konkreten Bezug zu den Problemen herstellt und einige Themen undogmatisch beleuchtet. Für mit Erfolg umsetzbar halte auch ich den Vorschlag einer Sonderwirtschaftszone für Griechenland. Die angeführte Ausgestaltung dieses Vorschlages bleibt jedoch zu allgemein. Die Umsetzung dieses Vorschlages benötigt aber zusätzliche Zeit und richtig gemacht könnte dieser Vorschlag auch die gewünschte Luft in der aktuellen Engpassituation Griechenlands bringen

  • 23.08.2012, 16:31 UhrAlex

    Ich musste unbedingt auch hier etwas schreiben. Also man kann doch nicht sagen nur die Griechen sind Schuld sondern auch Deutschland wie man bei Fällen in der Geschichte sehen kann oder auch Siemens an kriminellen Geschäften in GR teilgenommen hat um Geld zu verdienen. Hier in D ist die Berichterstattung nur Pro D das ist ja klar die andere Sichtweise wird den Leuten hier nicht gezeigt sondern die sind Schuld das wars! Gerade in diesem Land hier ist es wichtig alle Seiten einer Situation aufzuzeigen und nicht ein anderes Land durch die schlechten und unwahren Berichtertsattungen kaputt reden zu wollen!

  • 23.08.2012, 13:44 UhrWegweiser

    Deutschland braucht mehr Sparanstrengungen? Mehr Reformen?

    Deutschland, besser der deutschen Volkswirtschaften entgehen seit der Euroeinführung alle Aufwertungsgewinne einer eigenen Währung, wir hatten die höchsten Kapitalexporte in die heutigen Europroblemvolkswirtschaften, die niedrigste Nettoinvestitionsquote aller entwickelten Industrienationen, die höchsten realen Kapitalbeschaffungskosten für die Unternehmen, die mit großem Abstand schwächste Realentgeltfindung, teilweise sogar Absenkung, die höchsten erzielten Leistungsbilanzüberschüsse. Dies alles zusammen macht nach seriösen Berechnungen schon alleine ca. 2.500 Milliarden EUR aus.

    Weiterhin kommen die Risiken aus dem EFSF, dem EU-Fonds EFSM, dem neuen Gemeinschaftsfonds ESM hinzu, die Target 2 Salden expoldieren, ELA läuft ungehemmt weiter. LTRO ohne ausreichende Besicherung hat keinerlei Stabilisierung erbracht, eine real stattfindende Kapitalflucht findet aus den südlichen Euroländern statt. Die EZB kauft Staatsanleihen auf und versucht ohne großen Erfolg mit einem Niedrigstzinssatz die Eurozone zu erhalten. Die EZB-Geld- und Währungspolitik können wir nicht mehr beeinflussen, ein Land, ein Stimme, Malta = Deutschland.

    Die Vergemeinschaftlichung, die Monetarisierung und die damit verbundene Sozialisierung von Fremdschulden und von Fremdrisiken hingegen untergräbt die Grundlagen dieser Währungsunion nachhaltig und dauerhaft. Eine zusätzliche Bankenunion mit gemeinsamer Haftungssicherungseinlage ist zudem angedacht.

    Das sind die Realtitäten und Fakten dieser europäischen Währungsunion.

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