Hans-Werner Sinn: Verschärfung der CO2-Grenzwerte schadet Wirtschaft und Umwelt

exklusivHans-Werner Sinn: Verschärfung der CO2-Grenzwerte schadet Wirtschaft und Umwelt

von Bert Losse

Eine weitere Verschärfung der CO2-Grenzwerte in der europäischen Automobilindustrie ist laut ifo-Präsident Hans-Werner Sinn extrem unwirtschaftlich und schadet zudem der Umwelt.

„Der Umweltschutz ist nur ein Vorwand, denn bei Automotoren CO2 einzusparen ist extrem ineffizient und umweltschädlich“, schreibt Sinn in seinem aktuellen Gastbeitrag für die WirtschaftsWoche. „Bei einem modernen Dieselmotor kosten Maßnahmen zur Vermeidung einer weiteren Tonne CO2 um die 250 Euro, und bei einem Benzinmotor muss man mit über 400 Euro rechnen“, argumentiert der ifo-Präsident.

Sinn vermutet hinter dem Vorstoß der Europäischen Kommission protektionistische Motive. „Im Kern handelt es sich dabei um ein Stück französischer und italienischer Industriepolitik zum Schutz der eigenen Automobilfirmen.“ Diese Firmen seien „durch die inflationäre Kreditblase, die der Euro ihnen brachte, gemessen an ihrem technologischen Leistungsniveau und der Qualität der Kleinwagen, auf die sie sich spezialisiert haben, viel zu teuer“ geworden. Sinn: „In der Behinderung der deutschen Autos sieht man eine letzte Chance, sich am Markt zu behaupten.“

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Deutsche Autobauer hätten sich erfolgreich auf Premiumautos mit hohem Komfort, überdurchschnittlicher Größe und überdurchschnittlicher Leistung spezialisiert. „Die S-Klasse, der Phaeton, der Audi A8 und die 7er-Reihe von BMW gehören zu den besten Autos der Welt“, so der ifo-Präsident. Der CO2-Verbrauch der großen deutschen Limousinen liege aber eher bei 250 Gramm. Das Ziel, beim Flottenverbrauch unter 130 Gramm zu kommen, lasse sich nur realisieren, wenn zum Ausgleich für die Limousinen eine Menge Kleinstautos produziert werden.

„Aber das widerspricht der Idee der Spezialisierung, die die hautsächliche Quelle der Effizienzgewinne in der Marktwirtschaft ist“, warnt Sinn. Dass der Umweltausschuss des Europaparlaments Ende April für Obergrenzen von 68 bis 78 Gramm CO2 pro Kilometer für das Jahr 2025 votiert hat – oder umgerechnet drei Liter Benzinverbrauch erscheint Sinn nahezu ungeheuerlich: „Wenn die EU die Axt an dieses System legt, wird sie sich selbst beschädigen. Es reicht allmählich.“

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