Herbstprognose: Europa erwartet spürbaren Aufschwung – außer im Süden

Herbstprognose: Europa erwartet spürbaren Aufschwung – außer im Süden

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Deutschlands Wirtschaft zieht weiter an. Die Krisenländer der Euro-Zone hingegen müssen sich in den kommenden Jahren mit geringen Wachstumszahlen begnügen. Auch beim Defizitabbau kommen die südeuropäischen Staaten nicht voran.

von Tim Rahmann

Die EU-Kommission blickt optimistisch in die Zukunft. Europa werde 2014 wieder solide wachsen. Das aber gilt nur bedingt für die Krisenländer Südeuropas. Ökonomen und Unternehmer sehen so auch keinen Grund zur Entwarnung.

Olli Rehn konnte bessere Zahlen verkünden, als noch im Mai. Ansehen konnte man das dem EU-Währungskommissar nicht. Der Finne erklärte am Dienstagmittag bei der Vorstellung der Herbstprognose in Brüssel, dass die Wirtschaft der Europäischen Union und der Euro-Zone im kommenden Jahr – und damit anders als 2013 – wachsen werde. "Es gibt zunehmend Anzeichen, dass die europäische Wirtschaft einen Wendepunkt erreicht hat", sagte Rehn – und schaute ernst drein. Denn: „Es ist aber noch zu früh, den Sieg zu verkünden.“

Der Währungskommissar zeigt sich damit erfrischend realistisch. Während einzelne Krisenstaaten wie Spanien und Mitglieder der EU, allen voran Kommissions-Präsident Manuel Barroso schon ein Ende der Krise herbeizureden versuchen, geht der Finne defensiver an die Sache heran. Die Haushaltskonsolidierung und die Strukturreformen hätten zwar den Weg für die Erholung geebnet, erklärte Rehn. Die Arbeitslosigkeit, die derzeit auf einem Rekordhoch steht, bleibe jedoch auf einem nicht hinnehmbaren Niveau.

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Zu den Zahlen: Im Frühjahr war die Wirtschaft in der Euro-Zone erstmals seit eineinhalb Jahren wieder gewachsen. Dennoch geht die EU-Kommission weiter davon aus, dass die Wirtschaft in den 18 Ländern der Währungsunion im Gesamtjahr 2013 unterm Strich um 0,4 Prozent schrumpft. Für das nächste Jahr kappte sie ihre Prognose minimal und erwartet ein Wachstum von 1,1 (bisher: 1,2) Prozent. Für 2015 peilt die Kommission einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,7 Prozent an. Wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten in Schwellenländern wie China werde der Währungsraum nur allmählich zu „solidem Wachstum“ zurückkehren. Größter Wachstumstreiber sei die Binnenkonjunktur.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten sind zum Teil gravierend. So können die Länder des Baltikums, Estland, Lettland und Litauen mit Wachstumsraten von drei bis vier Prozent rechnen. Auch der deutschen Wirtschaft traut die EU-Kommission eine deutliche bessere Zukunft zu als der gesamten Euro-Zone.

Wirtschaftsausblick Deutschland

  • Was Hoffnung macht

    Deutschland ist bestens für den internationalen Wettbewerb gerüstet. Deutsche Waren sind weltweit gefragt. Auch die Binnennachfrage wächst. Die Arbeitslosigkeit liegt bei moderaten 6,5 Prozent.

  • Was Sorgen macht

    Die Infrastruktur ist zum Teil dringend sanierungsbedürftig. EU-Währungskommissar Olli Rehn mahnte Berlin, Investitionen zu tätigen. Nur so könne Deutschland langfristig produktiv und wettbewerbsfähig bleiben. Auch müssten mehr Frauen erwerbstätig werden.

„Stetiges Wachstum voraus“, so ist das Kapitel über die deutsche Wirtschaftslage in dem 177-Seiten-Dokument überschrieben. Die heimische Konjunktur dürfte 2013 um 0,5 Prozent anziehen, 2014 um 1,7 Prozent zulegen und 2015 ihr Wachstum auf 1,9 Prozent beschleunigen.

Den meisten EU-Krisenstaaten wie Italien, Spanien, Portugal und Griechenland sagen die Brüsseler Experten erst im nächsten Jahr wieder eine steigende Wirtschaftskraft voraus. Demnach dürfte es für Zypern und Slowenien sogar erst 2015 wieder bergauf gehen.

Wirtschaftsausblick Zypern

  • Was Hoffnung macht

    Für 2015 rechnet die EU-Kommission mit einem Wachstum von 1,1 Prozent. Zypern arbeitet an einem neuen Geschäftsmodell und die Regierung gewinnt langsam wieder das Vertrauen zurück.

  • Was Sorgen macht

    Um 8,7 Prozent soll das BIP in diesem Jahr einbrechen. 2014 wird ein Rückgang um 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die Kommission. Sowohl der Konsum als auch die Exporte dürften sinken. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen und erst 2015 wieder leicht auf 18,4 Prozent nachgeben. Das Defizit bleibt weit über der EU-Höchstgrenze von drei Prozent, was den Schuldenstand bis 2015 auf 127,4 Prozent treibt.

Griechenland steht ebenfalls vor einem langen Weg. Das am schwersten von der Schuldenkrise betroffene Land kann sich zwar Hoffnungen auf ein kleines Comeback machen: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen - allerdings nur um 0,6 Prozent. Das reicht nicht annähernd aus, um den in diesem Jahr erwarteten Einbruch von 4,0 Prozent auszugleichen. Die Arbeitslosigkeit wird demnach auch weiterhin nirgendwo so hoch sein wie in Griechenland (Details siehe "Was Sorgen macht").

Wirtschaftsausblick Griechenland

  • Was Hoffnung macht

    Die Touristen kommen zurück nach Griechenland. Vor allem zahlungskräftige Russen haben das Krisenland als Urlaubsparadies entdeckt. Das schafft Arbeitsplätze, wenn auch nur saisonal, und Wachstum.  Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent

  • Was Sorgen macht

    Die prognostizierte Erholung im kommenden Jahr reicht nicht aus, um den Einbruch in diesem Jahr (-4,0 Prozent) auszugleichen. Auch die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. Sie soll von rund 27 Prozent auf 24 Prozent im Jahr 2015 sinken. Die Verschuldung soll 2015 immer noch bei 170,9 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. In diesem Jahr werden 176,2 Prozent erwartet.

Spanien könnte 2014 nach zwei Rezessionsjahren in Folge erstmals wieder wachsen, aber nur um magere 0,5 Prozent. Das Plus soll sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen. "Die großen Anpassungen werden die Erholung einschränken", befürchtet Olli Rehn. Und auch Italien steht nach zwei Rezessionsjahren vor einer kraftlosen Erholung: 2014 wird ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, das sich 2015 auf 1,2 Prozent erhöhen soll.

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