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Herfried Münkler: "Wir sind die Gegenstimme des Leichtsinns"

von Dieter Schnaas

Deutschland diktiert Europa Sparsamkeit, Fleiß, Disziplin und Gehorsam. Muss Europa preußisch werden? Professor Herfried Münkler sagt: "Gewiss! Was denn sonst?"

Herfried Münkler Quelle: Max Lautenschläger für WirtschaftsWoche
Herfried Münkler lehrt an der politikwissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Sein Forschungsschwerpunkte sind Politische Theorie und Ideengeschichte. Quelle: Max Lautenschläger für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Professor Münkler, Frankreich hat in diesen Tagen den 600. Geburtstag von Jeanne d‘Arc gefeiert – und Präsident Nicolas Sarkozy hat nicht gezögert, sich als erster Gratulant der Jungfrau seiner „Grande Nation“ zur Wiederwahl zu empfehlen. In dieser Woche nun feiert Deutschland den 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen. Taugt der „Alte Fritz“ der Kanzlerin und uns Deutschen als nationale Erinnerungsfigur?

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Herfried Münkler: Kommt drauf an, auf welche Formen der Erinnerung wir uns einlassen – und wie positiv wir diese Erinnerungen bewerten. Auch die Franzosen hatten mit ihrer Jeanne ja nicht immer nur Glück: Sie stand lange für das katholische, königstreue Frankreich im Gegensatz zum republikanischen, das den Sturm auf die Bastille in den Mittelpunkt stellte. Dieser Mythos der inneren Spaltung Frankreichs ragte bis in die Zeit des Vichy-Regimes hinein. Es war die Klugheit von General Charles de Gaulle nach dem Zweiten Weltkrieg, dass er beide Traditionsstränge aufnahm und sagte: Als Lothringer komme ich aus demselben Land wie das Bauernmädchen Jeanne, aber zugleich bin ich ein Republikaner, der die revolutionäre Tradition Frankreichs hochhält.

Deutschland gilt als die Messlatte für ganz Europa. Das Risiko für andere Länder und Unternehmen wird oft in Relation zu Deutschland angegeben. S&P hat den Ausblick für Deutschland sogar von "negativ" auf "stabil" hochgestuft. Dennoch taucht an den Märkten immer wieder die Sorge auf, dass Deutschland in eine finanzielle Schieflage geraten könnte, wenn es statt Bürgschaften tatsächliche Hilfszahlungen an schwächere Euro-Länder leisten müsste.

Quelle: dpa

Auch Friedrich der Große personifiziert einen Spaltungsmythos,…

… und auch den kann man überwinden. Als Friedrich 1757 die Reichsarmee bei Roßbach schlägt, ist das auch ein Triumph Preußens über große Teile von West- und Süddeutschland. Meine hessische Heimatstadt Friedberg befand sich damals auf der „anderen Seite“: Im dortigen Rathaussaal hängt immer noch das Bild der Habsburgerin Maria Theresia von Österreich. Aber Thomas Mann hat in seinem Essay „Friedrich und die große Koalition“ den Preußenkönig mit Deutschland im Ersten Weltkrieg identifiziert.

Ist Preußen auch heute noch anschlussfähig? Taugt Friedrich als Figur, mit der man politisch wuchern kann?

Friedrich taugt nicht mehr als Kriegsheld, als der er im Dritten Reich verehrt wurde. Aber als aufgeklärter Herrscher und Peuplierer des Landes, als Modernisierer der Verwaltung, als Inbegriff der Nichtkorrumpierbarkeit und vor allem als „erste Diener seines Staates“ ist er gewiss anschlussfähig.

Sie spielen auf Friedrichs Beflissenheit und Bescheidenheit an?

Der „Alte Fritz“ war bis zur Selbstvernachlässigung bescheiden, hat selten seinen Rock gewechselt, sich nicht um Schnupftabakflecken auf seiner Weste geschert. Kein Glanzbedürfnis, kein Luxus, kein Urlaub vom Staatsgeschäft und auch kein zinsgünstiges Eigenheim… – ich würde schon sagen, dass dieser Friedrich hochaktuell ist. Das Neue Palais, das er in Potsdam bauen ließ, diente ihm als Beweis, dass nicht er, sondern Preußen sich nach dem Siebenjährigen Krieg noch was leisten konnte.

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5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.02.2012, 20:41 UhrAnonymer Benutzer: Margrit

    Ich bin absolut kein Anhänger des Schuld-Kultes in dem sich gerade die Linken in unsrem Land, immer so gerne suhlen.
    Aber mir werden die Tönde aus dem Politbüro von Merkel ein wenig zu schrill und fast schon nationalsozialistisch. Dazu paßt dann auch die Aussage des Profs.
    Was bilden sich einige eigentlich ein?
    Am deutschen Wesen soll mal wieder die Welt genesen? Oder wie?
    Der eine kreischt "In Europa wird jetzt Deutsch gesprochen"
    Kurze Zeit später will er einen neuen Gauleiter (Aufpasser) nach Griechenland schicken.
    Merkel, mit strammer FDJ-Vergangenheit, will Frankreich und andere zwingen nun auch am besten Dumpinglöhne einzuführen, sie stellte sich in die Medien und beschimpfte andre Länder, die sollen mal gefälligst längr arbeiten, später in Rente usw.
    Main Gott, es wird mir schlecht.
    Adenauer und de Gaulle, die großen Staatsmänner, die einst die EU gegründet haben um in Frieden mit den Nachbarn zu leben, würden sich im Grab umdrehen wenn sie diese Tiraden hören müßten.
    Die einst wunderbare Idee von einem gemeinsamen Europa in Frieden, wurde völlig zerstört.
    Und Merkel führt sich teilweise auf, als hätte sie Europa erfunden und strebt am liebsten einen sozialistischen Staat Europa an in welchem sie dann offenkundig als große Staatsratsvorsitzende agiert.
    Es macht mir langsam Angst, ich gebe es zu.
    Diese Frau zerstört gerade Europa und auch alles was in unserer alten Bundesrepublik mal gut war.
    Ich kenne solche diktatorischen Töne noch aus meiner Kindheit in der DDR.
    Und alle machen wieder mit. Alle jubeln sie hoch.
    Wiederholt sich Geschichte?

  • 03.02.2012, 20:18 UhrLuetzowerJaeger

    Vorschlag für eine Rede von Merkel an das deutsche Volk in Anlehnung an ein historisches Zitat:
    "Ich bin ein zutiefst unglücklicher Mann. Ich habe unwissentlich mein Land ruiniert. Eine große Industrienation wird von ihrem Kreditsystem kontrolliert. Unser Kreditsystem ist konzentriert [privates Bankenkartell – Warburg, Morgan, Rothschild, Rockefeller, Kühnl]. Daher ist das Wachstum unserer Nation und alle unsere Handlungen in den Händen weniger Männer. Wir sind zu einer der am schlechtesten regierten, am meisten kontrollierten und beherrschten Regierungen der zivilisierten Welt geworden. Keine Regierung der freien Meinungsäußerung mehr, keine Regierung mehr, die von der Überzeugung und Entscheidungen von Mehrheit getragen wird, sondern eine Regierung unter der Anschauung und dem nötigenden Einfluss einer kleinen Gruppe beherrschender Männer."
    Woodrow Wilson, 28. US-Präsident (1913-1921), Bekenntnis nach seiner Amtszeit bezüglich seiner Unterzeichnung des Federal Reserve Acts am 23. Dezember 1913, zitiert in: Gyeorgos C. Hatonn, To All My Children As the World Turns, S. 152, 1993

    "

  • 23.01.2012, 13:49 UhrAnonymer Benutzer: DerOekonom

    Der deutsche Staat hat im vergangenen Jahr die höchten Steuereinnahmen der Nachkriegszeit eingefahren.
    Der Deutsche Staat konnte 2011 von niedrigster Arbeitslosikgeit und hervorragender Wirtschaftsleitung profitieren.
    Der Deutsche Staat hat es dennoch erneut nicht geschafft, auch nur einen EUR an bestehenden Schulden zurückzuzahlen... oder den Schuldenstand auch nur zu halten.
    Der Deutsche Staat hat auch in 2011 wieder den Schuldenstand weiter erhöht und prognostiziert eine weiter steigende Erhöhung für die kommende Jahre.

    Der Deutsche Staat macht sich lächerlich, sich unter diesen Voraussetzungen als Lehr- und Sparweltmeister zu feiern und als Vorbild gelten zu wollen.

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