Hilfe der Notenbank: Zyperns Trick mit den ELA-Krediten

Hilfe der Notenbank: Zyperns Trick mit den ELA-Krediten

von Tim Rahmann

Die Euro-Regierungen zögern ein Hilfspaket für Zypern hinaus. Doch im Hintergrund bekommt die Insel längst heimliche Hilfe – mit Notkrediten der Notenbank.

Zypern muss weiter warten. Die Euro-Finanzminister, die eigentlich am 21. Januar Milliardenhilfe für die geteilte Insel zur Stabilisierung des maroden Bankensektors bereitstellen wollten, lehnen eine schnelle Hilfe ab. Zunächst soll die bevorstehende Präsidentschaftswahl abwarten, die für 17. und 24. Februar angesetzt sind.

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Hintergrund: In der Euro-Zone hofft man auf einem Machtwechsel, da sich die Gespräche mit dem amtierenden kommunistischen Präsidenten Dimitris Christofias schwierig gestalteten – der bisher jede Reform- und Sparbereitschaft vermissen lässt. Dabei hat das Land im abgelaufenen Jahr ein Haushaltsdefizit von 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angehäuft. Die Staatsschulden werden in diesem Jahr wohl auf über 13,5 Milliarden Euro steigen, das sind 76,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dennoch sprach sich Christofias wiederholt und mit deutlichen Worten gegen eine strenge Sparpolitik aus. "Diese Politik, die uns aus der Krise führen sollte, hat unsere Probleme nicht gelöst, im Gegenteil, sie hat sie noch verschärft", so der Präsident.

Wissenswertes über Zypern

  • Wo liegt Zypern überhaupt?

    Die Republik Zypern liegt in Vorder-Asien. Sie ist aufgeteilt in die Türkische Republik Nordzypern und den griechischen Teil, die Republik Zypern. Die Hauptstadt ist Nikosia. Zypern ist die drittgrößte Insel des Mittelmeeres und erlangte im Jahre 1960 ihre Unabhängigkeit.

  • Wie viele Menschen leben da?

    Insgesamt leben 1,2 Millionen Menschen auf der ehemaligen britischen Insel Zypern. 77 Prozent der Bevölkerung sind Griechen, 18 Prozent sind Türken. Die Amtssprachen sind Türkisch und Griechisch.

  • Wie geht es der Wirtschaft?

    Die zyprische Wirtschaft leidet traditionell an einer Exportschwäche, die sich 2010 in einem Handelsbilanzdefizit von 5,3 Milliarden Euro niederschlug. Die 2010 wieder stark gestiegenen Importe – Wert von 6,47 Milliarden Euro – stehen Exporten im Wert von gerade einmal 1,15 Milliarden Euro gegenüber. Noch zu Beginn des Jahres 2011 lag die Arbeitslosigkeit bei sechs Prozent. Inzwischen ist sie auf über zehn Prozent angestiegen und hat einen historischen Höchststand erreicht.

  • Hat Zypern Bodenschätze?

    Ja, Zypern lebt hauptsächlich von den Bodenschätzen und der Landwirtschaft. Das Kupfervorkommen war so enorm, dass das Metall der Insel ihren Namen gab. Der lateinische Name "cuprum" ist abgeleitet von "aes cyprium". In den Bergen findet man große Vorkommen an Marmor, an den Stränden wird Tonerde abgebaut.

    Das milde Klima auf der Insel begünstigt die Ernte. So können Bauern zweimal im Jahr Obst, Gemüse und auch Getreide ernten. Beliebt sind neben den Zitrusfrüchten auch die zypriotischen Kartoffeln. Wichtigste Abnehmerländer sind Griechenland (24,5 Prozent), Deutschland (10,5 Prozent) und England (8,6 Prozent).

  • Wie englisch ist Zypern?

    Der Einfluss der britischen Kolonialzeit ist geblieben. Nicht nur, dass vielerorts noch Englisch gesprochen wird. Das beliebte englische Frühstück können die englischen Touristen auf Zypern genießen. Das Linksfahren gilt auf der geteilten Insel genauso wie auch in Großbritannien. Seien Sie also im Straßenverkehr besonders vorsichtig!

  • Wieso ist Zyperns Flagge so bunt?

    Die Fahne Zyperns ist weiß mit einem Abbild der Insel. Die orange Farbe steht symbolisch für das Metall Kupfer, das bereits 3000 v. Chr. auf Zypern entdeckt wurde. Nach diesem Metall wurde übrigens auch die Insel benannt. Weiterhin sieht man zwei Olivenbaum-Zweige. Sie stehen für die beiden Volksgruppen auf Zypern.

  • Was können die Zyprioten besser?

    Eindeutig kochen. Die multikulturelle Küche ist durch die Besatzungszeiten der Römer, Osmanen und auch des britischen Commonwealth von vielen unterschiedlichen Kulturen beeinflusst. Neben den orientalisch-kulinarischen Einflüssen wie Zitrone, Joghurt und Knoblauch sind indische Zutaten wie Ingwer und Curry sehr beliebt. Nicht nur in der Gegenwart, auch in der Antike schätzten die Menschen den zypriotischen Wein.

Unter diesen Umständen kann es keine Hilfe geben, finden die Spitzenpolitiker in Berlin, Brüssel & Co. So jedenfalls der öffentliche Ton. Hinter den Kulissen aber bekommt Zypern längst Hilfe aus der Euro-Zone. Die maroden Banken der Inselrepublik werden mit Notkrediten aus dem System der Europäischen Zentralbank, den so genannten „Emergency Liquidity Assistance“ (ELA), über Wasser gehalten, berichtet das „Handelsblatt“. Demnach läge das Hilfsvolumen bei 9,4 Milliarden Euro, fast doppelt so viel wie im Mai 2012, kurz vor dem Hilfsgesuch Zypern bei der Euro-Zone.

Schuldenkrise Europa droht Zypern mit Liebesentzug

Die Finanzminister der Eurozone können sich weiter nicht zu einem Rettungspaket für die maroden zypriotischen Banken durchringen. Auch in Deutschland gibt es erheblichen Widerstand.

Einem Zeitungsbericht zufolge darf Zypern in den kommenden Wochen nicht mit den eigentlich geplanten Hilfskrediten rechnen. Quelle: dapd

Das ist das Prinzip: Mit Hilfe der ELA-Kredite können nationale Notenbanken – in diesem Fall die zypriotische – den heimischen Banken gegen Sicherheiten Liquiditätshilfen gewähren. Diese Sicherheiten können auch von minderer Qualität sein, etwa Papiere, die die Europäische Zentralbank längst nicht mehr akzeptiert. Die Bundesbank etwa vergab reichlich ELA-Kredite im Krisenjahr 2008, irische Banken erhielten diese Hilfen 2010, griechische Geldhäuser im Jahr 2011 und zuletzt wieder im Mai 2012.

weitere Artikel

Die Europäische Zentralbank ist im ersten Schritt nicht involviert. Wohl aber haftet die Euro-Notenbank für die ELA-Kredite. Wenn ein Euro-Staat pleitegeht, müsste die EZB  und damit der Steuerzahler für die Verbindlichkeiten aufkommen. ELA-Kredite müssen deshalb auch rückwirkend vom EZB-Rat genehmigt werden. Dabei ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, um diese Gelder zu blockieren oder eine Verlängerung von bereits ausstehenden Krediten zu verhindern und diese fällig zu stellen. Wird diese Mehrheit nicht erreicht, müsste eigentlich die Bankenrefinanzierung in anderen Ländern gekürzt werden, damit die Euro-Basisgeldmenge nicht aus dem Ruder läuft.

„Wenn nationale Zentralbankräte ihre heimischen Banken durch Geldverknappung aber nicht in Bedrängnis bringen wollen, kann der ELA-Kredit im Ergebnis eine permanente Ausweitung der monetären Basis verursachen“, schrieb Thorsten Polleit, Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management sowie Chefökonom der Degussa Goldhandel GmbH, bereits vor Monaten in der „WirtschaftsWoche“. „Das erhöht zum einen die Inflationsgefahr. Zum anderen landen die mit ELA-Krediten verbundenen Risiken mit großer Wahrscheinlichkeit im Euro-System. Am Ende werden so deutsche Steuerzahler indirekt auch noch für Verluste von Auslandsbanken zahlen müssen.“

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