Holger Schmieding im Interview: Euro-Krise ist bald beendet

exklusivHolger Schmieding im Interview: Euro-Krise ist bald beendet

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Holger Schmieding

von Bert Losse

Holger Schmieding Der Chefökonom der Berenberg Bank lobt den Euro als Reformmotor für Europa.

WirtschaftsWoche: Herr Schmieding, Sie haben ein Buch mit dem Titel „Unser gutes Geld – warum wir den Euro brauchen“ geschrieben. Ist das eine Kampfansage an die eurokritischen Bestseller von Thilo Sarrazin und Hans-Werner Sinn?

Schmieding: Es ist eine Antwort auf diejenigen, die den Euro kritisieren, ohne hinreichend auf die Fakten einzugehen. Der Euro ist stabiler, als die D-Mark es je war, und er wirkt als Reformpeitsche. Weil den Ländern der Währungsunion der bequeme Ausweg der Abwertung versperrt ist, müssen sie sich schmerzhaften Reformen unterziehen. Keine andere Region der Welt reformiert derzeit ihre Wirtschaft so hart wie der Süden der Euro-Zone. Ich sage dem Euro eine gute Zukunft voraus.

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Wenn man die Bevölkerung zu Reformen peitschen muss, hat das mit einem freiheitlichen Europa nichts mehr zu tun.

Es ist allzu menschlich, schlechte Gewohnheiten erst in einer Krise zu ändern. Der Euro bietet seinen Mitgliedern einen guten Ordnungsrahmen, um sich zu bessern. Wer das nicht will, kann draußen bleiben. Bisher haben bei allen wichtigen Wahlen in den Euro-Ländern diejenigen gewonnen, die den Euro wollen. Selbst die Griechen.

Wohl weil sie hoffen, dass Deutschland über den Rettungsschirm ESM ihre Schulden übernimmt.

Der Bundestag hat bei allen Entscheidungen des ESM ein Vetorecht. Im Euro können die Geberländer allein darüber bestimmen, ob und zu welchen Bedingungen sie Hilfe gewähren. Daher sind Vergleiche mit einer Transferunion blanker Unsinn. In einer Transferunion, wie sie zwischen den deutschen Bundesländern besteht, entscheiden Geber und Empfänger gleichberechtigt über die Mittel. Das schafft falsche Anreize.

Formal mag das richtig sein. Politisch aber ist Deutschland erpressbar. Die Krisenländer erinnern nur an die Verantwortung Deutschlands für Europa, schon winkt der Bundestag alle Hilfen durch.

Die Krisenländer sitzen nicht am längeren Hebel. Stattdessen zeigen die Fakten: Sie unterziehen sich Spar- und Reformprogrammen, wie es sie in Friedenszeiten kaum je gegeben hat.

Bisher sind diese Reformen ohne großen Erfolg geblieben.

Oh nein! Irland, Portugal und Spanien haben große Erfolge erzielt. Allerdings zeigen sich diese noch nicht im Wachstum, weil die Länder wegen des Sparkurses zunächst in der Rezession stecken. Auch Deutschland hatte nach der Agenda 2010 erst einige bittere Jahre. Fakt ist: Die Ausfuhren der Krisenländer steigen, und die konjunkturell bereinigten Defizite in den Staatshaushalten sinken. Irland kann sich bald wieder selbst finanzieren. Italien und Portugal dürften bis Mitte 2013 die Kurve bekommen, Spanien benötigt wohl noch ein knappes Jahr. Alle Länder ernten bis Ende nächsten Jahres die ersten Früchte ihrer Reformen.

Ihr Optimismus in Ehren – was aber wird mit Griechenland?

Das griechische Programm ist falsch dosiert. Das Medikament Sparen wurde dem Land in einer zu hohen, das Medikament Strukturreformen hingegen in einer zu niedrigen Dosis verabreicht. Wenn die Mischung neu justiert wird und man mehr auf den Abbau von Bürokratie und weniger auf Austerität setzt, springt die Wirtschaft auch dort an.

Die Unternehmen sehen das anders. Einer neuen Umfrage zufolge würden sie sogar eher in Syrien als in Hellas investieren.

Ein absurder Vergleich. Athen ist nicht Aleppo. Die öffentliche Diskussion um einen Rausschmiss aus dem Euro schreckt Investoren ab. Das hat aber nichts mit den Reformen vor Ort zu tun. Griechenland hat seine Lohnstückkosten bereits um knapp 13 Prozent gesenkt. Laut OECD gehört es heute zu den Spitzenreitern bei Strukturreformen. Das Land benötigt eine verlässliche Perspektive. Dann wird investiert.

Die Peripherieländer haben die Lohnstückkosten vor allem durch Produktivitätszuwächse gesenkt, die auf Massenentlassungen beruhen. Finden Sie das nachhaltig?

Löhne und Renten sinken wirklich. Zudem ist es normal, dass Kosten in der Rezession auch durch Entlassungen gesenkt werden. Aber Reformen stärken den Standort. Sobald sich die Konjunktur stabilisiert, springen die Investitionen an, und es entstehen produktivere Arbeitsplätze. Das war in Deutschland bei der Agenda 2010 nicht anders.

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