Iberische Banken: Déjà-vu in Lissabon

Iberische Banken: Déjà-vu in Lissabon

von Frank Doll

Bankaktien von der iberischen Halbinsel bleiben heiße Eisen mit unkalkulierbaren Risiken.

Unverhofft kommt oft. Wenige Tage nachdem Portugal den Schutzschirm seiner europäischen Partner verlassen hat, droht dem Land schon wieder der Rückfall in die Krise. Eines der größten Firmenkonglomerate des Landes steht möglicherweise gar vor der Pleite. Mit Beteiligungen an Hotels, Krankenhäuser und an der portugiesischen Großbank Banco Espírito Santo (BES) ist Espírito Santo International (ESI) einer der größten Konzerne in Portugal. ESI befindet sich im Privatbesitz und war bisher weitgehend abgeschirmt von der in- und ausländischen Öffentlichkeit. Doch jetzt könnte dem Konglomerat ein von der Banco de Portugal bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG angefordertes Gutachten zum Verhängnis werden. Die Wirtschaftsprüfer sprechen in dem Gutachten von einer angespannten Finanzlage und bilanziellen Unregelmäßigkeiten bei ESI. Unter anderem soll die Beteiligung an der Banktochter BES viel zu hoch angesetzt worden sein. Für Insider war das nicht unbedingt eine Überraschung. Schließlich war ESI bereits 2011 durch ein ungewöhnliches Finanzgebaren aufgefallen. In einer Zeit, als Portugal vollständig abgeschnitten war von den Finanzmärkten, gelang es ESI über einen Zeitraum von 21 Monaten Schuldpapiere im Gesamtvolumen von mehr als sechs Milliarden Euro zu platzieren. Der Abnehmer war ein hauseigener Investmentfonds. Die Spekulation ging letztlich gar auf. ESI konnte seine Operation fortsetzen, die Investoren erhielten ihr Geld zurück. Mit dem Gutachten von KPMG ändert sich aber die Ausgangslage für ESI.

Euro-Krise Spaniens nächste Pleitewelle

Die spanischen Unternehmen kommen nicht aus den Schlagzeilen. Erst waren es die insolventen Banken, jetzt sind Autobahnbetreiber und Baugesellschaften von Pleiten bedroht.

Die Immobilienkrise in Spanien war der Anfang. Dann folgte die Bankenkrise. Inzwischen leiden Baugesellschaften unter den schlechten wirtschaftlichen Bedingungen. Quelle: dpa

Zahlreiche portugiesische Unternehmen stehen jetzt wieder unter dem Generalverdacht der Bilanzfälschung. Erinnerungen werden wach an die Jahre nach der Finanzkrise. Damals war es kein Geheimnis, dass etwa die Banco Português de Negócios (BNP) und die Banco Privado Português (BPP) durch Fehlinvestitionen, Unterschlagungen und Bilanzfälschungen über Jahre hinweg hohe Verluste angehäuft hatten. Größe, Marktanteile und die Nähe zum portugiesischen Präsidenten Aníbal Cavaco Silva machten besonders die BPN zu einem finanziellen und politischen Sprengsatz. Folgerichtig entschied sich die portugiesische Regierung für einen Bailout.

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In einer Zeit, in der Portugal die hohen Erwartungen der internationalen Anlegergemeinde erfüllen muss, wäre eine Pleite der ESI ein nationales Desaster. Die Renditen portugiesischer Staatsanleihen haben sich nach Bekanntwerden des Gutachtens bereits markant nach oben in Bewegung gesetzt. Der Kurssturz bei der BES verheißt nichts Gutes. Die Schwierigkeiten der Muttergesellschaft bedeuten höhere Finanzierungskosten für die Bank-Tochter und möglicherweise auch für die anderen portugiesischen Banken. Gerade deren massive Nachfrage war eine wichtige Stütze für die Staatsanleihen des Landes. All das ist nun wieder in Frage gestellt.

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