Ifo-Chef: Hans-Werner Sinn: EZB arbeitet gegen die reichen Länder

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Ifo-Chef: Hans-Werner Sinn: EZB arbeitet gegen die reichen Länder

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Der Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn

Hohe Löhne und Strukturprobleme in Deutschland treiben Firmen in die Schwellenländer. Auch am Immobilienmarkt droht eine Schieflage. Ökonom Sinn kritisiert, dass die Niedrigzins-Strategie der EZB das Problem verschärft.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn warnt vor einer gefährlichen Schieflage am Kapitalmarkt. Die gegenwärtige Situation des historisch niedrigen Zinses der Zentralbanken des Westens erinnere in an Karl Marx, sagte er im Interview mit der Zeitung "Die Welt", der einst den Untergang des Kapitalismus prophezeite.

Die lockere Geldpolitik der Zentralbanken kritisierte er als "ein gewaltiges Problem". Sie könne nicht verhindern, dass es in vielen Teilen der Welt keine Möglichkeit gebe, rentabel zu investieren. Die niedrigen Zinsen verlängerten die Lebensdauer eigentlich unrentabler Unternehmen, so Sinn. Der Strukturwandel werde dadurch verlangsamt.

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Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

  • Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

    Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

  • Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

    Ein künstlich tief gehaltener Zins verhindert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht und befördert werden.

  • Spekulationswellen

    Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

  • Schulden steigen

    Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Ein weiteres Problem sei, dass in den reichen Ländern nicht mehr investiert werde. Stattdessen fließe das Geld in Länder, in denen die Löhne niedrig und die möglichen Renditen dadurch höher seien. Wenn aber in den reicheren Ländern investiert werde, fließe das Geld eher in Roboter anstatt in Arbeitsplätze für Menschen. So erwartet das Ifo-Institut steigende Investitionen in Deutschland. Die Kapazitäten seien ausgelastet und die Unternehmen daher gezwungen, nachzurüsten. Der Großteil des Kapitals, nämlich fünf Sechstel, werde dabei in Gebäude gesteckt.

Banken bestehen Stresstest, obwohl sie krank sind

Außerdem entstünden durch das billige Geld gefährliche Schieflagen am Immobilienmarkt, warnte Sinn. "Viele Leute verschulden sich bis über beide Ohren, um sich ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen." Schon jetzt sei klar, dass der Immobilienmarkt in einigen Jahren unter Druck geraten werden. "Die Kredite laufen über zehn oder 15 Jahre, und wenn die Schuldner nach zehn Jahren Schwierigkeiten haben, den Kredit abzulösen, oder sie die Hypothek zu höheren Zinssätzen verlängern müssen, die höheren Zinszahlungen aber nicht schultern können, werden sie ihre Immobilie verkaufen wollen."

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Weil die EZB die Banken mit Geld quasi zum Nulltarif versorgt und die EZB bereits angekündigt hat, eine quantitative Lockerung in Betracht zu ziehen, sei auch der Stresstest "nicht sonderlich scharf". Letzteres werde darauf hinauslaufen, dass die EZB den Banken anbieten werde, die faulen Kredite abzukaufen - ähnlich wie die Ankündigung, Krisenstaaten ihre Anleihen abzukaufen. Dadurch würden die Investoren die faulen Kredite besser bewerten, wodurch der Marktwert steige. Die ließe die Bilanzen der betroffenen Banken wiederum besser aussehen, und sie würden so den Stresstest bestehen, obwohl sie eigentlich nicht gesund sind.

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