ifo-Ökonomen: IWF muss sich weiter in Griechenland engagieren

exklusivifo-Ökonomen: IWF muss sich weiter in Griechenland engagieren

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Schriftzug und Logo des IWF

von Konrad Handschuch

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sollte nach Ansicht von Wirtschaftsexperten an seinem Engagement für Griechenland festhalten.

„Der wohl beste Weg aus der Misere wäre, dass Griechenland aus der Euro-Zone ausscheidet, die Drachme wieder einführt, abwertet, wieder wettbewerbsfähig wird und dann in die Euro-Zone zurückkehrt“, schreiben Niklas Potrafke und Markus Reischmann vom ifo Zentrum für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie in einem Gastbeitrag für die WirtschaftsWoche. „Dieser Weg wäre steinig, der IWF aber wäre dabei weiterhin als Kreditgeber wichtig.“

Für den Fall, dass Griechenland mit weiteren Hilfspaketen in der Euro-Zone gehalten werde, müsse der IWF ebenfalls weiter an Bord bleiben: „Er verfügt über unabhängige und objektive Expertise, unterliegt weniger politischen Restriktionen als die EU-Regierungen und wäre deshalb als Gläubiger unverzichtbar“, schreiben die beiden Ökonomen weiter.

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Das sagen Analysten zur Lage Griechenlands

  • Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt

    "Letztendlich entscheidet das Referendum am Sonntag darüber, ob Griechenland in der Währungsunion bleibt. Wenn sich die Griechen dafür aussprechen, kann die Staatengemeinschaft ein solch demokratisches Votum nicht übergehen. Dann werden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Bei einem negativen Votum kommt es dagegen zum Grexit. (...) Bis dahin tobt ein Nervenkrieg. Die Kapitalverkehrskontrollen reichen zunächst erst einmal aus, um das Schlimmste zu verhindern. Aber die Kontrollen behindern die Wirtschaft, ebenso wie die von der Syriza geschaffene Unsicherheit. Das ist wirtschaftlich ein verlorenes Jahr für Griechenland. Für Deutschland spielt das keine Rolle. Nicht einmal ein Prozent der deutschen Exporte gehen dorthin."

  • Marc Tüngler, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

    „Natürlich wird der Dax zunächst leiden, aber fundamental ist die Wirtschaft in Takt (...) Der Rückschlag wird nicht von Dauer sein."

  • Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg Bank

    "Für Griechenland wird es jetzt ganz schwierig. Europa versucht, den Schaden für andere Euro-Länder zu begrenzen. Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit gelingen. Die EZB hat bereits erklärt, dass sie die Lage an den Finanzmärkten genau verfolgt und notfalls eingreifen wird. Bei größeren Turbulenzen, die der Konjunktur gefährlich werden könnten, könnte die EZB ihre Anleihekäufe zeitlich nach vorne ziehen oder aufstocken. Sie könnte auch Anleihen bestimmter Länder wie Spanien und Italien früher kaufen. Sie könnte noch deutlicher darauf verweisen, dass es das ultimative Sicherheitsprogramm - das sogenannte OMT-Programm - auch noch gibt."

  • Nicolaus Heinen, Deutsche Bank

    "Mit einer solchen Wendung haben nur wenige gerechnet. Kapitalverkehrskontrollen, vor allem aber die hohe Unsicherheit der kommenden Wochen und Monate dürften die letzte Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung in Griechenland zunichte machen. Ein Staatsbankrott Griechenlands bedeutet nicht automatisch Grexit. Im besten Fall könnten die Entwicklungen dieser Tage nun dazu führen, dass Europa einen Insolvenzmechanismus für Staaten entwickelt - ganz so, wie die erste Griechenlandkrise vor fünf Jahren zu einem Rettungsmechanismus für Staaten führte. Spannend bleibt, ob und wie andere populistische Kräfte in Europa von den Entwicklungen profitieren. Die Polarisierung zwischen etabliertem Lager und Populisten dürfte in den kommenden Monaten weiter steigen."

  • Johannes Mayr, BayernLB

    "Weder der Grexit noch die Staatspleite sind zwingend. Es hängt sehr davon ab, wie das Referendum ausgeht. Wenn es zu einer Ablehnung kommt, wäre Griechenland auf schiefer Ebene unterwegs in Richtung Euro-Abschied. Die EZB hat die Kapitalverkehrskontrollen praktisch erzwungen, indem sie die Notfallkredite an griechische Banken nicht weiter erhöht hat. Wenn die EZB sie wieder aufstockt nach einem positiven Votum der Griechen, dann wären sie in diesem Umfang nicht mehr notwendig. Die Folgen für die Wirtschaft sind sehr negativ. Durch die Kapitalverkehrskontrollen werden die Geschäfte von Unternehmen und deren Abwicklung über die Banken behindert. Das dürfte die Konjunktur weiter beschädigen.

    Die direkten Folgen für die Wirtschaft in der Euro-Zone und Deutschland dürften begrenzt sein - Griechenland ist zu klein, die Handelsverflechtungen zu gering. Man muss aber abwarten, wie stark die Marktturbulenzen sein werden. Denn die könnten auf die Realwirtschaft durchschlagen."

Schwellenländer hatten dem IWF vorgeworfen, sich zu stark auf Europa zu konzentrieren und Kredite dort großzügiger zu vergeben. Die Verfahren in Südamerika, Afrika und Asien habe der Fonds demnach schneller und strenger durchgezogen. Die Kredite an Griechenland machen etwa 28 Prozent der gesamten ausstehenden Kredite des IWF aus. Insgesamt bekamen Griechenland, Irland und Portugal rund 60 Prozent aller aktuellen IWF-Kredite.

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