IMD-Direktor Arturo Bris: "Niedrige Zinsen sind im Interesse Deutschlands"

ThemaKonjunktur

InterviewIMD-Direktor Arturo Bris: "Niedrige Zinsen sind im Interesse Deutschlands"

von Malte Fischer

Arturo Bris hat die Konkurrenzfähigkeit der wichtigsten Volkswirtschaften analysiert. Er spricht über die Stärken und Schwächen Europas – und verteidigt die Geldpolitik der EZB.

WirtschaftsWoche: Professor Bris, im jüngsten Ranking des IMD zur Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften stehen wieder die Länder an der Spitze,  die schon seit Jahren die Top-Positionen besetzen, darunter die USA, Singapur, Hongkong und die skandinavischen Länder. Was macht diese Länder so erfolgreich?

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Arturo Bris: Es gibt kein Geheimrezept, wie ein Land seine Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig steigert. Die erwähnten Länder verfolgen unterschiedliche Geschäftsmodelle. Während Hongkong vom Außenhandel lebt, beruht die Wettbewerbsfähigkeit der USA auf einer robusten Binnenkonjunktur und einem starken Konsum. Dennoch gibt es gewisse Gemeinsamkeiten der führenden Länder. So verfügen sie allesamt über eine ausgezeichnete Infrastruktur und stabile Institutionen. Dazu zählen ein leistungsfähiges Bildungs- und Gesundheitswesen, ein effizientes Einwanderungsregime sowie hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Diese Faktoren sind die entscheidenden Treiber für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften.

Arturo Bris im Interview mit WirtschaftsWoche. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Presse

Arturo Bris im Interview mit WirtschaftsWoche. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Presse

Deutschland hat sich im Vergleich zum Vorjahr um drei Plätze auf Rang sechs verbessert. Was sind die Gründe dafür?

Zum einen verfügt Deutschland über vergleichsweise solide Staatsfinanzen. Der Staatshaushalt  ist weitestgehend ausgeglichen und der Schuldenstand sinkt. Dazu kommt, dass sich das Geschäftsumfeld für Unternehmen verbessert hat. Die Produktivität der Arbeitskräfte steigt, die Finanzierungskonditionen sind günstig und die Unternehmen werden effizient geführt. Zwar könnte die wirtschaftliche Dynamik etwas höher sein, doch dämpfen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der anderen Euroländer die deutsche Konjunktur, weil sie die Exportperspektiven belasten.

Bald wird es in Deutschland einen Mindestlohn geben, die Arbeitskräfte können mit 63 Jahren in den Ruhestand gehen und die Stromkosten steigen weiter. Spielen diese Belastungsfaktoren in Ihrem Ranking keine Rolle?

Dass sich der Mindestlohn, die Rente mit 63 und die Energiepolitik nicht negativ auf das Ranking Deutschlands ausgewirkt haben, ist darauf zurück zu führen, dass wir für den jüngsten Bericht nur die Daten und politischen Weichenstellungen berücksichtigen konnten, die bis Ende 2013 feststanden. Im nächsten Jahr dürften sich die wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Regierung in Berlin negativ auf die Platzierung Deutschlands im Länderranking auswirken. Der Mindestlohn gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Das gilt auch für die Frühverrentung der Arbeitskräfte und die rasant steigenden Energiekosten. In den nächsten 10 bis 20 Jahren werden die Preise für Energie in Deutschland vier Mal so hoch sein wie in den USA.  Das hält kein Industrieland aus. Die Bundesregierung muss daher aufhören, ineffiziente Energieformen zu subventionieren. Damit schadet sie nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa.

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