Interview: Britischer Premier pocht auf Änderungen an EU-Verträgen

Interview: Britischer Premier pocht auf Änderungen an EU-Verträgen

Der britische Premierminister David Cameron bekennt sich im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" zu Großbritanniens Platz in der EU - Reformen seien aber notwendig.

"Ich bin absolut überzeugt davon, dass es notwendig sein wird, die Verträge zu öffnen", sagte Cameron in einem am Montag veröffentlichten Interview der "Süddeutschen Zeitung" und vier anderen Tageszeitungen. "Wir wollen ein Europa, das aufwacht und diese moderne Welt aus Wettbewerb und Flexibilität erkennt."
Die EU sei "reif für Reformen", sagte der Premier, der am 23. Januar mit einer Rede zu Europa einen lange erwarteten Diskussions-Prozess über den Verbleib Großbritanniens in der EU gestartet hatte. "Wir glauben, dass sich die Europäische Union manchmal übernommen hat. Das muss sich ändern." Zugleich machte Cameron klar, dass er Großbritanniens Platz auch weiterhin in der EU sieht. "Die beste Lösung für unser Land wäre eine Mitgliedschaft in einer reformierten EU." Cameron will in dieser Woche in verschiedenen europäischen Staaten, auch in Deutschland, für seine Reformpläne werben.

Cameron machte deutlich, dass er neue Verträge schon allein zur Rettung der Euro-Zone für unabdingbar hält. Er betonte, dass eine "erfolgreiche Euro-Zone vor unserer Haustür" im Interesse Großbritanniens sei. Zugleich mahnte er institutionelle Reformen wie eine Bankenunion und eine aktive Zentralbank an, ohne die der Euro nicht funktionieren könne.

Anzeige

Großbritannien Die Wirtschaft ist Camerons größtes Problem

Aus Davos zurückgekehrt holt den britischen Premier die Realität ein: die Wirtschaft ist geschrumpft und seine innerparteilichen Rivalen scharren mit den Hufen. Lachender Dritte ist der Chef der Labour-Partei.

huGO-BildID: 29575657 British Prime Minister David Cameron reacts during his speech at the 43rd Annual Meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Thursday, Jan. 24, 2013. (Foto:Anja Niedringhaus/AP/dapd) Quelle: dapd

Zurückhaltend gab sich Cameron mit Ratschlägen an die Krisenstaaten Südeuropas, verwies allerdings auf ähnliche Probleme mit hohem Defizit und mangelnder Produktivität in Großbritannien. Er denke nicht, dass nun Zeit für einen Kurswechsel weg von der Sparpolitik sei, so der Premierminister. Mit Leidenschaft verteidigte der Premier die britische Rolle in der EU. Sein Land betreibe keine eigenbrötlerische Politik, sondern sei eine "wichtige europäische Macht". Er akzeptiere nicht die Auffassung, dass die Briten "schlechte Europäer" seien.

Weitere Artikel

"Wir sind immens positiv für Europa." Großbritannien hat eine Revision der Kompetenzverteilung zwischen Brüssel und London begonnen und strengt bis 2014 eine Reform der Verträge an. Dabei könnte Cameron das wegen der Währungskrise wachsende europakritische Klima zugutekommen. In dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zeichnete er das Bild einer wettbewerbsfähigen und flexiblen EU, in der nicht alle Mitglieder dieselbe Politik betreiben müssten. Es gehe nicht um Rosinenpickerei, sondern um Flexibilität", sagte David Cameron. "Der Euro ist nicht die Währung der Europäischen Union."

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%