Isabel Schnabel: "Schwache Banken sollten aus dem Markt ausscheiden"

InterviewIsabel Schnabel: "Schwache Banken sollten aus dem Markt ausscheiden"

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Isabel Schnabel.

von Saskia Littmann

Viele Jahre nach der Krise 2008 stecken Europas Banken erneut in der Klemme. Die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel erklärt, warum die EZB zu spät eingreift und Regierungen auch mal eine Bank-Pleite akzeptieren sollten.

WirtschaftsWoche: Frau Schnabel, seit dem Brexit-Referendum sorgen sich die Finanzmärkte um Europas Banken, insbesondere die Institute in Italien. Wie gefährlich ist die Situation wirklich?

Isabel Schnabel: Das Problem der italienischen Banken mit notleidenden Krediten ist seit Langem bekannt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ja bereits in der umfassenden Bankenprüfung 2014 offengelegt, wie viele faule Kredite in den Bilanzen stehen. Der Brexit ist nur der Auslöser dafür, dass dieses Problem jetzt hochkocht.

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Viele reden von einer Krise.

Die Krise wird zum Teil heraufbeschworen, um eine staatliche Intervention im Bankensystem trotz der neuen Abwicklungsregeln möglich zu machen. Derzeit würde ich nicht von einer akuten Bankenpanik sprechen.

Zur Person

  • Isabel Schnabel

    Isabel Schnabel, geb. 1971, ist seit Juni 2014 Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und berät die Bundesregierung in gesamtwirtschaftlichen Fragen. Die Wirtschaftsweise forscht an der Uni Bonn, ihr Schwerpunktthema sind Finanzkrisen und Banken(-regulierung).

Wodurch könnte eine Krise ausgelöst werden?

Die zukünftige Entwicklung wird stark vom Umgang mit dem Bankenproblem abhängen. Bei einer drohenden Systemkrise ist auch nicht auszuschließen, dass ein Bail-in, also das Tragen der Verluste durch die Gläubiger statt einer Rettung durch den Staat, krisenverschärfend wirkt. Aber selbst ohne Krise ist ein Bail-in politisch immer schwierig.

Wie wir es derzeit in Italien sehen.

Ja, Ministerpräsident Matteo Renzi möchte den Bail-in aufgrund des anstehenden Referendums vermeiden…

…weil die Gläubiger der italienischen Banken zu großen Teilen private Anleger sind…

PremiumEuropa Die Rückkehr der Bankenkrise

Acht Jahre nach Lehman bedroht erneut ein kriselnder Bankensektor Europas Wirtschaft. Die Staaten haben zu lange marode Banken unterstützt. Es ist höchste Zeit, einige Geldhäuser zu schließen.

Im Zentrum der Krise: Das Gebäude der weltältesten Bank, Monte dei Paschi di Siena. Quelle: dpa

Genau. Daher ist es besser, künftig auf mehr Eigenkapital bei den Banken zu setzen, damit es erst gar nicht zu einem Bail-in kommen muss.

Wie lässt sich das Problem lösen?

Der Verzicht auf eine Beteiligung der Gläubiger wäre fatal. Wir dürfen die geschaffenen Regeln nicht gleich beim ersten Anwendungsfall kippen. Die italienischen Kleinanleger könnten nachgelagert kompensiert werden, wenn dies für notwendig erachtet wird. Das sollte man aber von der Entscheidung über einen Bail-in trennen.

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