Islamischer Staat: So treiben wir den IS in die Pleite

Islamischer Staat: So treiben wir den IS in die Pleite

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Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verwendet die Schahada, das islamische Glaubensbekenntnis, auf schwarzem Grund.

von Florian Willershausen

Ignoriert vom Westen hat sich der IS zur reichsten Terror-Organisation der Welt gemausert – nicht zuletzt wegen der Untätigkeit zahlreicher Länder. Nun ist es höchste Zeit, den Dschihadisten die Geldquellen abzudrehen.

In der Nacht zum 17. Mai seilten sich US-Elitesoldaten der „Delta Force“ über dem Irak ab – und schlugen der Hydra namens „Islamischer Staat“ (IS) einen Kopf ab. Der Kopf hieß Abu Sayyaf und war ein ranghoher Kommandeur der Terrormiliz, die im Irak und in Syrien das Kalifat errichtet hat und sich im „heiligen Krieg“ gegen die „Ungläubigen“ im Westen wähnt.

Der Tod dieses Wirrkopfs ist es aber nicht, was Howard Shatz beschäftigt. Sondern sozusagen dessen buchhalterischer Nachlass, den die US-Truppen mitgehen ließen. Darin fand Shatz, Terrorismus-Experte der Denkfabrik RAND in Santa Monica, wichtige Hinweise auf die Finanzquellen des IS.

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Nie zuvor hat die Welt eine so reiche Terrorgruppe gesehen wie den IS. Mindestens eine Million Dollar pro Tag verdienen die Terroristen mit dem illegalen Verkauf von Öl, schätzt David Cohen, der oberste US-Steuerfahnder. Analytiker Howard Shatz nennt Öl aber nur als eine von vielen Geldquellen des IS, der – anders als al-Qaida – kaum auf Spenden fixiert sei.

Terror in Paris "Der Terror wird nie aufhören, solange es den IS gibt"

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Europa steht unter Schock. Der Sicherheitsberater Florian Peil erklärt, welche Gefahr der "Islamische Staat" für Deutschland birgt und warum der Westen mit weiteren Anschlägen rechnen sollte. Quelle: AP

Zudem ließen sich die geringen laufenden Kosten flexibel anpassen. „Die Finanzierungsbasis des IS ist im Moment nachhaltig“, sagt der Ökonom, und die Finanzen seien überdies buchhalterisch gut erfasst. Das klingt professioneller, als man es einer Terrorgruppe zutraut.

Natürlich ist der Öl-Schmuggel die wichtigste Einnahmequelle der Terroristen. In Syrien, wo seit Beginn des Bürgerkriegs vor vier Jahren quasi Anarchie herrscht, fielen den Islamisten mehr als 40.000 kleinere Ölfelder in die Hände – meist ineffiziente Tiefpumpen, die stoisch ihre rostigen Köpfe in den Boden senken.

Doch mit der Okkupation des nordirakischen Mossul kamen im Juni 2014 rund 4000 reichere Bohrstellen und kleine Raffinerien auf dem Territorium des Irak hinzu. Je nach Preis und Fördermenge spült das „schwarze Gold“ in roher und verarbeiteter Form zwischen ein und drei Millionen Dollar pro Tag in die Kassen der Islamisten, schätzen die US-Behörden.

Das bedeuten die Anschläge in Paris für Deutschland

  • Was tun die deutschen Sicherheitsbehörden?

    Die Bundespolizei schickt verstärkt Einsatzkräfte an die Grenze zu Frankreich, intensiviert Streifen an Flughäfen und Bahnhöfen. Die Polizisten patrouillieren dort mit Schutzwesten und schweren Waffen. Verbindungen von und nach Frankreich werden besonders in den Blick genommen.

    Nach einem Anschlag in einem Nachbarland setzt sich bei Polizei und Geheimdiensten in Deutschland hinter den Kulissen automatisch eine Maschinerie in Gang: Die Behörden checken, ob es mögliche Verbindungen und Kontakte der Täter nach Deutschland gibt. Sie sprechen dazu mit den V-Leuten in der Islamisten-Szene, durchforsten Foren und Netzwerke im Internet. Und sie überwachen besonders die islamistischen „Gefährder“ - also jene, denen sie einen Terrorakt zutrauen. Aber auch Rechtsextremisten, die auf die Anschläge reagieren könnten, stehen unter besonderer Beobachtung.

  • Gibt es Verbindungen der Paris-Attentäter nach Deutschland?

    Belastbare Erkenntnisse dazu gab es zunächst nicht, aber einen ersten Verdacht: In Oberbayern wurde am Donnerstag vor einer Woche auf der Autobahn zwischen Salzburg und München ein Autofahrer angehalten und kontrolliert. Schleierfahnder der Polizei entdeckten im Kleinwagen des 51-Jährigen unter anderem mehrere Kalaschnikow-Gewehre, Handgranaten sowie 200 Gramm TNT-Sprengstoff. „Es gibt einen Bezug nach Frankreich, aber es steht nicht fest, ob es einen Bezug zu diesem Anschlag gibt“, sagt de Maizière. Auf dem Navigationsgerät des Mannes habe man eine Adresse in Paris gefunden. Ob das einen Zusammenhang zur Anschlagsserie bedeute, sei noch unklar. Der Verdächtige, der aus Montenegro stammt, sitzt in Untersuchungshaft.

  • Was bedeuten die Attacken für die Sicherheitslage in Deutschland?

    Als Reaktion auf die Terroranschläge in Paris werden in Deutschland die Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren. Es werde in den nächsten Tagen eine für die Bürger sichtlich erhöhte Polizeipräsenz geben, kündigte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am Samstagabend (14. November) in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner Spezial“ an. „Die Polizei, die man sieht, wird auch etwas anders aussehen als bisher. Die Ausrüstung wird eine andere sein.“ Zugleich werde zusammen mit den Nachrichtendiensten die Beobachtung islamistischer Gefährder intensiviert.

  • Wie groß ist Gefahr, dass sich IS-Terroristen unter Flüchtlinge mischen und so nach Deutschland gelangen?

    Bislang gingen bei Polizei und Geheimdiensten etwa 100 Hinweise auf mögliche Terroristen ein, die auf diesem Weg ins Land gekommen sein sollen. Davon habe sich der Verdacht bisher aber in keinem einzigen Fall bestätigt, heißt es aus Sicherheitskreisen. „Aber man darf den IS nicht unterschätzen“, meint der Terrorexperte Rolf Tophoven. „Die Gefahr ist nicht auszuschließen. Unsere Sicherheitsbehörden können nicht jeden kontrollieren.“

    Nach Einschätzung von Fachleuten dürften Terroristen eher auf anderem Weg versuchen, nach Deutschland zu kommen - etwa mit gefälschten Papieren im Flieger. Polizei und Geheimdienste beobachten allerdings, dass Islamisten versuchen, junge Flüchtlinge, die schon in Deutschland sind, zu rekrutieren. Generell gilt aber: Attentäter müssen nicht unbedingt von außen ins Land gebracht werden. Es gibt viele Fanatiker, die sich im Inland radikalisiert haben.

  • Wie gefährlich ist die deutsche Islamisten-Szene?

    Mehr als 43.000 Menschen gehören insgesamt dazu. Die Szene ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - vor allem durch den starken Zulauf bei den Salafisten, einer besonders konservativen Strömung des Islam. Rund 7900 Salafisten gibt es inzwischen. Polizei und Geheimdienste stufen viele Islamisten als gefährlich ein: Etwa 1000 Menschen werden dem islamistisch-terroristischen Spektrum zugeordnet. Darunter sind 420 „Gefährder“.

    Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Diese machen den Sicherheitsbehörden große Sorgen, weil viele radikalisiert und kampferprobt zurückkommen. Von den mehr als 750 Islamisten aus Deutschland, die bislang Richtung Syrien und Irak ausgereist sind, ist ein Drittel wieder zurück - also rund 250 Leute. Etwa 70 davon haben Kampferfahrung gesammelt.

Wichtigster Kunde dürfte Syrien sein. Diktator Baschar al-Assad ist zwar politisch und religiös ein Gegner der Islamisten, die auf seinem Territorium ihr Kalifat errichtet haben. Militärisch werden ihm die vom Westen unterstützten Oppositionellen gefährlicher, da sie nach seiner Macht in Damaskus trachten. Assad braucht also Sprit – und den liefern ihm offenbar die Salafisten zu Spottpreisen.

„Ohne die Nachfrage aus Damaskus würde der IS weitaus größere Schwierigkeiten haben, sich zu refinanzieren“, sagt Howard Shatz. Aber es gebe Hinweise, dass die Türkei und der Irak einige Mengen des billigen, weil illegalen Öls, abnehmen: „Entlang der Lieferkette finden sich genug Mittelsmänner, die mitverdienen.“ Die haben einen Anreiz, das Schmuggelsystem aufrecht zu erhalten und stabilisieren so das Terror-Regime.

Öl ist indes nicht die einzige Einnahmequelle der Dschihadisten. Die Miliz, die ein Gebiet von der Hälfte der Bundesrepublik kontrolliert, ist an allen Hauptstraßen postiert – und verlangt Zölle auf Ein- und Ausfuhren. Ein Teil der Versorgung läuft weiterhin über Syrien und den Irak, im besetzten Mossul gibt es weiterhin Gewerbetreibende mit Handelskontakten nach Bagdad. Güter müssen bewegt werden, die Wegelagerer des IS lassen sich das etwas kosten.

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