Islamistischer Terror: Die perfide Strategie des IS

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Islamistischer Terror: Die perfide Strategie des IS

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Die Terroristen den Islamischen Staates wollen mit einem martialischen Auftreten einschüchtern - und sind doch verwundbar.

von Pierre HeumannQuelle:Handelsblatt.

Mit Geld, Waffen und Internetvideos kämpfen die Terroristen des selbsternannten „Islamischen Staats“ ihren Krieg gegen die Freiheit. Für den Westen ist der IS gefährlicher als Al Kaida. Trotzdem kann er besiegt werden.

Die Pariser Tragödie beginnt im September 2014. Muhammad al-Adnani, der Sprecher des Islamischen Staates, verkündet eine neue Fatwa, die zum Kampf der Dschihadisten gegen den Westen aufruft. „Wenn ihr einen amerikanischen oder europäischen Ungläubigen - besonders unter den boshaften und verfluchten Franzosen - töten könnt, dann verlasst euch auf Gott.“ Neben den Franzosen werden als „lohnende“ Ziele auch Australier, Kanadier genannt, sowie alle Bürger, deren Regierungen gegen den Islamischen Staat kämpfen.

Diese Fatwa leitet eine neue Strategie ein. Seither gelten neue Spielregeln, seither setzt der Islamische Staat seine Energien global ein: Jüngst gegen russische Touristen im Sinai, zuvor auch gegen schiitische Milizen in Beirut oder gegen Türken in Ankara.

Und in der Nacht vom Freitag auf den Samstag in Paris.

Frankreich sei wegen seiner Stellung als Zentrum „der Prostitution und Obszönität“ ausgewählt worden. Es sei aber bloß der erste Sturm, weitere würden folgen, ließen PR-Strategen des IS nach dem Massaker verkünden. Frankreich und diejenigen, die mit ihnen sind, sollten wissen, „dass sie auf der Liste des Islamischen Staates ganz oben sind. Der Geruch des Todes wird ihre Nasen nie verlassen...“.

Dass der Islamische Staat in Europa ins Visier nimmt, ist für Geheimdienstler keine Überraschung. Bereits im September begründeten französische Nachrichtenoffiziere die Notwendigkeit von Luftangriffen auf IS-Stellungen in Syrien mit Informationen, der IS plane Attacken in Europa. Im Sommer verfügte man über „sehr klare“ Informationen, dass der Islamische Staat Europäer rekrutiere und trainiere, um sie als ausgebildete Terroristen zurück in die Heimat zu schicken. Innenminister Manuel Valls sprach von 1880 französischen Bürgern, die im Netzwerk des radikal-islamischen Terrors aktiv seien. 444 waren damals noch in Syrien, und 133 waren bei Kämpfen umgekommen. Es bestehe die Gefahr, hieß es in Paris, dass die Zahl der französischen Dschihadisten so stark ansteige, dass man diese Leute nicht mehr überwachen könne.

Das schreiben die französischen Zeitungen zu den Anschlägen

  • Le Figaro

    „Alle Antiterror-Experten haben einen Großangriff in Frankreich erwartet. Die Eingreiftruppen haben sich schon lange auf diese Art von Anschlägen auf verschiedene Ziele vorbereitet.“

  • Le Parisien

    „Wut und Abscheu: Das empfindet man angesichts der Morde, die die Täter in Paris mit der üblichen Feigheit der Terroristen verübt haben. Im Namen der Märtyrer vom Freitag, der unschuldigen Opfer und im Namen der Republik wird Frankreich vereint bleiben und dem Terror die Stirn bieten.“

  • Le Républicain lorrain

    „Elf Monate nach den Anschlägen vom Januar hat der Terrorismus wieder getötet. Im großen Ausmaß. Blind und ohne Mitleid.“ 

  • La Dépêche du midi

    „Paris ist angegriffen. Paris ist die Zielscheibe. Paris wird wieder einmal verletzt, auf blutige, erschütternde und entsetzliche Weise. Nur wenige Tage, bevor die Staatschefs zum UN-Klimagipfel in der französischen Hauptstadt landen, (US-Präsident) Obama, (der russische Präsident) Putin und andere. Der Terrorismus hat vor aller Augen seine Schlagfähigkeit demonstriert, und hat gezeigt, dass er durch Massenmorde ein Entsetzen auslösen kann, das auf Frankreich, aber auf die gesamte Welt zielt. Der Notstand klingt wie ein Signal des Krieges.“

  • La Charente libre

    “Die Opfer der Anschläge sind das entsetzliche Zeugnis eines weltweiten Krieges, der Frankreich gegen seinen Willen zu einem der wichtigsten Schlachtfelder macht.“

  • Ouest-France

    „Dieser Krieg wird uns aufgezwungen. Dies erfordert von jedem Bürger eine Solidarität, um den Bedrohungen und Angriffen zu widerstehen. Wir müssen angesichts dieses Dramas einen kühlen Kopf bewahren, und Entschlossenheit zeigen.“

  • L'Union

    „Dieses Land wird den Terroristen niemals nachgeben. Die Heimat der Menschenrechte wird sich niemals von diesen Terrorgruppen beeindrucken lassen, deren Methoden und mörderischer Hass die Unterschrift trägt, die alle Welt erkannt hat. Wir werden die Barbarei nicht hinnehmen.“ 

Der Islamische Staat ist gefährlicher als Al Kaida, weil er sich komplexere Operationen leisten kann. Er verfügt erstens über eigene Einnahmenquellen und kontrolliert Gebiete, in denen er Steuern erheben kann. An den Waffenbeständen der irakischen Armee hat er sich ausgiebig bedient. Als er die Stadt Mosul eroberte, stahl er in der lokalen Filiale der Irakischen Zentralbank 400 Millionen Dollar und Gold.

Zweitens kann der IS über fanatische Anhänger nicht nur im Mittleren Osten, sondern auch in West-Europa, im Maghreb und in der Türkei zählen. IS-Zellen bestehen ebenfalls in Saudi Arabien, im Jemen, in Ägypten, Libyen und Algerien, ferner in Nigeria (Abu Sayyaf) und auf den Philippinen (Abu Sayyaf).

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