Italien: Berlusconi bleibt, Fiat geht

KommentarItalien: Berlusconi bleibt, Fiat geht

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Italien bangt: Schraubt sein Spitzenkonzern Fiat das Engagement im Land mitten in der tiefen Krise drastisch herunter?

von Frank Doll

Die Ära Berlusconi ist längst noch nicht vorbei. Italien droht jahrelange Agonie und ein beispielloser Prozess der Deindustrialisierung. Fiat, das einstmals größte Industrieunternehmen des Landes, kehrt der Heimat bereits den Rücken.

Nach seiner rechtskräftigen Verurteilung als Steuerhinterzieher war das politische Ende von Silvio Berlusconi ausgemachte Sache – in den Kommentaren naiver Journalisten. Ein Jahr Hausarrest plus ein bis drei Jahre Ämterverbot werden Berlusconi aber nicht fernhalten von der Macht. Notfalls übernimmt Berlusconis 47-jährige Lieblingstochter Maria Elvira die Interessen des Familienclans plus der ihr angeschlossenen Partei. Die Tochter aus Berlusconis erster Ehe führt gegenwärtig als Vorsitzende des Zeitschriftenverlages Mondadori und der Familienholding Fininvest das Wirtschaftsimperium der Familie. Zu Fininvest gehört neben dem Fußballclub AC Milan und der Mediengruppe Endemol auch die an der Börse aktuell mit etwa vier Milliarden Euro bewertete TV-Gesellschaft Mediaset. Allein schon wegen Mediaset wird Berlusconi weiter mitmischen in der Politik.

Nach dem Rücktritt Berlusconis als Premierminister im November 2011 hatte sich der Marktwert von Mediaset mehr als halbiert. Seit der Rückkehr des Cavaliere in die italienische Politik im Dezember 2012 legte der Marktwert um knapp 2,5 Milliarden Euro zu. Ohne politischen Rückhalt wäre das Überleben seiner marktbeherrschenden Fernsehgesellschaft in Gefahr und damit erneut ein Großteil des Familienvermögens.

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Italien könnte das erste Land in Europa werden, dessen Geschicke von einen verurteilten Steuerhinterzieher, dem in der Vergangenheit auch enge Kontakte zum organisierten Verbrechen nachgesagt wurden, bestimmt werden. Der 76-jährige Berlusconi hat bereits die Wiederbelebung der 2009 in die Regierungspartei Popolo della Libertà (PDL) aufgegangenen Forza Italia angekündigt. Laut neuesten Umfragen würden heute 28 Prozent der italienischen Wahlbürger Berlusconi ihre Stimme geben gegenüber 21 Prozent im Februar. Das überrascht nicht. Der Wohlfahrtsstaat europäischer Prägung hat die Gesellschaften Südeuropas in den vergangenen Jahrzehnten mit allerlei Wahlgeschenken korrumpiert und so im Krisenfall nahezu unregierbar gemacht. Gewählt wird jetzt der Status quo und reformresistente Politiker, die diesen Status quo garantieren. Berlusconi ist das Extrembeispiel dafür und ein Alptraum für die ökonomische Entwicklung des Landes.

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