Italien: Europa zittert vor Silvio Berlusconi

Italien: Europa zittert vor Silvio Berlusconi

Bild vergrößern

Aus der Versenkung aufgetaucht - Ex-Ministerpräsident Berlusconi

Der Ex-Ministerpräsident ist das Schreckgespenst bei den Wahlen in Italien. Denn in der Euro-Zone weiß man: Das Krisenland ist noch lange nicht über den Berg.


Obama tat es. Bush und Clinton machten es. Putin, Schröder und Berlusconi ebenso. Nun unterwarf sich auch Mario Monti dem Zwang des Politikgeschäfts – er kam auf den Hund. So landete der kühle Professor mit einem niedlichen Vierbeiner im Arm im Mailänder Talkshow-Studio. „Fühlen Sie mal, wie weich der ist“, forderte er die Moderatorin auf. Im Wahlkampf, der über die Zukunft Italiens im Euro entscheidet, zeigt sich: Mario Monti menschelt.

Anzeige

Italien Mario Monti hat keinen Kredit mehr

Die Reformpolitik Mario Montis erfordert Geduld. Doch Geduld hat die enttäuschte Mehrheit der Italiener nach Jahrzehnten des Stillstands nicht mehr. Montis Ende naht.

Mario Monti Quelle: AP/dapd

Wer hätte es gedacht? Super-Mario, der als EU-Wettbewerbskommissar sogar Microsoft-Gründer Bill Gates das Fürchten lehrte, hat eine Charme-Offensive gestartet. „Der Welpe wird das Maskottchen unserer Wahlkampagne“, kündigte der 69-Jährige an – und das alles nur, um seine Reformagenda gegen den um sich greifenden Populismus zu verteidigen.

Seinen Gegner Silvio Berlusconi, der die Italiener mit schamlosen Wahlversprechen erneut zu verführen sucht, schilt er „Rattenfänger“ und „Stimmenkäufer“. Er, der nüchterne Professor, der Mann der moderaten Töne, dessen Waffe feine Ironie gewesen ist. „Ich kann nicht zulassen, dass die Opfer der Italiener nun geopfert werden“ ist sein Mantra.

Wahlkampf in Italien Silvio Berlusconi stilisiert sich zum Messias

Der Ex-Regierungschef wirbt mit umstrittenen Vorschlägen in Wirtschafts- und Steuerpolitik um sein Comeback – und hat bei immer mehr Wählern Erfolg.

Quelle: rtr

Dass der im Ausland hoch verehrte Monti in den Umfragen mit seiner Liste „Bürgerwahl“ nur an vierter Stelle landet, wirft ihn nicht aus der Bahn. Seinen Einsatz an der Wahlfront unterbrach er vor zehn Tagen nur für den Verhandlungsmarathon um den EU-Haushalt in Brüssel. Dort punktete der Noch-Premier wieder für sein Land. Vorgänger Berlusconi hatte 2005 italienischen Rekordzahlungen in die EU-Kasse zugestimmt. Monti setzte durch, dass der unvorteilhafte Deal kassiert wird. So verbesserte Italien seine Position unter den Nettozahlern am deutlichsten. „Kompliment Mario, kein Italiener hat je so viel für sein Land herausgeholt“, lobte Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Kurze Ära

Energisch feuern die europäischen Regierungschefs ihren Kollegen aus Rom an. Allen sitzt die Angst vor der Parlamentswahl am kommenden Sonntag und Montag im Nacken. Denn Italien bleibt auch nach der kurzen Ära Monti eine Bedrohung für den Euro. Das überrascht viele.

Anfang Januar noch sprach EZB-Chef Mario Draghi von einer „positiven Ansteckung“, die nun, da die Dinge überall besser liefen, um sich greife. Die Finanzmärkte rechneten fest mit einer proeuropäischen, reformbereiten Koalition aus PD und der Zentrumskraft hinter Monti. Dann aber kehrte Berlusconi aus der Versenkung zurück, und die angenehme Gewissheit löste sich in Wohlgefallen auf. Im Kampf ums politische Überleben setzt der skandalgebeutelte Multimilliardär alles aufs Spiel: die politische Stabilität, die Wirtschaft, Italiens Glaubwürdigkeit. Die Angst vor dem alten Italien ist zurück.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%