Italien: Giorgio Napolitano - ein ruhiger Vermittler

Italien: Giorgio Napolitano - ein ruhiger Vermittler

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Er war 2006 der erste Ex-Kommunist, der in das höchste italienische Staatsamt gewählt wurde.

Mit 87 Jahren ist Napolitano als Staatspräsident wiedergewählt worden: Bei der Überwindung von Regierungskrisen in Italien spielt er seit geraumer Zeit eine Schlüsselrolle. Ein Portrait.

Es ist das erste Mal in Italien, dass ein Präsident wiedergewählt wird - mit 87 Jahren wird Giorgio Napolitano zum zweiten Mal Staatspräsident. Damit ist er einer der ältesten Staatschefs der Welt.

"Ich kann mich meiner Verantwortung für die Nation nicht entziehen", hatte er vor dem sechsten und entscheidenden Wahlgang gesagt - er konnte auf die Unterstützung aller großen Parteien zählen. Nur die Protestbewegung des ehemaligen Komikers Beppe Grillo, der die Einigung der übrigen Parteichefs auf eine zweite Amtszeit Napolitanos als "Staatsstreich" brandmarkte und zu Massenprotesten aufrief, stimmte nicht für ihn.

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Aufgrund seines hohen Alters halten es Experten für wahrscheinlich, dass er nach der Überwindung der politischen Krise in Italien zurücktreten wird. Eigentlich hätte er am 15. Mai aus dem Amt scheiden sollen. In fünf vorangegangenen Abstimmungen hatte keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit für die Wahl zum Präsidenten erreicht. Weil die Abgeordneten der Linken nicht geschlossen für ihre Bewerber stimmten, kündigte deren Chef Pier Luigi Bersani seinen Rücktritt an. Er war von mehreren Parteichefs mit Blick auf die schwere Wirtschaftskrise und die hohe Arbeitslosigkeit gebeten worden, Staatsoberhaupt zu bleiben.

Giorgio Napolitano gilt als ein Gentlemen der alten und ist ein leiser, aber nachdrücklicher Vermittler zwischen den Parteien und ideologischen Welten - mit 17 Jahren schloss er sich dem Widerstand gegen den faschistischen Diktator Mussolini an. 1945 trat er der PCI (Partito Comunista Italiano) bei, 1953 wurde er zum Abgeordneten gewählt. Er war 2006 der erste Ex-Kommunist, der in das höchste italienische Staatsamt gewählt wurde. Seine ruhige Ausstrahlung, sein Pragmatismus und seine untadelige politische Vergangenheit hatten ihm das ermöglicht. Nun wurde er wieder gerufen, „nationale Einheit“ möglich zu machen und das Patt im Parlament zu lösen. Er stammt aus gutbürgerlichen Verhältnissen in Neapel.

Er gilt als einer der wenigen und wirklich breit geschätzten Politiker des Landes und macht auch bei Reisen ins Ausland eine „bella figura“. Im Spätherbst 2011 fädelte er den Übergang von dem gescheiterten Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zu dem Reformer Mario Monti ein. Und auch nach den Parlamentswahlen Ende Februar setzte er alles daran, dass Italien trotz des Patts rasch zu einer Regierung kommen sollte. Das konnte der geschickte Strippenzieher im Quirinale-Palast nicht schaffen - so kurz vor dem Ende seines Mandats waren ihm die Hände gebunden.

Vor Jahrzehnten galt er als einer der großen Modernisierer der Kommunistischen Partei PCI und war Anfang der 90er Jahre maßgeblich an deren Umwandlung in die sozialdemokratische DS (Democratici di Sinistra) beteiligt. Schon damals war der stets elegant gekleidete und zurückhaltende Napolitano ein bewährter Vermittler zwischen verhärteten Fronten. Heute ist er „der große Alte“ der Politik des Stiefelstaates. Wegbegleiter haben ihn deshalb gern als bescheidene und gemäßigte Vaterfigur mit schütterem Haar und Brille beschrieben.

Napolitano-Nachfolge Marini scheitert auch im zweiten Wahlgang

In Italien ist das Parlament zur Wahl eines Nachfolgers für Staatspräsident Napolitano zusammengekommen. Gute Chancen hat offenbar der frühere Senatspräsident Franco Marini, der scheitert allerdings im ersten Wahlgang.

Franco Marini Quelle: REUTERS

Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. In seiner Jugend war er unter anderem als Schauspieler tätig. Das Schreiben von Gedichten blieb sein großes Hobby. Er hat mehrere Bücher verfasst

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