Italien: Mehr als 250 Erdbeben-Tote

Italien: Mehr als 250 Erdbeben-Tote

, aktualisiert 25. August 2016, 19:54 Uhr
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Pescara del Tronto wurde besonders schwer getroffen.

142 Sekunden – so lange bebte in Italien die Erde. Während die Zahl der Opfer steigt, suchen Helfer unermüdlich nach Lebenden unter den Trümmern. Aber die Chancen für die Verschütteten sinken mit jeder Stunde.

Bei einem der verheerendsten Erdbeben in der jüngeren Geschichte Italiens sind mindestens 250 Menschen ums Leben gekommen und weitere 365 verletzt worden. In mehreren Ortschaften in Zentralitalien wurden jahrhundertealte kulturhistorische Bauwerke beschädigt oder zerstört. Die Zahl der Todesopfer könnte nach Angaben des Zivilschutzes noch steigen. Das Beben könne „noch schlimmere Dimensionen erreichen als jenes in L'Aquila“ im Jahr 2009, warnte der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio. Damals starben 309 Menschen.

Nach Angaben der Feuerwehr wurden bislang mindestens 215 Menschen lebend aus den Trümmern gerettet. Etwa 6000 Helfer kämpften unermüdlich gegen die Zeit. Aber einen Tag nach dem Beben einer Stärke von mehr als 6 schwand mit jeder weiteren Stunde die Hoffnung, noch Überlebende zu finden.

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Das Beben hatte übereinstimmenden Medienberichten zufolge in der Nacht zum Mittwoch um 03.36 Uhr begonnen und länger als zwei Minuten gedauert - genau 142 Sekunden. Bis Donnerstagabend gab es mehr als 460 teils starke Nachbeben, die die Arbeiten erschwerten. Gleichzeitig kam neue Kritik am Umgang des Landes mit dem Erdbebenschutz auf.

Renzi kündigt Hilfe an. Papst Franziskus zeigt sich tief betroffen. Und die Rettungsarbeiten laufen auf Hochtouren.

Die meisten Toten gab es in den Orten Amatrice und Accumoli in der Region Latium und in der Gegend um Pescara del Tronto in den Marken. Wie viele Menschen noch verschüttet oder vermisst sind, war am Abend noch immer unklar.

„Es ist unmöglich, eine Zahl der Vermissten zu nennen“, sagte Zivilschutzchef Curcio. Viele seien auf der Durchreise oder im Urlaub in den betroffenen Orten gewesen. Sie liegen zwischen den Regionen Latium, Umbrien, den Marken und den Abruzzen. Vor allem viele Italiener machen dort Urlaub.

Aber auch Ausländer kamen ums Leben, die Außenministerien in Madrid und Bukarest bestätigten den Tod eines spanischen und fünf rumänischer Staatsbürger. Von deutschen Opfern ist bisher nichts bekannt. Das Auswärtige Amt in Berlin stand mit der Botschaft in Italien in Kontakt.

Die Rettungsarbeiten waren die ganze Nacht mit Taschenlampen, Baggern und Spürhunden weitergegangen. Immer wieder wurden Leichen geborgen, die Zahl der Opfer stieg fast stündlich. Zahlreiche Nachbeben versetzten nicht nur die Überlebenden in Panik, sondern ließen auch Gebäude weiter einstürzen.

Schweres Erdbeben nahe Rom Mindestens 120 Tote in Italien

Bei dem schweren Erdbeben in Mittelitalien sind laut Regierungschef Renzi mindestens 120 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Opfer sei mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht endgültig.

Rettungskräfte durchsuchen die Trümmer eines kollabierten Gebäudes in Arcuata del Tronto. Zentralitalien wurde in der Nacht zu Mittwoch von einem schweren Erdbeben erschüttert. Quelle: AP

In Italien wurden an vielen öffentlichen Gebäuden die Fahnen auf halbmast gesetzt. Die Regierung in Rom hatte dies als Zeichen der Trauer und zum Gedenken landesweit angeordnet.

Rufe nach besseren Vorsorgemaßnahmen wurden laut, Italien müsse erdbebensicher werden, forderte etwa der frühere Regierungschef Romano Prodi. Denn das Land ist hoch erdbebengefährdet, weil unter dem Apennin-Gebirgszug die afrikanische und die eurasische Platte aufeinanderstoßen.

„Es wäre nötig, alle privaten Häuser auf Erdbebensicherheit zu überprüfen“, sagte Gianpaolo Rosati, Direktor des Mailänder Polytechnikums, der dpa. „Aber die Aufrüstung kostet oft mehr, als ein komplett neues Haus zu bauen. Deshalb schaffen es viele Privatleute nicht.“

Tausende Menschen ohne Dach über dem Kopf

Tausende Menschen in den betroffenen Orten sind obdachlos, nachdem ihre Häuser eingestürzt sind. In Notunterkünften wie Zelten verbrachten viele die Nacht. Andere zogen es vor, in ihren Autos zu übernachten, so der Zivilschutz.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der französische Präsident François Hollande drückten Italien ihre Solidarität aus und boten Hilfe bei den Rettungsarbeiten an. „Wir können Italien alle möglichen Hilfsmittel zur Verfügung stellen, wenn das Land uns darum bittet, denn es können noch Leben gerettet werden“, sagte Hollande. „Solche Katastrophen zeigen wieder einmal unsere Verwundbarkeit, aber auch, was Solidarität bedeuten kann.“ Deutschland hatte Italien bereits am Mittwoch die Hilfe von Experten des Technischen Hilfswerks (THW) bei der Bergung von Erdbeben-Verschütteten angeboten.

Auch viele alte und historische Bauten waren wie Kartenhäuser eingestürzt. Insgesamt seien 293 kulturhistorische Bauwerke und Stätten beschädigt worden, 50 davon schwer, sagte Kulturminister Dario Franceschini. Die mittelalterlichen Ortskerne der Dörfer, die nun in Trümmern liegen, müssten unter Berücksichtigung des Erdbebenschutzes wieder aufgebaut werden, „das sind wir den Gemeinden schuldig“. Das am schlimmsten betroffene Amatrice galt als eines der schönsten Dörfer Italiens.

Der Bürgermeister des hart getroffenen Ortes Accumoli, Stefano Petrucci, machte den Überlebenden Mut. „Jetzt gibt es einen Moment der Verzweiflung, aber wir glauben an uns. Wir sind hartnäckige Bergbewohner und wir werden das schaffen.“

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