Italien, Spanien & Co. : Wie die Jugendarbeitslosigkeit schwinden soll

Italien, Spanien & Co. : Wie die Jugendarbeitslosigkeit schwinden soll

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In Europa wurde schon viel versucht um der Arbeitslosigkeit Herr zu werden. Doch nichts funktioniert

von Anne Grüttner, Karin Finkenzeller, Yvonne Esterházy

Warum in Europa so viele junge Menschen keinen Job haben – und was die Regierungen dagegen tun wollen.

Frankreich - Hürden durch Mindestlohn

Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Frankreich derzeit bei 26 Prozent – und sie ist ein Problem mit langer Geschichte. Seit den Siebzigerjahren ließen konservative wie sozialistische Regierungen Plan auf Plan folgen, um jungen Franzosen den Start in die Arbeitswelt zu erleichtern: Es gab unter anderem Teilzeitverträge bei Kommunen, sozialversicherungsfreie Betriebspraktika oder befristete Jobs, die mit nur 80 Prozent des Mindestlohns vergütet wurden. "Wir haben so gut wie alles ausprobiert. Aber keine der Maßnahmen lieferte überzeugende Ergebnisse", urteilt Didier Demazière, Soziologe am renommierten französischen Forschungsinstitut CNRS. Auch der amtierenden sozialistischen Regierung ist der große Wurf bisher nicht gelungen. Von 100 000 Stellen im öffentlichen Dienst und bei Verbänden, die 2013 im Rahmen eines Programms für gering qualifizierte Jugendliche aus Problemvierteln geschaffen werden sollen, existierten Ende Mai nur rund 25 000. Dabei übernimmt der Staat 75 Prozent des Mindestlohns.

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Ein Arbeitssuchender sitzt in Spanien hinter einem Schild Quelle: AP

Hilfsprogramme laufen schleppend

Einen Grund für das geringe Tempo sieht Demazière nicht nur in leeren öffentlichen Kassen. "Manche Ämter haben auch Angst vor der Klientel." Weshalb Staatschef François Hollande seinen Arbeitsminister Michel Sapin soeben anwies, das Programm auf qualifizierte Jugendliche auszuweiten. Das zweite von den Sozialisten initiierte Hilfsprogramm – staatlich subventionierte Generationenverträge, bei denen ein älterer Mitarbeiter einen jungen Kollegen anlernt – läuft ebenfalls eher schleppend an.

Mitverantwortlich für die Misere ist der überregulierte Arbeitsmarkt, der die Einstellung von Berufsanfängern für Betriebe unattraktiv macht. Vor allem die Höhe des Mindestlohns von derzeit 9,43 Euro pro Stunde stelle eine Hürde dar, urteilen die Ökonomen des Conseil d’analyse économique, der die Regierung in wirtschaftlichen Fragen berät. Versuche der Deregulierung scheiterten bereits im Ansatz. 2006 zog die Regierung nach wochenlangen Protesten den Contrat de première embauche (Vertrag zur Ersteinstellung) zurück, mit dem Unternehmen Mitarbeiter unter 26 Jahren in den ersten beiden Jahren ohne Begründung hätten entlassen dürfen.

Womöglich stellt sich der Erfolg auch deshalb nicht ein, weil ein kulturelles Problem außer Acht bleibt: Wer in Frankreich etwas gelten will, braucht Abitur und Studium. "Diese Haltung entwertet die praktische Berufsausbildung", kritisiert Demazière. Jedes Jahr brechen zudem bis zu 150 000 Jugendliche die Schule ab. Ein zweiter Bildungsweg existiert nur in Ansätzen. Ein duales Ausbildungssystem nach deutschem Vorbild scheitert nicht zuletzt am mangelnden Interesse der Unternehmen.

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