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IWF: Frankreich verfehlt Defizitziel

Der IWF sorgt sich um Frankreich, dessen Wirtschaft in der Krise steckt. Die zweitgrößte Volkswirtschaft des Euro-Raums werde das EU-Defizitziel verfehlen. Der IWF mahnt, Frankreich müsse wettbewerbsfähiger werden.

Was die Franzosen mit Deutschland verbinden

Am 22. Januar jährt sich der Elysee-Vertrag zum 50. Mal. Aus diesem Anlass hat die Deutsche Botschaft am Montag in Paris das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage vorgestellt. Die Frage lautete: Welches Bild haben die Franzosen von den Deutschen und umgekehrt? Fest steht: Es ist eine lange Geschichte der Anerkennung, aber auch der Anfeindung. Ein kurzer Überblick, über die Begriffe, mit denen die Franzosen uns Deutsche identifizieren.

Bild: dpa

Das kriselnde Euro-Schwergewicht Frankreich bekommt aus Sicht des Internationalen Währungsfonds sein Defizit nicht in den Griff. Der IWF rechnet damit, dass Frankreich im nächsten Jahr die EU-Defizitgrenze nicht einhalten kann. Wie der Währungsfonds in Washington mitteilte, erwartet er für das Jahr 2013 ein Defizit in Frankreich von 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, nach 4,5 Prozent im laufenden Jahr. Frankreich leidet unter fehlendem Wachstum und hoher Arbeitslosigkeit. Der IWF mahnte, Frankreich müsse wettbewerbsfähiger werden.

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Auch die EU-Kommission hatte Anfang November davor gewarnt, dass Paris daran scheitern könnte, im nächsten Jahr die Maastrichter Defizitmarke von drei Prozent einzuhalten. Frankreich werde im kommenden Jahr beim Defizit auf 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung kommen. EU-Währungskommissar Olli Rehn will aber erst im kommenden Jahr entscheiden, ob er eingreift. Die Kommission kann Defizitsünder mit Geldbußen zwingen, auf Sparkurs zu blieben. Die französische Regierung hatte mehrfach betont, im nächsten Jahr das Defizitziel von 3 Prozent zu erreichen.

Fakten zu François Hollande

  • Ausbildung

    Studierte Recht, Wirtschaft und Politik an Pariser Eliteuniversitäten.

  • Wahlkampf

    Holte sich Wahlkampftipps von Beratern des US-Präsidenten Barack Obama.

  • Einkommen

    Will im Amt sich und seinen Ministern das Gehalt um ein Drittel kürzen.

  • EU

    Plant einen Wachstumspakt zur Ergänzung des EU-Fiskalpakts.

  • Steuern

    Will Jahreseinkommen über eine Million Euro mit 75 Prozent besteuern.

Der IWF schätzt das Wirtschaftswachstum in Frankreich für das Jahr 2012 auf 0,2 Prozent, für das kommende Jahr auf 0,4 Prozent. Der Wirtschaftsausblick spiegele angesichts der Schuldenkrise die allgemeine Schwäche in Europa wider. Behindert werde die Erholung in Frankreich jedoch auch durch eine mangelnde Wettbewerbsfähigkeit. Der Exportanteil gehe stetig zurück. Als positiv hob der IWF hervor, dass die Investoren dennoch Vertrauen in Frankreich hätten.

Frankreichs Wirtschaftsminister Pierre Moscovici stimmte dem Bericht des IWF größtenteils zu. Die anhaltende Wirtschaftsflaute in der Eurozone und die seit zehn Jahren bestehende mangelnde Wettbewerbsfähigkeit seien die Haupthindernisse für Frankreichs Wirtschaftswachstum, teilte der Minister nach der Veröffentlichung des IWF-Jahresberichts mit.

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In einem Sondergutachten hatte der frühere Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Louis Gallois, im November die Schwäche der französischen Wirtschaft aufgezeigt. So sank der Anteil der Industrie an der Gesamtwertschöpfung in den vergangenen Jahren deutlich, im Gegensatz zu Deutschland. Die Handelsbilanz verschlechterte sich ebenfalls deutlich.

Die Wirtschaft in der zweitgrößten Volkswirtschaft des Euro-Raums stagniert seit längerem. Die französische Regierung reagierte und will Strukturreformen angehen. Mit massiven Steuererleichterungen für Unternehmen sollen Wettbewerbsdefizite ausgeglichen werden.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.12.2012, 14:39 UhrHaafJohannes

    Hoffen wir, dass Europa-Politik im Jahr 2013 sich ändert, hin zu Demokratischen Stärkung der einzelnen Länder, Basisdemokratie, Einführung von Landeswährungen mit der Möglichkeit der Abwertung, sonst wird die Erwerbslosen-Welle und Armut in Europa noch größer, soziale Bürgerkriege werden die Folge sein.
    Europapolitik führt in eine soziale und demokratische Katastrophe
    Die Erwerbslosigkeit in Europa steigt. Die Wettbewerbsfähigkeit vieler Volkswirtschaften in Europa bleibt über Jahre hinweg schlecht. Die Staatsschulden steigen, weil von Banken und Investoren Schulden hin zum Steuerzahler verschoben werden. Politik wird durch Verschuldung auf Kosten kommender Generationen gemacht. Die Verarmung breiter Massen nimmt zu. Wenige Reiche profitieren von dieser Politik. Kapital fließt unter den Augen der Politik in Steueroasen. Die sogenannten europäischen Eliten bauen systematisch die Demokratie ab, schaffen europäische Institutionen, die weder demokratisch noch gerichtlich kontrolliert werden. Rechtsfreie Räume entstehen, wo man sich selbstherrlich finanziell bedient. Sozialstandart´s werden geschliffen. Übrig bleibt Armut und Feindschaft der europäischen Völker. Deshalb braucht es dringend die Wahlalternative 2013. Dazu finden Sie Informationen im Internet. Unterstützen Sie bitte: http://www.wa2013.de/index.php?id=198 nnnnnnnn

  • 23.12.2012, 13:10 UhrDieterStaas

    Frankreichs Wirtschaft funktioniert, weil der Binnenmarkt funktioniert. Während Deutschland seit Jahrzehnten (seit H. Schmidt) planmäßige die Löhne der unteren Häfte der Erwerbstätigen senkt und diese über die Plünderung der Sozialkassen zusätzlich noch mit extrem hohen Abgaben belegt, sorgt Frankreich mit einem Mindestlohn und mit einer sehr geringen Abgabenlast auf niedrige Löhne (trotz hoher Steuerquote) für Kaufkraft, gerade auch bei den unteren Schichten. Folglich reagiert die französische Wirtschaft auch nicht so stark auf Schwankungen der Weltwirtschaft. Der Binnenmarkt stabilisiert das ganze System. Natürlich sind die summierten Ansprüche an das Sozialprodukt auch in Frankreich immer höher als das Sozialprodukt selbst. Früher konnte Frankreich diese Differenz über eine flexible (abwertungsbereite) Währung ausgleichen. Heute muss Frankreich sich verschulden oder die Steuern erhöhen. Es gibt aber Grund zu hoffen, dass der Euro bald auseinanderfliegt und Frankreich wieder eine eigene Währung bekommt (vgl. wie alles so kam und warum und was noch kommt).

  • 23.12.2012, 09:32 UhrLeopold

    Gelten die Defizitziele auch für Sozialisten?
    So wie sie Frankreich nicht einhalten wird würde sie auch in Deutschland eine Rot-Grün-Regierung nicht einhalten. Und gemeinsam mit Brüssel und den anderen EU-Staaten würde man weiter versuchen, Wachstum zu erkaufen. Womit? Neuen Schulden, natürlich.

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