IWF zur Euro-Krise: Neue Töne von Christine Lagarde

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IWF zur Euro-Krise: Neue Töne von Christine Lagarde

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IWF-Chefin Christine Lagarde forderte die EZB auf, mehr Geld in den Markt zu pumpen

von Tim Rahmann

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds hält die Euro-Krise für längst nicht beendet. Ihre Argumente sind schlüssig, ebenso ihre Kritik an der Rente mit 63 Jahren. Nur bei der EZB-Politik irrt sie.

Europa darf im Kampf gegen die Krise nach Ansicht von IWF-Chefin Christine Lagarde nicht nachlassen. „Die Erholung läuft, das ist richtig. Einige Länder haben die Hilfsprogramme erfolgreich beendet“, sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) dem „Handelsblatt“. „Aber das heißt nicht, dass die Krise vorbei und unsere Mission erfüllt ist“, fügte die Französin hinzu.

Dass die Renditen für Griechenland und Portugal zuletzt stark gesunken sei, kann Lagarde nicht beruhigen. Während vereinzelte Euro-Optimisten aus Zinsen von 4,75 beziehungsweise 2,75 Prozent eine Trendwende ablesen, schränkt die IWF-Chefin richtig ein: „Man muss in der Tat feststellen, dass die Zinsaufschläge für bestimmte Euro-Anleihen unglaublich schnell gesunken sind. Den Märkten reicht offenbar schon ein erster Eindruck. Ich hoffe, dass in der positiven Einschätzung der Märkte nicht zu viel Übertreibung steckt.“ Für den IWF seien ökonomische Fundamentaldaten für einen längeren Zeitraum ausschlaggebend.

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Kritik an Rentenplänen

Diese seien nicht durchweg optimistisch. Der Kreditfluss im Bankensektor stocke weiter, vor allem in den Südländern des Euroraums hätten es Unternehmen deutlich schwerer, Kredite zu bekommen. Und auch bei den Arbeitsmarktreformen bleibe noch viel zu tun. „Vor allem muss die Wettbewerbsfähigkeit der Länder verbessert werden. Hier geht es zum Beispiel um Strukturreformen auf den Arbeitsmärkten“, so Lagarde.

Auch die Rentenpläne der Großen Koalition in Berlin sieht die IWF-Chefin kritisch. Sie mahnte an, dass der eingeschlagene Weg in der Rentenreform weiterverfolgt und nicht abgebrochen werden sollte – insbesondere dort, wo die Lebenserwartung weiter steigt. „Das sind Hausaufgaben für alle europäischen Länder, inklusive der Klassenbesten“, sagt Lagarde vieldeutig.

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Fast möchte man Beifall klatschen für die neuen, richtigen Töne aus Washington. Doch dann kommt Lagarde auf ein Thema zu sprechen, bei dem sie dünnes Eis beitritt: die EZB-Geldpolitik. Die IWF-Chefin fordert die Notenbank in dem Zeitungsinterview unverhohlen auf, mehr gegen die Euro-Krise zu tun. „Die Geldpolitik in Europa sollte deshalb weiterhin Wachstumsimpulse geben“, sagte Lagarde. Was das bedeutet, kann man sich vorstellen: Der IWF fordert EZB-Chef Mario Draghi auf, Geld in den Markt zu pumpen. Ein gefährlicher Schritt, bei dem nicht zuletzt auch Rechtsfragen offen sind.

Dass EZB-Chef Mario Draghi – und Teile der Öffentlichkeit – ihre Appelle nicht gerne hören werden, stört Lagarde nicht: „Ich weiß, aber was soll ich machen? Wir sagen unsere Meinung, wenn es nötig ist.“

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