Jugendarbeitslosigkeit: Die gute Frau von der Leyen

Jugendarbeitslosigkeit: Die gute Frau von der Leyen

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Rund 56 Prozent der jungen Spanier haben keine Arbeit. Ein ganzes Land - und mit ihm eine Generation von hochqualifizierten Ingenieuren, Krankenschwestern, Lehrern, Naturwissenschaftlern - ächzt unter der Wirtschaftskrise.

von Max Haerder

Deutschland will nur sparen, sparen, sparen in Europa? Ursula von der Leyen (CDU) setzt bei einem Kurzbesuch in Madrid gezielt auf kümmern, werben, fordern. Das ist - nicht ganz uneigennützig - die Paraderolle der Bundesarbeitsministerin.

7.200, das eine Zahl, bei der auch Ursula von der Leyen kurz mal erstaunt die Augenbrauen hebt. 7.200 Spanier machten gerade allein bei den hiesigen Goethe-Instituten einen Deutschkurs, erzählt der deutsche Botschafter, so viele wie noch nie. Madrid habe damit mittlerweile Moskau als größte Sprachlern-Metropole überholt.

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Warum das so ist, wird deutlich, wenn man eine zweite Zahl kennt: rund 56 Prozent der jungen Spanier haben keine Arbeit. Das trifft schon lange nicht mehr nur die schlecht Ausgebildeten oder die in der strukturschwachen Provinz. Ein ganzes Land - und mit ihm eine Generation von hochqualifizierten Ingenieuren, Krankenschwestern, Lehrern, Naturwissenschaftlern - ächzt unter der Wirtschaftskrise. Der Euro, der Aufschwung, der Immobilienboom der Zweitausender, alles nur noch eine Katastrophe.

Für viele junge Spanier gibt es deshalb nur eine Parole: Raus aus der Krise, zum Beispiel nach Deutschland. Für die Bundesarbeitsministerin auf Stippvisite in Madrid ist diese Gemengelange nicht ganz unheikel. Die kraftstrotzende deutsche Wirtschaft sucht händeringend nach motivierten Azubis, warum nicht von der iberischen Halbinsel? Gleichzeitig aber bedeutet ein solches Ansinnen, einem daniederliegenden Land womöglich das beste Personal abspenstig zu machen, nationales und europäisches Interesse kollidieren also. Hatte sich nicht gerade von der Leyen vor geraumer Zeit als Vorkämpfern für die "Vereinigten Staaten von Europa" inszeniert? Wie passt das zusammen?

Von der Leyen begegnet dieser Konstellation beim Besuch in Madrid mit einem entschiedenen sowohl als auch. Man könnte auch sagen: Sie gibt die Europa-Idealistin und die BRD-Jobbotschafterin in einem. Sie habe "Hochachtung vor den Anstrengungen", die in Spanien gerade erbracht würden, sagt sie beim Treffen mit ihrer spanischen Amtskollegin. Es seien „Zeit und langer Atem“ nötig, bist die Reformen greifen würden. Deutschland, vor zehn Jahren selbst der kranke Mann Europas, habe selbst diese Erfahrung gemacht. Und überhaupt: Beim Aufbau einer erfolgreichen dualen Ausbildung im Land wolle man gerne helfen. Die Botschaft: Wir importieren nicht nur euren Nachwuchs, wir geben auch unser Know-how weiter.

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