Jugendarbeitslosigkeit: Italiens Alte sollen den Jungen Platz machen

Jugendarbeitslosigkeit: Italiens Alte sollen den Jungen Platz machen

Die Jugendarbeitslosigkeit in Italien ist dramatisch. Die Regierung will dem Problem mit einem umfassenden Problem zu Leibe rücken. Unter anderem sollen ältere Arbeitnehmer für die Jugendlichen das Feld räumen.

Italiens Arbeitsminister Enrico Giovannini will mit mehreren Maßnahmen gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in dem Krisenland kämpfen. Rund zwölf Milliarden Euro will die Regierung nach dem EU-Gipfel im Juni dafür zur Verfügung stellen, wie die Zeitung „La Repubblica“ berichtete. Damit solle die hohe Arbeitslosenquote bei den unter 25-Jährigen in Italien von derzeit 38,4 auf 30 Prozent gesenkt werden. Im wirtschaftlich schwächeren Süden sind sogar rund 50 Prozent der jungen Italiener ohne Job.

Wissenswertes über Italien

  • Italiener leben lang – und ungesund

    Das Klima und die mediterrane Küche sind wohl ausschlaggebend für die hohe Lebenserwartung der Italiener. In Europa führen sie die Liste aller OECD-Staaten an, weltweit belegen sie den zweiten Platz. Die Lebenserwartung beträgt bei Frauen circa 83 Jahre, bei Männern 78 Jahre. Ungefähr 19 Prozent der Italiener sind älter als 65 Jahre.

    Dennoch ist auch im Stiefelstaat der Trend zum Übergewicht festzustellen. Italien hat der adipösen Gesellschaft den Kampf angesagt und so gibt es in Italien einige Krankenhäuser, die sich ausschließlich um fettleibige Patienten kümmern.

  • Das sind die reichsten Italiener

    Der Süßwarenfabrikant Michele Ferrero ist der reichste Mann Italiens. Sein Vermögen wird auf 17 Milliarden Dollar geschätzt. Leonardo Del Vecchio, Gründer von Luxottica, folgt auf Rang zwei.

  • Verkaufsschlager Wein und Öl

    Die italienische Landwirtschaft spielt insgesamt keine große Rolle. In zwei Bereichen sind die Italiener dennoch Weltspitze: So produzierte das Land 2010 rund 44,8 Millionen Hektoliter Wein. Nur Frankreich stellt mehr Wein her. Außerdem ist Italien, nach Spanien, der zweitgrößte Erzeuger von Olivenöl.

  • Italiens beste Kunden

    Italiens Handelspartner befinden sich in direkter Nähe zu dem Land. Deutschland ist der wichtigste Partner, gefolgt von Frankreich. Italiens Produkte erfreuen sich besonders in Großbritannien, Spanien und den USA großer Beliebtheit. Importiert wird aus den Niederlanden, China, Libyen und Russland.

  • Was kann Italien besser als Deutschland?

    Eindeutig Brillen herstellen! Denn Luxottica, mit Sitz in Agordo (Provinz Belluno) ist der weltgrößte Brillenhersteller. Seit 1995 kauft das italienische Unternehmen US-Marken wie Ray-Ban und Oakley auf.

  • Italiens "Blaue Banane"

    Mailand, Turin und Genua sind die größten Wirtschaftszentren Italiens. Sie sind Teil des europäischen Wirtschaftsraumes, der durch neun Länder führt und "Blaue Banane" heißt. Zentrale Einrichtungen der Europäischen Union und 20 Weltstädte befinden sich in der Zone. Hier sind die Bevölkerung, die Wirtschaft, das Kapital und die Infrastruktur sehr gut verwoben und bilden somit eine wirtschaftliche Achse Europas. Vergleichbar ist dieser Wirtschaftsraum mit BosWash in den USA.

  • Die kuriosesten Gesetze

    Kuriose Gesetze sind in Italien keine Seltenheit. So müssen Hunde dreimal täglich Gassi gehen. Die Polizei darf sich bei den Nachbarn auch erkundigen, ob dies eingehalten wird. Hohe Geldstrafen sind ausgesetzt, wer sich nicht an die Gesetze halten will. Wer sich in der Lombardei abends auf einer Bank ausruhen will, muss sich vergewissern, dass nicht mehr als drei Personen Platz nehmen. Denn in einem öffentlichen Park ist dies streng reglementiert.

  • Reich an Kultur

    Italien ist das Land mit den meisten Welterbestätten. Italien ist in Besitz von 100.000 Denkmälern. Darunter befinden sich nicht nur Kirchen, Galerien und Schlösser. Auch archäologische Funde, Brunnen und Villen fallen unter den Denkmalschutz.

Dem Kampf gegen das drängende Problem hat Ministerpräsident Enrico Letta höchste Priorität eingeräumt. „Bis Juni konzentrieren wir uns auf die Jugendlichen“, sagte Giovannini. Dazu war für Mittwochnachmittag ein Treffen von Arbeitsminister Enrico Giovannini mit Vertretern beider Seiten geplant, bei dem die Pläne der Regierung beraten werden sollten. Unter anderem schwebt Giovannini das Beschäftigungsmodell Generationen-Handschlag vor. Dabei sollen Ältere Arbeitnehmer kürzer treten , damit jüngere in den Unternehmen eine Chance haben. Die Unterstützung der Gewerkschaften hat der Arbeitsminister jedenfalls.

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Weniger arbeiten, damit mehr Menschen Arbeit haben

Ganz konkret sollen Angestellte, die kurz vor der Rente stehen, nur noch halb so viel arbeiten - und dafür auch nur den halben Lohn bekommen. Die entstehende Lücke sollen die Jungen füllen, die den Job dann nach und nach ganz übernehmen können. Die Älteren sollen aber weiter in voller Höhe Sozialversicherungsbeiträge bekommen. Nur trägt nicht mehr das Unternehmen die Kosten, sondern der ohnehin schon marode Staat. Laut einem Rechenmodell Giovanninis kämen dann auf Italien pro Jahr und Teilzeitrentner rund 10.000 Euro zu. Der Arbeitsminister nennt den Vorschlag "kostspielig, aber möglich".

Tausende Stellen unbesetzt Italien gehen die Pizzabäcker aus

Obwohl die Arbeitslosenquote auf fast zwölf Prozent angestiegen ist, finden Pizza-Stuben in Italien kaum Personal. Über 6000 Stellen sind unbesetzt. Warum nur?

In Italien ist die Pizza nach wie vor heißbegehrt. Allerdings finden die Gastronomen kaum noch einheimische Pizzabäcker. Quelle: dapd

Allerdings löst dieses Modell das Problem des Arbeitsplatzmangels nicht. Die Alten arbeiten weniger, damit die Jungen anfangen können, zu arbeiten. Mehr Jobs entstehen dadurch nicht. Dem Staat entstehen zusätzliche Kosten für die Sozialversicherungsbeiträge, die sich das Land derzeit nicht leisten kann.

Die Wirtschaftskrise und die hohe Arbeitslosigkeit stürzen Millionen Italiener in die Armut. Jeder Fünfte kann es sich nicht leisten, die Wohnung ausreichend zu heizen, Fleisch ist für 17 Prozent ein Luxusgut, mehr als die Hälfte kann nicht einmal eine Woche im Jahr in Urlaub fahren, wie die nationale Statistikbehörde ISTAT in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie mitteilte. Insgesamt lebten 2012 8,6 Millionen Italiener unter der Armutsgrenze - das sind mit 14 Prozent der Bevölkerung doppelt so viele wie vor zwei Jahren.

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Mehr als 60 Prozent der jungen Italiener rechnen einer Studie zufolge damit, dass sie ärmer sein werden als ihre Eltern. 38 Prozent leben noch bei Vater und Mutter, weil sie sich eine eigene Wohnung nicht leisten können.

Doch nicht nur in Italien, der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone, grassiert die Jugendarbeitslosigkeit. In Spanien ist sie mit 55 Prozent noch höher. Deutschland und Spanien unterzeichneten am Dienstag eine Absichtserklärung, durch die mehr junge Spanier in Deutschland eine Jobperspektive erhalten sollen. In Griechenland liegt die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei 70 Prozent - in Deutschland dagegen bei nur 7,6 Prozent.

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