Juncker-Nachfolge: Dijsselbloem wird neuer oberster Euro-Retter

Juncker-Nachfolge: Dijsselbloem wird neuer oberster Euro-Retter

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Der erst 46 Jahre alt Niederländer Jeroen Dijsselbloem ist neuer Eurogruppen-Chef.

Der niederländische Sozialdemokrat Jeroen Dijsselbloem ist am Montag zum neuen Eurogruppenchef gewählt wurden. Er tritt damit das Erbe von Jean-Claude Juncker an. Spanien stimmte aus Ärger über das "Diktat" der AAA-Länder gegen den Neuling.

Am Ende ging es schneller als erwartet. Auf dem Treffen der Euro-Finanzminister gab schließlich auch Frankreichs Ressortchef Pierre Moscovici seine Verzögerungstaktik auf. "Der Champagner wird serviert", hieß es um 22.00 Uhr. "Ich finde diese Entscheidung sehr gut", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Spaniens Minister Luis de Guindos stimmte nicht für den Sozialdemokraten. Er brachte damit seinen Verdruss zum Ausdruck, dass fast alle Schlüsselämter der Eurozone - von Sparkommissar Olli Rehn bis zum ESM-Boss Klaus Regling - von Vertretern aus AAA-Ländern besetzt werden. Wird der Neuling das Spardiktat der solventen Nordländer noch strenger machen? Der frisch Gekürte werte sich gegen die Unterstellung: "Eine Spaltung zwischen Nord und Süd wird bestimmt nicht mein Ansatz sein", sagte er. Schließlich sei er ein Sozialdemokrat, und Sparsamkeit und Solidarität müssten sich nicht ausschließen. Es werde unter seiner Führung eine Debatte geben über das Tempo, mit dem konsolidiert werden müsse. Genau darauf - mehr Zeit - hofft Frankreich, wenn es um die Erfüllung der Brüsseler Stabilitätskriterien geht. Doch eine Festlegung auf Länder oder konkrete Zahlen vermied Dijsselbloem auf seiner ersten Pressekonferenz geflissentlich. Denn mit einer Lockerung der Sparpolitik würde er Berlin verärgern.

Für den luxemburgischen Regierungschef Juncker war es das letzte Treffen als Strippenzieher der Eurokrise. "Da ist ein bisschen Wehmut dabei, aber vor allem Erleichterung", sagte der 58-Jährige. Er wisse nicht, ob die Gruppe "ein Irrenhaus ist". Aber über sechs Monate habe er gerufen: "Holt mich hier raus!"

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Der 46-jährige Niederländer ist erst seit November Finanzminister und außerhalb der Niederland fast unbekannt. Doch als Sprecher der Euro-Finanzminister ist er dann der oberste Krisenmanager. Seine Mission: den Euro retten. Wer ihn bekleidet, droht mitten in der Krise und im komplizierten deutsch-französischen Verhältnis unter die Räder zu geraten. Die drei Hauptaufgaben des obersten Krisenmanagers formulierte Moscovici so: "Wie kann der Euroraum in seiner Vollständigkeit erhalten bleiben, wie kann man zu besseren Wachstumsaussichten kommen, wie kann man die Bankenunion weiterentwickeln?" Das sind die drei dicksten Bretter, die Europa derzeit bohren muss.

Dem Sohn eines Englischlehrers fehlt es trotz seiner ruhigen Art nicht an Selbstbewusstsein. Ein Diplomat berichtet, beim Euro-Gruppen-Treffen im Dezember habe sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit anderen Schwergewichten wie EZB-Präsident Mario Draghi und EU-Kommissar Michel Barnier zurückgezogen, um die zähe Debatte wieder in Gang zu bringen. Dijsselbloem, der erstmals dort war, habe einen kurzen Moment nachgedacht, dann höflich, aber bestimmt angeklopft, den Raum betreten und ihn auch erst wieder verlassen, als ein Kompromiss gefunden war.

Politisch zählt Dijsselbloem zu einer Gruppe pragmatischer Sozialdemokraten, die in seiner Heimat als die "roten Ingenieure" bezeichnet werden, weil sie alle an technischen Universitäten studiert haben.

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