
Kapitalverkehrskontrollen zielen darauf ab, den Fluss von spekulativen ausländischen Kapitalab- und -zuflüssen einzuschränken. Es gibt mehrere Varianten: Grenzüberschreitende Geldgeschäfte werden genehmigungspflichtig, hoch besteuert oder verboten. Beispiel Griechenland: Wenn Hellas aus dem Euro austritt, dürfte die schon jetzt massive Kapitalflucht einen weiteren Schub erhalten, das griechische Bankensystem würde kollabieren.
Das umgekehrte Problem haben die Schweizer; sie fürchten eine Fluchtwelle aus Angstkapital in ihr Land schwappen. Nicht nur Griechen, sondern auch betuchte Portugiesen, Spanier und Italiener dürften bei einem Euro-Zerfall Vermögenswerte in die Schweiz transferieren. Der Deutsche-Bank-Analyst George Saravelos schätzt, dass der Schweizer Franken innerhalb weniger Tage dadurch um 20 bis 25 Prozent aufwerten würde – für die Schweizer Volkswirtschaft ein massiver Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Thomas Jordan, Präsident der Schweizer Nationalbank (SNB), hat daher klargemacht, dass sein Land auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone mit Kapitalverkehrskontrollen reagieren könnte.
Bild: dpaDas Griechenland-Loch in den Bankbilanzen
Wenn Griechenland die genauen Bedingungen für den Schuldenerlass festgelegt hat, haben die privaten Gläubiger laut Bankenverband voraussichtlich eine Frist von bis zu 14 Tagen, „in der jedes Haus für sich entscheiden kann“, ob es sich an dem Forderungsverzicht beteiligen wird. Bankenverbände rechnen mit einer hohen Beteiligungsquote der privaten Investoren. Falls sich nicht genügend private Gläubiger freiwillig am Schuldenschnitt beteiligen, will die griechische Regierung sie per Gesetz dazu zwingen.
Etliche Banken haben bereits im Vorfeld in großem Umfang ihre Griechenland-Engagements abgeschrieben und so deren Bilanzwert reduziert. Das verhagelt einigen die Geschäftszahlen. Ein Überblick.
Bild: dpaCommerzbank
Die Commerzbank hat ihren Konzerngewinn im Schlussquartal 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 316 Millionen Euro gesteigert – allerdings nur aufgrund des Rückkaufs eigener Unternehmensanleihen, die die Bank zuvor teurer ausgegeben hatte. Das brachte der Commerzbank einen „positiven Einmaleffekt“ in Höhe von 735 Millionen Euro und macht so schwarze Zahlen.
Allerdings brach der Gewinn um mehr als die Hälfte auf 638 Millionen Euro ein. Allein der ausgehandelte Schuldenschnitt für Griechenland belastete die Bilanz mit rund 2,3 Milliarden Euro. Insgesamt schrieb die Bank ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen um knapp 74 Prozent ab. Das ließ auch die gute Entwicklung im Kerngeschäft in den Hintergrund treten. Die Commerzbank-Aktien brachen am Morgen nach Bekanntgabe der Zahlen zunächst um knapp zehn Prozent auf 1,87 Euro ein.
Bild: dapdHypo Real Estate
Vom Forderungsverzicht sind auch die „Bad Banks“ der öffentlich-rechtlichen WestLB und der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) betroffen, die Hellas-Papiere abschreiben müssen. Beim Forderungsverzicht von 50 Prozent war mit einem Verlust von 6,5 Milliarden Euro gerechnet worden, wobei der Großteil auf die „Bad Bank“ der HRE entfällt. Bei dem nun vereinbarten Forderungsverzicht von 53,5 Prozent fällt der Verlust größer aus. Der Finanzexperte Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft hat knapp zehn Milliarden Euro ermittelt. Abgerechnet wird zwar erst am Schluss. Es wird aber nicht damit gerechnet, diese Verluste noch kompensieren zu können.
Der Schuldenschnitt für Griechenland dürfte den deutschen Steuerzahler also Milliarden kosten. Allein die sogenannte Bad Bank der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE), die FMS Wertmanagement, dürfte nach Angaben aus Finanzkreisen zu Abschreibungen in einem Volumen von sechs bis acht Milliarden Euro gezwungen sein. Ein FMS-Sprecher konnte die genauen Folgen allerdings noch nicht beziffern.
Bild: dpaDexia
Die teilverstaatlichte belgisch-französische Großbank Dexia hat im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von 11,6 Milliarden Euro verbucht. Grund dafür seien vor allem Verluste aus Geschäften mit griechischen Staatsanleihen sowie aus dem Verkauf des belgischen Arms der Dexia an den Staat gewesen, teilte die Bank in Brüssel mit. Das Geldhaus will keine Dividende auszahlen.
Der Finanzkonzern und Kommunalfinanzierer gilt als erstes Opfer der Euro-Schuldenkrise. Belgien hatte mit Steuergeldern den belgischen Arm des Geldhauses für vier Milliarden Euro komplett übernommen. Nur mit staatlichen Garantien wurde das Institut am Leben erhalten, diese müssen von der EU-Kommission noch genehmigt werden.
Bild: dpaCredit Agricole
Die französische Großbank Credit Agricole hat im vergangenen Quartal einen größeren Verlust angehäuft als erwartet. Belastet wurde das Geldhaus insbesondere durch hohe Kosten für die Verkleinerung seiner Bilanz sowie die Schuldenkrise Griechenlands. Der Fehlbetrag lag bei 3,07 Milliarden Euro, wie das Management der drittgrößten börsennotierten französischen Bank mitteilte. Analysten hatten mit einem Minus von lediglich 2,75 Milliarden Euro gerechnet.
Die Einnahmen fielen um vier Prozent auf 4,66 Milliarden Euro und lagen damit etwas höher als die Analystenprognose von im Schnitt 4,54 Milliarden. An einmaligen Belastungen im Schlussquartal 2011 gab es unter anderem Abschreibungen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro auf Vermögenswerte der konzerneigenen Investmentbank und auf Beteiligungen an anderen Banken der Euro-Zone sowie eine Vorsorge über 220 Millionen Euro für das Engagement in Griechenland.
Bild: dpaRBS
Die teilverstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) ist im vierten Quartal wieder in die roten Zahlen gerutscht. Sie wies für das Schlussquartal 2011 einen Fehlbetrag von 1,8 Milliarden Pfund aus. Im dritten Quartal hatte die Bank einen Gewinn in Höhe von 1,2 Milliarden Pfund geschafft. Grund für die schwächere Entwicklung waren Abschreibungen auf Vermögenswerte sowie Kosten für den Umbau der Bank. Die Abschreibungen auf Griechenland-Wertpapiere haben allein 1,1 Milliarden Pfund betragen. Die RBS war im Zuge der Finanzkrise in Schieflage geraten, wurde vom Staat mit rund 46 Milliarden Pfund gerettet und ist seitdem zu 82 Prozent in staatlicher Hand.
Bild: dpaDeutsche Bank
Die Deutsche Bank schrieb ihren Bestand an Griechenland-Anleihen bereits in den vorläufigen Jahreszahlen um 71 Prozent des Nominalwertes ab und verbuchte dafür 527 Millionen Euro Verlust. Im testierten Jahresabschluss, den die Bank am 20. März vorlegt, könnten die Wertberichtigungen noch leicht steigen.
Bild: REUTERSDZ Bank
Neue Belastungen stehen auch der genossenschaftlichen DZ Bank ins Haus. Sie hatte in ihren Halbjahreszahlen die griechischen Anleihen um ein Drittel abgeschrieben und dafür 216 Millionen Euro Verlust verbucht. Nun dürften rechnerisch weitere rund 280 Millionen Euro anfallen.
Bild: WGZWGZ
Das zweite genossenschaftliche Zentralinstitut, die Düsseldorfer WGZ, will in der Jahresbilanz für 2011 nach Angaben eines Sprechers Griechenland-Papiere im Nominalwert von 531 Millionen Euro abschreiben. Das sind drei Viertel des Bestands.
Bild: dpaHelaba
Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hatte ihren Bestand griechischer Staatsanleihen im Volumen von rund 60 Millionen Euro bereits um 67 Prozent abgeschrieben.
Das Griechenland-Loch in den Bankbilanzen
Wenn Griechenland die genauen Bedingungen für den Schuldenerlass festgelegt hat, haben die privaten Gläubiger laut Bankenverband voraussichtlich eine Frist von bis zu 14 Tagen, „in der jedes Haus für sich entscheiden kann“, ob es sich an dem Forderungsverzicht beteiligen wird. Bankenverbände rechnen mit einer hohen Beteiligungsquote der privaten Investoren. Falls sich nicht genügend private Gläubiger freiwillig am Schuldenschnitt beteiligen, will die griechische Regierung sie per Gesetz dazu zwingen.
Etliche Banken haben bereits im Vorfeld in großem Umfang ihre Griechenland-Engagements abgeschrieben und so deren Bilanzwert reduziert. Das verhagelt einigen die Geschäftszahlen. Ein Überblick.
Raffinierte Tricks
Dies wäre ein Einschnitt für Europa, denn in den vergangenen Jahrzehnten griffen vor allem Schwellenländer nach diesem umstrittenen Instrument: Mexiko 1994, Südkorea und Russland 1998, Argentinien in den Jahren 2000 und 2001. Moskau verbot den Unternehmen drei Monate lang, ihre Fremdwährungsschulden zu bedienen. Argentinien fror, ungeachtet massiver Proteste in der Bevölkerung, Bankeinlagen für ein Jahr lang ein und Termingelder für mehrere Jahre.
Effekt und Sinnhaftigkeit derart rabiater Regulierungsaktionen sind umstritten. In Mexiko, Südkorea und Argentinien entwickelten Banker, Beamte und Bürger immer neue Tricks und Techniken, um Geld aus dem Land zu schmuggeln. Das Fazit zahlreicher Wirtschaftshistoriker ist daher: „Das Kapital findet immer seinen Weg nach außen.“
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