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Kapitalverkehrskontrollen: Die Schweiz wappnet sich für den Ernstfall

von Anne Kunz

Die Eidgenossen fürchten eine Invasion von Kapital aus den Euro-Ländern – und drohen mit harten Reaktionen. Ein neues Zeitalter zubetonierter Kapitalmärkte droht.

Griechenland muss auf Problem der Kapitalflucht reagieren - Doch für Kapitalverkehrskontrollen ist es nun vielleicht schon zu spät Quelle: dpa
Griechenland muss auf Problem der Kapitalflucht reagieren - Doch für Kapitalverkehrskontrollen ist es nun vielleicht schon zu spät Quelle: dpa

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Kapitalverkehrskontrollen zielen darauf ab, den Fluss von spekulativen ausländischen Kapitalab- und -zuflüssen einzuschränken. Es gibt mehrere Varianten: Grenzüberschreitende Geldgeschäfte werden genehmigungspflichtig, hoch besteuert oder verboten. Beispiel Griechenland: Wenn Hellas aus dem Euro austritt, dürfte die schon jetzt massive Kapitalflucht einen weiteren Schub erhalten, das griechische Bankensystem würde kollabieren.

Das umgekehrte Problem haben die Schweizer; sie fürchten eine Fluchtwelle aus Angstkapital in ihr Land schwappen. Nicht nur Griechen, sondern auch betuchte Portugiesen, Spanier und Italiener dürften bei einem Euro-Zerfall Vermögenswerte in die Schweiz transferieren. Der Deutsche-Bank-Analyst George Saravelos schätzt, dass der Schweizer Franken innerhalb weniger Tage dadurch um 20 bis 25 Prozent aufwerten würde – für die Schweizer Volkswirtschaft ein massiver Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Thomas Jordan, Präsident der Schweizer Nationalbank (SNB), hat daher klargemacht, dass sein Land auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone mit Kapitalverkehrskontrollen reagieren könnte.

Das Griechenland-Loch in den Bankbilanzen

Wenn Griechenland die genauen Bedingungen für den Schuldenerlass festgelegt hat, haben die privaten Gläubiger laut Bankenverband voraussichtlich eine Frist von bis zu 14 Tagen, „in der jedes Haus für sich entscheiden kann“, ob es sich an dem Forderungsverzicht beteiligen wird. Bankenverbände rechnen mit einer hohen Beteiligungsquote der privaten Investoren. Falls sich nicht genügend private Gläubiger freiwillig am Schuldenschnitt beteiligen, will die griechische Regierung sie per Gesetz dazu zwingen.

Etliche Banken haben bereits im Vorfeld in großem Umfang ihre Griechenland-Engagements abgeschrieben und so deren Bilanzwert reduziert. Das verhagelt einigen die Geschäftszahlen. Ein Überblick.

Bild: dpa

Raffinierte Tricks

Dies wäre ein Einschnitt für Europa, denn in den vergangenen Jahrzehnten griffen vor allem Schwellenländer nach diesem umstrittenen Instrument: Mexiko 1994, Südkorea und Russland 1998, Argentinien in den Jahren 2000 und 2001. Moskau verbot den Unternehmen drei Monate lang, ihre Fremdwährungsschulden zu bedienen. Argentinien fror, ungeachtet massiver Proteste in der Bevölkerung, Bankeinlagen für ein Jahr lang ein und Termingelder für mehrere Jahre.

Effekt und Sinnhaftigkeit derart rabiater Regulierungsaktionen sind umstritten. In Mexiko, Südkorea und Argentinien entwickelten Banker, Beamte und Bürger immer neue Tricks und Techniken, um Geld aus dem Land zu schmuggeln. Das Fazit zahlreicher Wirtschaftshistoriker ist daher: „Das Kapital findet immer seinen Weg nach außen.“

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.06.2012, 16:20 Uhrallesverloren

    Während Südeuropa vor dem Euro-Brandherd mittels Kapitalflucht flieht , läuft der deutsche Bundestag mit dem geflüchteten Kapital zurück in den Brandherd. Dabei garantiert Deutschland zweierlei: Erstens bekommen die Kapital-Flüchtlinge ihr Geld garantiert. Zweitens ist der deutsche Sparer und Steuerzahler der Garant. Wir haben tollte Feuerwehrleute im Bundestag.

  • 11.06.2012, 14:32 Uhrpedro

    Ein Laie fragt.:
    Wenn Deutsche (Europäische) Bankinstitute in Amerika für 100erte Milliarden (Billionen) Schrott kaufen, ist das nicht eine Art Kapitalflucht ins Verderben ?.
    Wie dumm und von Gier zerfressen, muss man sein, um so zu handeln?.

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