Kapitalverkehrskontrollen: Die Schweiz wappnet sich für den Ernstfall

Kapitalverkehrskontrollen: Die Schweiz wappnet sich für den Ernstfall

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Griechenland muss auf Problem der Kapitalflucht reagieren - Doch für Kapitalverkehrskontrollen ist es nun vielleicht schon zu spät

von Anne Kunz

Die Eidgenossen fürchten eine Invasion von Kapital aus den Euro-Ländern – und drohen mit harten Reaktionen. Ein neues Zeitalter zubetonierter Kapitalmärkte droht.

Kapitalverkehrskontrollen zielen darauf ab, den Fluss von spekulativen ausländischen Kapitalab- und -zuflüssen einzuschränken. Es gibt mehrere Varianten: Grenzüberschreitende Geldgeschäfte werden genehmigungspflichtig, hoch besteuert oder verboten. Beispiel Griechenland: Wenn Hellas aus dem Euro austritt, dürfte die schon jetzt massive Kapitalflucht einen weiteren Schub erhalten, das griechische Bankensystem würde kollabieren.

Das umgekehrte Problem haben die Schweizer; sie fürchten eine Fluchtwelle aus Angstkapital in ihr Land schwappen. Nicht nur Griechen, sondern auch betuchte Portugiesen, Spanier und Italiener dürften bei einem Euro-Zerfall Vermögenswerte in die Schweiz transferieren. Der Deutsche-Bank-Analyst George Saravelos schätzt, dass der Schweizer Franken innerhalb weniger Tage dadurch um 20 bis 25 Prozent aufwerten würde – für die Schweizer Volkswirtschaft ein massiver Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Thomas Jordan, Präsident der Schweizer Nationalbank (SNB), hat daher klargemacht, dass sein Land auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone mit Kapitalverkehrskontrollen reagieren könnte.

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Raffinierte Tricks

Dies wäre ein Einschnitt für Europa, denn in den vergangenen Jahrzehnten griffen vor allem Schwellenländer nach diesem umstrittenen Instrument: Mexiko 1994, Südkorea und Russland 1998, Argentinien in den Jahren 2000 und 2001. Moskau verbot den Unternehmen drei Monate lang, ihre Fremdwährungsschulden zu bedienen. Argentinien fror, ungeachtet massiver Proteste in der Bevölkerung, Bankeinlagen für ein Jahr lang ein und Termingelder für mehrere Jahre.

Effekt und Sinnhaftigkeit derart rabiater Regulierungsaktionen sind umstritten. In Mexiko, Südkorea und Argentinien entwickelten Banker, Beamte und Bürger immer neue Tricks und Techniken, um Geld aus dem Land zu schmuggeln. Das Fazit zahlreicher Wirtschaftshistoriker ist daher: „Das Kapital findet immer seinen Weg nach außen.“

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