Klimagipfel: Dement durch den Klimawandel?

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Klimagipfel: Dement durch den Klimawandel?

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Blick in die Tiefen des schmelzenden Gletschers: Welchen Folgen hat der Klimawandel für unsere Gesundheit und unsere Lebenserwartung?

von Karin Finkenzeller

Hohe Kosten für die Folgen von Naturkatastrophen haben die Versicherungsbranche zum Vorkämpfer gegen die Erderwärmung gewandelt. Jetzt soll weniger CO2 auch schwere Krankheiten verhindern. Gibt es diesen Zusammenhang?

Renaud Prouveur hat eine beunruhigende Botschaft. Genauso wie die Dürre im afrikanischen Nigeria einen Teil der Bevölkerung in die Arme der Islamistengruppe Boko Haram getrieben habe, und genauso wie die jahrelang Trockenheit in Syrien Konflikte in der Bevölkerung anheizten, die das Land schließlich zur Brutstätte der Terrormiliz IS machten, genauso, sagt der studierte Kriminologe, hätten in Zukunft durch den Klimawandel provozierte Krankheiten schwer wiegende geopolitische Folgen.

Das klingt nach Alarmismus, gerade so kurz nach den Terroranschlägen der IS in Paris und angesichts des Ortes, den Prouveur für diese Aussage gewählt hat. Der Chef der französischen Firma Spallian, Spezialist für Geodata Management, sitzt in einem Auditorium des UN-Klimagipfels in der französischen Hauptstadt. Dort wird seit Montag darüber verhandelt, wie die Klimakatastrophe noch verhindert werden kann.

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Klimawandel als Verursacher von Krankheiten, die dann wiederum zu Flucht und Vertreibung, aber auch zu Extremismus und Krieg führen? Die These dürfte mindestens so umstritten sein wie die von einigen Experten verfochtene Relation zwischen Dürre und Islamismus. Den einen Grund festzumachen, wird schwierig sein.

Tatsache ist jedoch, dass der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Krankheiten zunehmend Unternehmen aus dem Gesundheitssektor umtreibt. Nicht zuletzt Versicherungsunternehmen, die einen Erkrankten entschädigen sollen.

„Wir sind ja in einer Doppelrolle,“ sagt Hélène N’Diaye, Technical Risk Director bei Generali France, während der Podiumsdiskussion zum Klimagipfel. „Wir leisten nicht nur Schadenersatz, sondern bemühen uns verstärkt auch um Prävention. Schließlich basiert unser Geschäftsmodell darauf, dass wir die Kosten von Katastrophen in Zukunft begrenzen.“ Wird die Eintrittswahrscheinlichkeit nämlich zu groß, lassen sich manche Risiken womöglich nicht mehr oder nur noch zu sehr hohen Beiträgen versichern.

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde

  • Das Bevölkerungswachstum

    Die Anzahl der Menschen auf der Erde wächst jedes Jahr um etwa 70 bis 80 Millionen Personen. Das entspricht fast der Bevölkerungsgröße Deutschlands. Bis 2050 soll laut Schätzungen der Vereinten Nationen die Weltbevölkerung auf knapp 10 Milliarden Menschen angewachsen sein. Dass die Kinder nicht hierzulande oder bei unseren europäischen Nachbarn geboren werden, ist hinreichend bekannt. Vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern in Afrika und Asien wächst die Bevölkerungszahl. Dadurch wächst auch der Bedarf an Rohstoffen, Energie, Wasser und Nahrung.

  • Wirtschaftswachstum

    Trotz Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1992 hat sich der CO2-Ausstoß kaum verringert. Lediglich als 2009 aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise viele Industriestätten weniger produzierten, sank der Wert der Kohlendioxidemission auf 784 Millionen Tonnen. Schon ein Jahr später lag der Wert wieder bei 819 Millionen Tonnen. Dabei entsteht ein Großteil der Emissionen in nur wenigen Ländern wie China, den USA und der EU.

  • Automobile

    Während Carsharing und der öffentliche Nahverkehr in Ländern wie Deutschland in Zeiten hoher Benzinkosten viele Anhänger findet, ist der weltweite Trend eindeutig ein anderer. Immer mehr PKW fahren über den Globus. 2010 wurde erstmals die Eine-Milliarde-Marke geknackt. Besonders viele Autos pro Einwohner werden in Monaco und den USA gefahren.

  • Kohle, Kohle, Kohle

    Der seit Mai 2012 stetig ansteigende Ölpreis hat dafür gesorgt, dass Kohle wieder an Attraktivität gewonnen hat. Die Wiederauferstehung der Kohle ist für die Umwelt eine Katstrophe. Laut BUND sind Kohlekraftwerke mehr als doppelt so klimaschädlich wie moderne Gaskraftwerke. Die großen Dampfwolken aus den Kühltürmen der Kraftwerke machen ein anderes Problem deutlich: Mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie geht meist als ungenutzte Wärme verloren.

  • Abholzung

    Das Handout der Umweltschutzorganisation WWF zeigt die illegale Abholzung eines Waldgebietes in Sumatra (Indonesien). Jährlich gehen knapp 5,6 Millionen Hektar Wald verloren. Die fortschreitende Abholzung von Regenwäldern trägt entsprechend mit zur globalen Erderwärmung bei. Denn die Wälder speichern Kohlendioxid.

  • Rindfleisch

    Rinder sind wahre CO2-Schleudern. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien erzeugt genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie eine 1.600 Kilometer lange Autofahrt. In diese Rechnung fließen mehrere Faktoren ein. Zum einen können auf dem für die Rinder genutzten Weideland keine Wälder mehr wachsen. Zum anderen scheiden Rinder das klimaschädliche Gas Methan aus. Laut WWF sind in Deutschland fast 70 Prozent der direkten Treibhausemissionen auf die Ernährung mit tierischen Produkten zurückzuführen.

  • Wegwerfgesellschaft

    Nicht nur Unmengen an Verpackungsmüll produzieren die Deutschen. Wir schmeißen auch jede Menge Lebensmittel weg, pro Kopf etwa 100 Kilogramm pro Jahr. Auch diese Verschwendung wirkt sich massiv negativ auf das Klima aus.

  • Flugzeuge

    Flugzeuge stoßen CO2, Stickoide, Wasserdampf, Ruß, Sulfat und andere Partikel aus und verpesten so die Umwelt. Die größte Klimawirkung hat laut atmosfair.de das reine CO2, das immer beim Verbrennen von Benzin oder Kerosin entsteht. Außerdem die Bildung von Schleierwolken und Kondensstreifen, der Aufbau vom Treibhausgas Ozon in einem sensiblen atmosphärischen Stockwerk sowie der Abbau von Methan.

Bei Naturkatastrophen ist sich die Branche bereits über den Klimawandel als Mitverursacher bewusst. Weshalb zum Beispiel der Gesamtverband er Deutschen Versicherungswirtschaft vor Jahren in einer Studie zum Klimawandel appellierte: „Alle gesellschaftlichen Gruppen sind aufgefordert, durch vorausschauendes Verhalten die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Treibhausgas-Emissionen nachhaltig zu senken.“

„Langfristig haben wir ein Interesse daran, den Klimawandel in Schach zu halten,“ sagt auch Peter Höppe, Chef-Meteorologe des weltgrößten Rückversicherers Munich Re. Aus mehr als 36.000 Naturkatastrophen, die der Konzern in seiner Datenbank gesammelt hat, lassen sich die Folgen des Klimawandels nach Höppes Überzeugung ganz klar ablesen.

Kann das auch für Krankheiten gelten? „Wir haben dafür natürlich auch eine Menge Daten gesammelt,“ sagte Generali-Managerin N’Diaye. „Es ist allerdings oft noch schwierig zu sagen, ob der Klimawandel wirklich der Verursacher ist.“

Einen direkten Zusammenhang zwischen den Niederschlägen in einer Tropenregion und den dort auftretenden Fällen von Dengue-Fieber herzustellen, ist nämlich noch vergleichsweise einfach. So beobachteten Forscher zum Beispiel im Jahr 2000 eine ganz deutliche Korrelation zwischen den bis dahin stärksten Regenfällen im Norden und im Landesinnern von Brasilien und der anschließenden Dengue-Epidemie. Bei den Folgen der Regenwaldrodung für Atemwegserkrankungen wird es schon schwieriger, weil womöglich andere Verursacher wie der Tabakkonsum hinzu kommen.

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