Knauß kontert: Das Licht kommt aus dem Westen

kolumneKnauß kontert: Das Licht kommt aus dem Westen

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Die Ukraine strebt nach Werten, auf denen die Europäische Union gegründet wurde.

Kolumne von Ferdinand Knauß

Der Historiker Peter Frankopan hat ein Handbuch der europäischen Selbstverachtung geschrieben: „Licht aus dem Osten“. Was Europa ausmacht, die Idee der Freiheit, interessiert ihn jedoch so wenig wie sein Publikum.

Alle paar Jahre kommt ein junger, in der Regel englischsprachiger Historiker mit einem Großwerk auf den Buchmarkt, das die jüngere Vergangenheit in ganz neuem Licht erscheinen lässt. Vor einigen Jahren hießen diese neuen Sterne am Historiker-Himmel Goldhagen, Ferguson oder Clark. Jetzt heißt er Peter Frankopan und sein viel gelobtes und gekauftes Opus Magnum „Licht aus dem Osten“, will nicht weniger sein als „Eine neue Geschichte der Welt“.

Diesen Anspruch erfüllt das Buch nicht. Beachtenswert ist aber weniger das Buch, sondern dessen Erfolg als zeitgeistiges Phänomen. In der gebildeten Öffentlichkeit Europas wird Frankopan mit euphorischen Rezensionen von der britischen Times bis zur deutschen Zeit gefeiert.

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Es ist, wie der unbescheidene Untertitel verspricht, ein Ritt durch die gesamte Geschichte der Region, die man als Naher bis Mittlerer Osten kennt, und zwar erzählt mit dem unverhohlenen Anspruch, eine Art historische Gerechtigkeit für all die Länder und Völker von Palästina und Anatolien bis zum Himalaya herbeizuschreiben, die für Frankopan das Zentrum der Welt waren und sind.

Knauß kontert Fatale Signale der Schwäche

Ob sich Angela Merkel nun von der Armenien-Resolution offiziell distanziert hat oder nicht. Schon der Eindruck, dass der Kotau erwogen wurde, vermittelt eine Botschaft der Schwäche. Es ist nicht das erste Mal.

Unterwerfung. Quelle: Getty Images

Frankopan macht dabei aus seiner Geringschätzung Europas und seiner historischen Wurzeln keinen Hehl. Das antike Griechenland als Geburtsort der Demokratie und Philosophie wird völlig ignoriert. Seitenlang schwärmt er von der Macht des alten Perserreichs, ohne deren Niederlage gegen die Griechen zu erwähnen. Während die griechische Polis und die römische Republik als Wurzeln der Demokratie völlig unerwähnt bleiben, liefert Frankopan reichlich Apologetik für das frühislamische Reich und dessen angebliche Toleranz.

Den Aufstieg Europas und seine ab dem Spätmittelalter unübersehbare militärische Überlegenheit erklärt er durch einen „speziellen Charakter“, „der im Vergleich zu dem anderer Teile der Welt besonders aggressiv und feindselig war“. Von einem speziell gewalttätigen Charakter der Hunnen, Mongolen, Araber oder anderer kriegerischer Eroberer-Völker aus dem Osten weiß Frankopan dagegen nichts.

Knauß kontert Der Westen ist kein Vorbild mehr

Was in der Türkei derzeit geschieht, ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Westen nicht mehr als nachahmenswertes Vorbild wahrgenommen wird. Denn: Wir sind reich, aber zeigen uns schwach.

Türkei: Demonstrationen für Recep Tayyip Erdoğan. Quelle: Getty Images

Dass die Überlegenheit der Europäer, die sie schließlich zu Kolonialherren machte, auch etwas mit Technik und Wissenschaft und deren Voraussetzungen zu tun hat, kommt Frankopan nicht in den Sinn. In seinem Buch ist vor allem von Handel („Silk Roads“ – „Seidenstraßen“ heißt es im englischen Original) und Religionen die Rede.

Von Erfindungen (jenseits der Religion) und der Produktion neuer Güter dagegen nicht. Wie auch. Die Länder, die Frankopan zum alten und neuen Nabel der Welt erklärt, haben schließlich an der atemberaubenden Geschichte der Innovationen und Produktivitätssteigerung der vergangenen zwei Jahrhunderte ausschließlich als passive Nachzügler teil.

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