Kommentar: Risse im System der Notenbanken

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KommentarKommentar: Risse im System der Notenbanken

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Die Schweizernotenbank (SNB) traut dem Euro nicht mehr und gerät zunehmend in Panik.

von Frank Doll

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Bilanz um weit mehr als 2000 Milliarden Euro durch den Kauf von Staatsanleihen aufblasen. Diese Aussicht hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) in Panik versetzt.

Endstation! Zweieinhalbjahre hat Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), den Finanzmärkten ein großangelegtes Ankaufprogramm für Staatsanleihen in Aussicht gestellt. Jetzt muss er liefern. Andernfalls fliegen der EZB die europäischen Anleihenmärkte um die Ohren. Im Vertrauen auf Draghis Versprechen und die Durchsetzungskraft der EZB haben Spekulanten massiv auf europäische Staatsanleihen gesetzt. Selbst in den Krisenstaaten der Eurozone liegen die Renditen inzwischen weit unter dem Niveau vergleichbarer US-Staatsanleihen. Die EZB hat eine gigantische Anleiheblase aufgepumpt.

Um Deflationsbekämpfung, wie es die EZB und ihr akademisches Fußvolk um die Ökonomen Paul Krugman und DIW-Präsident Marcel Fratzscher vorgeben, geht es bei den geplanten Staatsanleihenkäufen nicht. Selten war eine geldpolitische Diskussion absurder. Denn es gibt in der Eurozone überhaupt keine Deflation, sondern höchstens eine milde Inflation.

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Die noch größer aufgeblasene Bilanz der EZB versetzt die SNB in Panik. Quelle: dpa

Die Schweizernotenbank (SNB) traut dem Euro nicht mehr und gerät zunehmend in Panik.

Bild: dpa

Das unabhängige Londoner Researchhaus Capital Economics hat ermittelt, dass zwei Drittel des Rückganges der Konsumentenpreisinflation seit Anfang 2013 auf den Rückgang der Energiepreise zurückzuführen sind - ein Einmaleffekt also. Rechnet man diesen Faktor heraus, wären die Preise in der Eurozone im Dezember im Jahresvergleich nicht um 0,2 Prozent gefallen, sondern um 0,6 Prozent gestiegen.

Selbst wenn es tatsächlich Deflation gäbe in der Eurozone würde die EZB mit ihren geplanten Eingriffen nicht viel daran ändern. Ökonomen der US-Investmentbank Morgan Stanley schätzen, dass ein Staatsanleihenkaufprogramm im Volumen von 1000 Milliarden Euro - die Summe hat die EZB als offiziellen Testballon in Umlauf gebracht - nur einen Effekt von jeweils 0,4 Prozentpunkte auf Inflation und Wirtschaftsleistung hätte. Interne Analysen der EZB sollen zu ähnlich mageren Ergebnissen gekommen sein. Analysten der Royal Bank of Scotland gehen deshalb davon aus, dass die EZB ihre Bilanz daher nicht nur um 1000 Milliarden Euro, sondern um 2300 Milliarden Euro auf 4500 Milliarden Euro aufblasen wird. Das erscheint plausibel mit Blick auf das EZB-Inflationsziel von knapp zwei Prozent. Für ein bisschen mehr Inflation und Wirtschaftswachstum aber setzte die EZB den Euro aufs Spiel.  

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