Konflikt in der Ukraine: Keine Angst vor Putins Säbel!

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KommentarKonflikt in der Ukraine: Keine Angst vor Putins Säbel!

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Vladimir Putin

von Florian Willershausen

Der Kreml zürnt ob des Verlusts der Kontrolle über die Ukraine – und lässt auf der Krim die Muskeln spielen. Aber einen Krieg würde Moskau nicht riskieren, weil der Separatismus in Russland neu aufbrechen würde.

Zweifellos ist es ein brandgefährliches Manöver: Russland hat die Schwarzmeerflotte auf der Krim in Alarmbereitschaft versetzt – und die Luftwaffe im Westen des Landes gleich mit. Der Kreml plant ein Manöver, angeblich ohne dass dies etwas mit dem Sturz der Regierung in der Ukraine zu tun hätte. Dennoch ist die Botschaft klar: Russlands Präsident Wladimir Putin passt es nicht, dass die Ukraine weg von Russland in die Arme der EU driftet.

Plötzlich herrscht Kriegsangst in Europa: Was geschieht, wenn Russland die Krim militärisch zurückholt? Sowjetchef Nikita Chruschtschow hatte den touristisch attraktiven Landstrich 1954 an die Ukraine verschenkt, was wohl ein Versehen in einer Wodka-Laune war. Ein Vorwand für eine Rückholaktion mag die große Zahl russischer Staatsbürger dort sein, die offenbar zu Scharmützeln mit den historisch dort verankerten tatarisch-stämmigen Ukrainern aufgehetzt wurden – dem Sturz der Regierung in Kiew aber schon darum kritisch gegenüber gestanden hatten, weil sie die Interpretationen aus dem russischen Fernsehen bezogen.

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Aber wir sollten die Manöver nicht überbewerten. Putin neigt dazu, seine Stärke zu zelebrieren – nach Außen, aber mehr noch mit Blick auf seine eigenen Landsleute, die einen machtlüsternen Präsidenten lieben. Der 60-Jährige zieht seine bröckelnde Legitimität daraus, dass er den Mythos Russlands als Großmacht zusammenhält. Was bei der aufstrebenden Mittelschicht in den Städten nicht mehr funktioniert. Also versucht er mit geopolitischer Kraftmeierei die plump patriotisch gesonnenen Massen um sich zu sammeln.

Vorläufig gelingt das. Das staatlich kontrollierte Fernsehen wird Putin als glorreichen Feldherrn inszenieren. So funktioniert russische Innenpolitik. Einen heißen Krieg indes wird Putin aber nicht riskieren: Würde er die Abspaltung der Krim von der Ukraine forcieren, könnte dies Begehrlichkeiten auf dem russischen Territorium wecken. Im Kaukasus gibt es ein gutes Dutzend ethnischer Minderheiten mit potenziell separatistischen Einstellungen.

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Die Abspaltung Tschetscheniens verhinderte Moskau mit zwei blutigen Kriegen. Unter der Knute des regionalen Diktators Ramsan Kadyrow herrscht dort zwar relative Ruhe, auch weil er die Separatisten in den Wäldern mit nächtlichen Militäreinsätzen niedermetzeln lässt. Aber die Kaukasus-Völkchen in Dagestan und Inguschetien bringen immer mal wieder islamistische Terroristen hervor, die zuletzt in Wolgograd und vor wenigen Jahren in Moskau Selbstmordattentate mit vielen Toten verübt hatten. Und Putins Vorgehen gegen die Krim-Tataren würde selbst den friedliebenden russischen Tataren missfallen, die wohl integriert in der ökonomisch sehr erfolgreichen Republik Tatarstan leben – häufig in russisch-tatarischen Mischehen.

Insofern wäre es Wahnsinn, wenn Putin die Büchse der Pandora öffnen würde. Ethnische Konflikte machen im postsowjetischen Raum nicht an den Grenzen halt. Daher ist es für Moskau opportun, die lokalen Konflikte der eigenen Landsleute auf der Krim zu schlichten. Die Region genießt in der Ukraine eine weitgehende Autonomie, der Verbleib der Schwarzmeerflotte ist vertraglich abgesichert.

Es gibt keinen Grund für Unruhen – es sei denn, man will sie.

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