Konjunktur: Berechtigte Hoffnungen trotz Wachstums-Einbruch

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KommentarKonjunktur: Berechtigte Hoffnungen trotz Wachstums-Einbruch

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Im vergangenen Jahr ist die deutsche Wirtschaft geschrumpft, doch Draghis Anleihekäufe zeigen endlich ihre Wirkung

von Anne Kunz

Auch wenn die Zahlen es noch nicht zeigen: Deutschlands Wirtschaft wächst wieder kräftig.

Man hatte Schlimmes erwartet, aber es kam katastrophal. Die deutsche Wirtschaft ist im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent geschrumpft. Schon in den Monaten zuvor war das Bruttoinlandsprodukt kaum gewachsen. Nun sogar ein Minus. Ginge es 2013 so weiter, die Rezession wäre da.

Doch stattdessen könnte es heiter werden. Der Grund: Das von EZB-Chef Mario Draghi im Herbst aufgelegte Anleihekaufprogramm zeigt seine Wirkung. Seitdem herrscht Ruhe an den internationalen Finanzmärkten, und die deutschen Unternehmen haben ihre Ängstlichkeit abgelegt. Doch wird der sich abzeichnende Aufschwung nur ein Strohfeuer, oder trägt er länger? Fest steht: Erst mal investieren die Unternehmen wieder kräftig und treiben so die Wirtschaft an. Harte Zahlen, die dies belegen, gibt es zwar noch nicht, doch das wichtigste Barometer der deutschen Wirtschaft, der ifo-Geschäftsklimaindex, steigt kräftig. "Meine 20 Jahre Erfahrung mit Konjunkturprognosen haben mir gezeigt, dass ein starker Anstieg des ifo immer eine Konjunkturwende bedeutet", sagt Commerzbank-Analyst Ralph Solveen.

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Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Die Auslandsnachfrage wird steigen

Der Mangel an Investitionsbereitschaft war es, der die deutsche Wirtschaft 2012 hauptsächlich belastet hat. Hinzu kam im vierten Quartal, dass die Exporte nicht so stark gewachsen sind wie zuvor. Auch an dieser Front macht sich jetzt wieder Optimismus breit. Die Auslandsnachfrage dürfte 2013 kräftig steigen: Das Wachstum in den Emerging Markets zieht allmählich an, und der US-Einkaufsmanagerindex, wichtigste Messgröße für die Lage der Weltwirtschaft, hat im Januar das kräftigste Plus seit neun Monaten verzeichnet.

Weitere Artikel

Selbst in den Peripheriestaaten der Euro-Zone dürfte sich die Lage stabilisieren. Hier hatte die Krise noch stärker eingeschlagen und – anders als in Deutschland – die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen merklich verschlechtert. Doch nun fallen die Renditen für Unternehmensanleihen spürbar, auch Bankkredite werden allmählich billiger.

Das alles deutet auf eine Erholung hin. Für einen sich selbst tragenden Aufschwung reicht es jedoch nicht. Dafür müssen die Krisenländer die angestoßenen Reformen durchsetzen, ihre Haushalte sanieren und wettbewerbsfähiger werden. Erst dann könnte Draghis Aktion, die nichts weiter als ein umfassender Vertrauensvorschuss für die Krisenstaaten ist, Erfolg haben. Bleiben die Reformen aus, ginge die Krise von Neuem los – und zwar unter deutlich schlechteren Vorzeichen.

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