Konjunktur: Spanien rutscht immer tiefer in die Rezession

Konjunktur: Spanien rutscht immer tiefer in die Rezession

Quelle:Reuters

Das krisengeplagte Spanien kommt nicht zur Ruhe. Die wirtschaftlich stärkste Region Katalonien will die Zentralregierung in Madrid um Finanzhilfe in Milliardenhöhe bitten. Auch konjunkturell rutscht das Land weiter ab: Die Rezession verschärfte sich im zweiten Quartal, weil die Rekordarbeitslosigkeit den Konsum abwürgt.

Keine Besserung an der Wirtschaftsfront: Das spanische Bruttoinlandsprodukt schrumpft im zweiten Quartal um 0,4 Prozent im Vergleich zum Jahresanfang. Damit rutscht das Land tiefer in die Rezession als noch am Jahresanfang. Auch in den einzelnen Regionen verschärft sich die Krise. So will Katalonien, eine der wirtschaftlich stärksten Regionen, über den staatlichen Hilfsfonds mehr als fünf Milliarden Euro abrufen, sagte eine Sprecherin der Regionalregierung am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Politische Bedingungen für die Hilfe werden wir nicht akzeptieren“, sagte sie. Von den 17 Regionen haben bereits
Valencia und Murcia Finanzbedarf angemeldet.

Die Nachricht schickte die Aktienmärkte auf Talfahrt. Der europäische Leitindex EuroStoxx50 verlor zeitweise 0,8 Prozent auf 2441 Zähler. Auch an den US-Börsen ging es zum Handelsstart nach unten. „Durch das Hilfsgesuch Kataloniens wird ein Antrag Spaniens auf Gelder aus dem europäischen Rettungsfonds wahrscheinlicher“, sagte Aktienstratege Jörg Rahn von Marcard Stein & Co. „Immerhin muss der Staat jetzt Gelder aufbringen, die nicht eingeplant waren.

Außerdem schürt der Antrag aus Katalonien die Erwartung, dass da womöglich noch andere Regionen folgen werden.“ Nach den Worten von Ministerpräsident Mariano Rajoy verhandelt Spanien derzeit nicht mit seinen europäischen Partnern über neue Hilfen. Er werde erst abwarten, welche Maßnahmen die Europäische Zentralbank (EZB) plane, um die hohen Zinsen für spanische Staatsanleihen zu drücken.

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Die Konzerne sind stark und global genug, um den Schuldenabbau zu bewältigen. Kleine Firmen dagegen haben ein großes Problem.

Quelle: dpa


Fallende Zinsen
In Katalonien wird etwa ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Die Region hat aber auch den höchsten Schuldenberg. Er beläuft sich auf rund 42 Milliarden Euro. Im zweiten Halbjahr muss sich Katalonien 5,755 Milliarden Euro leihen, um seinen Finanzbedarf zu decken. Den hoch verschuldeten Regionen ist wegen der schlechten Bonität der Zugang zum Kapitalmarkt praktisch verschlossen. Die Regierung
will den klammen Gebieten deshalb mit einem Fonds im Volumen von 18 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Er speist sich zu einem Drittel aus Lottomitteln.

Die Zentralregierung lieh sich erneut Milliarden von Investoren zu deutlich niedrigeren Zinsen. Das hoch verschuldete Land verkaufte Geldmarktpapiere und sammelte dabei rund 3,6 Milliarden Euro ein. Bei der Auktion von Bonds mit drei Monaten Laufzeit fiel die durchschnittliche Rendite auf 0,946 von 2,43 Prozent im Juli. Die Rendite bei Sechs-Monats-Papieren sank auf 2,026 Prozent von 3,69 Prozent.

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