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Kontrolle lückenhaft: Viele Griechen erschleichen weiter Renten

Griechenland bekommt seine Ausgaben nicht unter Kontrolle: Noch immer wird etwa jede zehnte Rente gezahlt, obwohl gar nicht sicher nachgehalten werden kann, wer sie erhält. Neue Ermittlungen sollen das jetzt ändern.

Airbus A340

Der Verkauf von vier Flugzeugen des Typs Airbus A340 neues Geld in die leere griechische Staatskasse spülen. Griechenlands Premierminister Samaras erwartet, dass die Flieger der früheren Staatsairline Olympic Airways für jeweils 32,9 Millionen Euro veräußert werden können.

Bild: REUTERS

In Griechenland erschleichen sich Bürger trotz intensiver Kontrollen Zuschüsse und Renten. Die Behörden können für jede zehnte Rente nicht sicher feststellen, ob sie rechtmäßig ist und an wen sie genau ausgezahlt wird. Dies sagte am Mittwoch der Chef der Behörde, die die Bücher der Rentenkassen prüft, im griechischen Radio.

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„Etwa jede zehnte Rente kann nicht richtig verifiziert werden, an wen sie denn geht“, sagte der Chef der Kontrollbehörde Charis Theocharis. Neue Kontrollen sollen nun klären, „was Sache ist“, hieß es. Nach einer Verordnung des Arbeitsministeriums müssen alle Rentenkassen bis zum 17. August detaillierte Listen mit den Renten vorlegen, bei denen es Zweifel gibt.

Unterdessen ordnete die Staatsanwaltschaft von Athen umfangreiche Kontrollen in allen Regionen des Landes an. Alle diejenigen, die sich Renten oder Zuschüsse erschleichen, sollen sofort zur Rechenschaft gezogen werden, berichtete das griechische Fernsehen unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen richten sich nicht nur gegen die Bezieher der Renten und Zulagen sondern auch gegen Kassenangestellte und Ärzte, die für die Bewilligung verantwortlich waren.

Wozu Griechenland sich verpflichtet hat

  • Schuldenabbau

    Griechenland verpflichtet sich, seine Staatsverschuldung bis 2020 auf einen Stand von rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung bringen. Erlaubt sind eigentlich nur 60 Prozent.

  • Einsparungen

    Vereinbart sind Einsparungen in den nächsten beiden Jahren in Höhe von 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. „Der Großteil wird erreicht durch Einschnitte bei den Staatsausgaben, die die Größe des Staates reduzieren und seine Effizienz verbessern“, heißt es im Text.

  • Renten

    Athen hat sich zu einer radikalen Reform des Rentensystems verpflichtet. Bis Ende September 2012 sollen die Renten „angepasst“ werden, wobei Bezieher geringer Renten geschützt werden.

  • Öffentlicher Sektor

    Athen muss die Beschäftigung im öffentlichen Sektor bis Ende 2015 um 150.000 Stellen reduzieren.

  • Steuern

    Griechenland vereinfacht sein Steuersystem und hebt Steuerbefreiungen auf - um seine Einnahmen zu steigern. Der Kampf gegen Steuerbetrug wird verschärft.

  • Arbeitsmarkt

    Die Mindestlöhne werden um 22 Prozent gegenüber dem am 1. Januar 2012 geltenden Niveau gesenkt. Regelungen über automatische Lohnzuwächse werden ausgesetzt.

  • Liberalisierung

    Der griechische Staat soll konkurrenzgeschützte Berufe wie etwa Apotheker, Buchhalter oder Makler liberalisieren. In überteuerten Wirtschaftsbereichen muss ausländische Konkurrenz zugelassen werden.

  • Verkehr

    Angegangen werden Fusionen und Privatisierungen - etwa regionaler Flughäfen. Auf dem Strommarkt sollen Netze und Versorgung getrennt werden.

  • Kontrolle

    Die Umsetzung der Reformen überwacht die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF), die vierteljährliche Berichte erstellt.

  • Derzeitige Lage

    Griechenland liegt in der Verwirklichung fast aller Auflagen zurück. Das liegt an der starken Rezession, aber auch am kompletten politischen Stillstand während des Wahlkampfs.

  • Athens Ziel

    Das „strategische“ Ziel Athens sind Neuverhandlungen, um die Sparmaßnahmen um zwei Jahre zu strecken. Die Rückzahlung der gewährten Hilfen soll erst 2017 beginnen. Der neue Premier Antonis Samaras will beim EU-Gipfel Ende Juni in Brüssel mit den EU-Staats- und Regierungschefs darüber reden.

  • Klausel

    In dem Memorandum ist ausdrücklich vorgesehen, die Verpflichtungen Griechenlands zeitlich zu strecken, falls die Wirtschaftskrise sich verschärft. Athen kann laut Text die EU, die EZB und den IWF „konsultieren“, falls die Rezession schlimmer als erwartet ausfallen sollte.

  • Aussicht auf Erfolg

    Bei den Geldgebern ist die Bereitschaft erkennbar, der neuen Regierung mehr Zeit für die Verwirklichung des Reform- und Sparprogramms und die Rückzahlung der Kredite zu lassen. Die Euro-Staaten pochen laut Diplomaten aber darauf, dass Athen seine Schulden langfristig abbaut und strukturelle Reformen umsetzt.

Neben Einsparungen erhofft man sich auch Einnahmen durch mögliche Rückzahlungen. Die Behörden nehmen außerdem auch angeblich Blinde ins Visier. Kontrolleure haben auf der Ionischen Insel Zakynthos festgestellt, dass statt angeblich 700 Betroffenen tatsächlich nur 60 blind waren. Zu ähnlichen Ergebnisse kam es auch auf der Insel Chios im östlichen Mittelmeer.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Eurozonen-Mitgliedes am Mittwoch von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Aktuell blieb es bei der Bewertung „CCC“, was Ramsch-Status entspricht. Begründung: Die wirtschaftliche Lage für das hochverschuldete, am Rettungstropf von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) hängende Land werde schlechter statt besser. Es sei wahrscheinlich, dass das finanziell angeschlagene Land im laufenden Haushalt eine Deckungslücke aufweisen werde, erklärte die Agentur.

Neben der sich verschlechternden Wirtschaftslage trübten Verzögerungen bei der Umsetzung von Reformen das Bild. Griechenland brauche voraussichtlich zusätzlich bis zu sieben Milliarden Euro von EU und IWF, erklärte S&P. Die Senkung des Ausblicks deutet darauf hin, dass S&P die Kreditwürdigkeit Griechenlands weiter herabstufen könnte, falls das Land keine weiteren Hilfszahlungen von der Eurozone und dem IWF bekommt.

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S&P erwartet, dass das griechische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Verlauf dieses und des nächsten Jahres um zehn oder elf Prozent schrumpft. Die EU und der IWF haben für diesen Zeitraum lediglich einen Rückgang um vier bis fünf Prozent prognostiziert.

Die Troika aus Experten der Europäischen Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF hatte am Sonntag ihre Gespräche über die Umsetzung der griechischen Konsolidierungsprogramme beendet. Von einer positiven Bewertung des Regierungshandelns hängt die Auszahlung weiterer Kredittranchen an das Euroland ab. Anfang August hatte sich die griechische Dreierkoalition nach wochenlangem Ringen auf neue Haushaltskürzungen geeinigt, mit denen in den kommenden zwei Jahren 11,5 Milliarden Euro eingespart werden sollen.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.08.2012, 22:46 Uhrmichel

    Das Problem muss zwar auch noch gelöst werden, hilft aber nicht wirklich. Was mich bei den vielen Zahlen stört ist der relative Bezug zu den Staatschulden die immer genannt werden. So hatte Griechenland vor einem Jahr gemeldete 350 Mrd. Staatsschulden die durch einen Schuldenschnitt und Veränderung von Laufzeit und Bedingungen auf ca. 240 Mrd. gesenkt wurden. Hiervon werden jetzt in zeitlichen Abständen immer mal ein paar Milliarden fällig und müssen neu verkauft werden. Wenn ich nun mal davon ausgehe alle Schulden müssten zu durchschnittlich 7% bedient werden ergibt sich eine Gesamtzinslast von jährlich knapp 17 Mrd. Euro. Ist Griechenland nicht in der Lage eine solche überschaubare Summe zu erwirtschaften? Wo bleiben also die ständig neu angeforderten Milliarden eigentlich? Wieso kann uns ein solches Agrar- und Tourismusland in ernste Schwierigkeiten bringen? Wieso wird nicht mal bei den vielen Villenbesitzern nachgerechnet wie sie bei dem Einkommen der vergangenen Jahre solche Werte erwerben konnten? Auch Zwangshypotheken auf größere Grundbesitze müssen in solch einer Krise möglich sein. Hatten wir in Deutschland auch schon und werden wir auch noch wieder bekommen, nicht zuletzt, weil wir für die Versager in Europa zahlen müssen. Viele Deutsche haben kein Verständnis, warum sie bis 67 arbeiten müssen (was ja faktisch gar nicht in großem Umfang möglich sein wird, ist ja nur eine weitere Rentenkürzung) während Problemstaaten sich großzügige Renten- und Erwerbsunfähigkeitsregelungen mit Endalter 60 Jahre gönnen. Außerdem fehlt ja nirgendwo Geld. Es ist ja massenhaft auf Giro- und Tagesgeldkonten, Tresoren und der Matratze sinnlos gebunkert, weil niemand mehr Vertrauen in diesen Schuldenzirkus hat. Fast 50% der europäischen Bevölkerung hat mal gerade ausreichend Geld um sich am Leben zu halten. Wenn dort mal mehr ankommt kaufen die auch ein. Millionäre haben schon alles und kaufen sich nur noch sinnloses Zeug fürs Ego oder investieren ins globale Spielkasino.

  • 08.08.2012, 20:14 UhrBlindengeld-fuer-Sehende-in-D

    In Deutschland gibts noch mehr sehende Blinde wie in Griechenland,
    wenn wir eine sachlich gerechtfertigte Grundlage für den Bezug einer Sozialleistung bzw. Rente zugrunde legen. Das wären einmal Beitragsleistungen und bzw. berechtigter Anspruch. Was haben wir stattdessen ins D? Fremdrentner mit hohen Rentenbezügen die hier noch nie einen Finger krumm gemacht haben und teilweise auch nur einen Scheinwohnsitz (mit vorgetäuschter Autozulassung) in D haben, sich die fette Rente aber nach Siebenbürgen oder Russland transferieren lassen. Vermögende Spätaussiedler, die sich mit hunderttausenden € Entschädigungszahlungen 50 Jahre nach dem Ende von W-War II brüsten, aber gleichzeitig mitteilen, im Zuge der in den neuen Mitgliedstaaten laufenden Veränderungen zur Beseitigung des Unrechts durch dem Kommunismus ihre Liegenschaften entweder zurückerhalten, oder Ausgleichsleistungen des rumänischen Staates erhalten haben. Sozialleistungen, in der Art der Grundsicherung, sogar für Leute aus neuen Mitgiedstaten, in denen noch keine Freizügigkeit für Arbeitskräfte ausser Selbständige besteht, die sich hier Sozialhilfe erschwindeln und nach fünf Jahren des vermeintlichen Bemühens um selbständige "Arbeit" diese Grundsicherung wie jeder Deutsche der 50 Jahr hier gearbeitet hat erhält. Sozialhilfe in selber Höhe für Asylbetrüger, die eifrigst die hier abgezogene Kohle in die Heimat transferieren und für ihre Schlepper bereithalten. Natürlich gibt es hier auch Millienenpensionen für dümmliche (Landes)bankmanager, die ihre Gesellschaft bankrottiert haben aber fette Pensionen erhalten.
    Der Bezug von Blindengeld für tatsächlich Sehende ist auch in D weit verbreitet. D wird daher das selbe Schicksal ereilen wie das korrupte Griechenland!

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