Kontrollen am Brenner: "Das alles ist nicht nachvollziehbar"

InterviewKontrollen am Brenner: "Das alles ist nicht nachvollziehbar"

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Österreichs Grenzübergangsstelle am Brenner.

von Matthias Kamp

Arno Kompatscher, Landeshauptmann von Südtirol, kann die geplanten Kontrollen am Brenner nicht verstehen und bereitet seine Provinz auf den massenhaften Zustrom von Flüchtlingen vor.

WirtschaftsWoche: Herr Landeshauptmann, wann sind Sie das letzte Mal über den Brenner gefahren?
Arno Kompatscher: Ich fahre regelmäßig über die Grenze, ungefähr alle zehn Tage. Ich treffe mich dann meist mit meinem Amtskollegen in Tirol. Das letzte Mal war ich vor fünf Tagen in Innsbruck.

Hätten Sie sich vor einem Jahr vorstellen können, dass es am Brenner wieder Grenzkontrollen geben würde?
Nein, niemals! Ich konnte mir nicht einmal eine Diskussion darüber vorstellen.

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Arno Kompatscher Quelle: PR

Arno Kompatscher, 45, ist seit 2014 Landeshauptmann von Südtirol. Bis 2013 war der Jurist Bürgermeister der Stadt Völs. Kompatscher gehört der Südtiroler Volkspartei, der bedeutendsten politischen Vereinigung der Provinz, an.

Quelle: Südtiroler Landtag

Bild: PR

Und heute?
Für mich ist das alles immer noch nicht nachvollziehbar. Jedes Jahr fahren rund elf Millionen Fahrzeuge über den Pass, davon zwei Millionen schwere Lkw. Der Brenner ist ein wichtiges Nadelöhr von Nord- nach Südeuropa. Der Pass ist aber auch ein Symbol für die Überwindung von Trennungen und Grenzen in Europa, für das Ende nationalstaatlichen Denkens. Für uns Südtiroler stehen der Brenner und der Fall der innereuropäischen Grenzkontrollen aber auch für die Wiederzusammenführung mit Tirol in Österreich.

Haben Sie kein Verständnis für die österreichische Regierung, wenn sie Limits bei der Aufnahme von Flüchtlingen setzt?
Mit mehr als 90.000 aufgenommenen Asylsuchenden hat Österreich im vergangenen Jahr wirklich Großes geleistet. Die Flüchtlinge müssen allerdings nicht nur untergebracht werden, sie müssen auch integriert werden. Und da sieht Wien offenbar die Grenzen der Belastbarkeit der Gesellschaft erreicht. Andererseits wollen auch viele Tiroler auf der österreichischen Seite keinen Zaun am Brenner.

So viel Geld bekommen Flüchtlinge in den europäischen Ländern

  • Platz 1: Dänemark

    800 Euro zahlt das Land im Monat pro Flüchtling. Die Summe muss allerdings versteuert werden.

    Quelle: EU-Kommission / Frontex, Stand: 18. September 2015

  • Platz 2: Zypern

    Die Spanne, die der Inselstaat für einen Asylbewerber zahlt, liegt zwischen 85 und 452 Euro pro Monat.

  • Platz 3: Norwegen

    400 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 4: Deutschland

    352 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 5: Frankreich

    330,30 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 6: Finnland

    zwischen 85 und 290 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 7: Belgien

    zwischen 176 und 276 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 8: Großbritannien

    232 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 9: Luxemburg

    225 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 10: Polen

    187 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 11: Schweden

    177 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 12: Lettland

    66 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 13: Bulgarien

    33,23 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 14: Niederlande

    20 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 15: Slowenien

    18 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 16: Slowakei

    12 Euro pro Flüchtling / Monat.

  • Platz 17: Italien & Griechenland

    0 Euro pro Flüchtling / Monat.

Ist die Flüchtlingspolitik der österreichischen Regierung auch eine Reaktion auf den starken Zulauf, den die Rechtspopulisten zurzeit in Österreich haben?
Ich glaube, Wien will auch ein Signal senden: Zum einen an die Schlepper, dass es sich nicht lohnt, Flüchtlinge nach Italien zu bringen und zum anderen an die italienische Regierung, sie möge doch bitteschön ihre Hausaufgaben bei der Erstregistrierung der Flüchtlinge machen.

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