Kosten der Euro-Rettung: Deutschlands Wohlstand geht dahin

Kosten der Euro-Rettung: Deutschlands Wohlstand geht dahin

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Anstatt Europa zu einen entfremdet der Euro die Länder der Währungsunion immer weiter voneinander

von Dieter Schnaas, Malte Fischer und Silke Wettach

Die ökonomischen Kosten der Euro-Rettung sind gigantisch. Nun drohen auch noch die politischen Kosten aus dem Ruder zu laufen. Und die Deutschen drohen am Ende als die größten Verlierer dazustehen.

Am Schluss wollte er nur noch raus. Nach der zweiten dramatischen Nachtsitzung in Brüssel binnen acht Tagen fand Nikos Anastasiadis am frühen Montagmorgen vergangener Woche nicht einmal mehr die Kraft, das Rettungspaket zu kommentieren. Wortlos verließ der zypriotische Präsident das Justus-Lipsius-Gebäude, überließ die Erklärungen seinem Finanzminister Michalis Sarris. Der mühte sich, das Ergebnis als "bestmögliche Lösung für Zypern und die Euro-Zone" schönzureden. Seine stockende Stimme, seine eingefallene Haltung nahmen aber vorweg, was er sodann eingestehen musste: "Es ist nicht so, dass wir eine Schlacht gewonnen hätten."

Ganz bestimmt nicht sogar. Zypern ist vorerst gerettet, gewiss, ein Staatsbankrott abgewendet. Das Land schließt die zweitgrößte Bank des Landes, rasiert Sparguthaben von mehr als 100 000 Euro, es spart und erhält weitere Hilfen: Der Währungsverbund wurde ein weiteres Mal notdürftig verarztet. Und doch ist es schwer vorstellbar, dass die Woche der Zypern-Rettung einmal nicht als tipping point in die Geschichte Europas eingehen wird: als Wendepunkt, an dem sich der Charakter der EU und des Euro-Raumes entscheidend veränderte. Denn dass die politischen Fronten in den Nächten von Brüssel so verhärtet waren wie nie; dass die zypriotischen Politiker sich wie renitente Kleinkinder aufführten und Resteuropa mit dem Bankrott des eigenen Landes (!) drohten; dass sie sich anschließend nicht scheuten, deutschenfeindliche Proteste eskalieren zu lassen – das alles ist beispiellos und zynisch, aber noch das geringste Problem.

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Geber- und Empfängerländer entfremden sich

Viel schwerer wiegt, dass die Euro-Krise in den vergangenen Wochen eine neue Eskalationsstufe erreicht hat. Die Beziehungen zwischen Geberländern und Empfängern sind vergiftet. Der Vorrat an gemeinsamen politischen Zielen ist aufgebraucht. Der Nationalismus blüht, der Populismus greift um sich. Und die Idee Europa verblasst. In griechischen Zeitungen ist längst vom "Blitzkrieg" der Deutschen die Rede. In England wird die Bundeskanzlerin als "gefährlichste Frau Europas" diffamiert. Und in Deutschland mokiert sich Finanzminister Wolfgang Schäuble darüber, dass die Südländer "ein bisschen neidisch" seien. Vor allem aber:

  • Europas Institutionen sind irreparabel beschädigt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Zypern offen damit gedroht, den Geldhahn zuzudrehen. Sie hat damit erstens deutlich gemacht, dass ihr das Anliegen, den Euro "um jeden Preis zu retten", zwar hoch, aber nicht heilig ist. Und zweitens, dass sie sich weniger denn je als unabhängige Instanz zur Wahrung der Geldwertstabilität und mehr denn je als politischer Mitspieler versteht. Eine politisierte EZB aber ist vor allem unberechenbar.
  • Europas Währung ist ein Torso. Jeder weiß, dass das moderne Papiergeld, das aus dem Nichts geschaffen wird, allein vom Glauben der Geldgemeinde in die Kreditwürdigkeit des Geldes (lat. credo – Ich glaube) abhängt – und vom umfassenden Vertrauen der Geldgesellschaft in den Emittenten des Schein-Geldes als Hüter seines inneren Wertes: den Staat. Dieses Vertrauen ist dahin. Die zentrale Lehre aus der Zypern-Rettung lautet: Die Politik kann ihre Bürger nicht nur schleichend enteignen durch Niedrigzinsen und Inflation, sondern auch blitzschnell durch den Einzug ihrer Vermögen. Kurzum, der Euro ist nur noch relativ viel wert – nämlich exakt so viel, wie die Politik ihm tagesopportun an Wert zugesteht.

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