Kreditverbriefungen: EZB erwägt offenbar Kauf von schlechten Papieren

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Kreditverbriefungen: EZB erwägt offenbar Kauf von schlechten Papieren

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EZB-Präsident Mario Draghi.

EZB-Chef Mario Draghi hat mehrfach betont, die Zentralbank würde nur "einfache und sichere" Kreditverbriefungen kaufen. Ein Bericht wirft nun Zweifel auf. Wie viele Risiken bürdet Draghi dem Steuerzahler auf?

Kritiker sehen die jüngsten Manöver der Europäischen Zentralbank (EZB) ohnehin sehr skeptisch. Das gilt insbesondere für den Ankauf von verbrieften Krediten. Bisher konnte EZB-Chef Mario Draghi immer beschwichtigen indem er darauf verwies, dass die EZB nur "einfache und transparente" Papiere kaufen würde. Doch ein Bericht der Zeitung "Die Welt" sorgt erneut für Zweifel an Draghis Ausführungen.

Demnach erwägt die Notenbank auch den Ankauf von Kreditverbriefungen mit einem höheren Ausfallrisiko. Der Bericht beruft sich dabei auf mit der Debatte vertraute Personen. Es werde diskutiert, auch solche Verbriefungen zu erwerben, die ein schlechteres Rating als "A-" hätten. Befürworter dieses Vorgehens hielten das für notwendig, wenn das Aufkaufprogramm wirklich gegen Deflationsgefahren helfen soll.

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Es sei daher wahrscheinlich, dass die Ratingschwelle für Ankäufe niedriger angesetzt werde. Allerdings werde die EZB die Risiken im Blick behalten. "Alter Müll" werde sicher nicht zusammengekauft.

Reaktionen auf EZB-Zinssenkung und Wertpapierkäufe

  • Worum es geht

    Die EZB senkt im Kampf gegen eine drohende Deflation ihren Leitzins überraschend auf das neue Rekordtief von 0,05 Prozent. Der Schlüsselsatz für die Versorgung des Bankensystems mit Zentralbankgeld lag seit Juni bei 0,15 Prozent. In der anschließenden Pressekonferenz kündigte Zentralbank-Chef Mario Draghi zudem an, dass die EZB sogenannte Kreditverbriefungen (ABS) sowie Pfandbriefe aufkaufen wird. Ökonomen und Händler sagten dazu in ersten Reaktionen:

  • Hans-Werner Sinn, ifo-Präsident

    "Die EZB hatte ihr Pulver schon viel zu früh verschossen und die Zinsen zu weit gesenkt. Jetzt ist sie in der Liquiditätsfalle. Sie kann an dieser Stelle kaum noch etwas tun. Bedauerlicherweise deutet sich auch der Kauf von Anleihen durch die EZB an. Damit würde sie das Investitionsrisiko der Anleger übernehmen, wozu sie nicht befugt ist, weil es sich dabei um eine fiskalische und keine geldpolitische Maßnahme handelt. Eine solche Politik ginge zulasten der Steuerzahler Europas, die für die Verluste der EZB aufkommen müssten."

  • Ralf Umlauf, Helaba

    "Die Notenbanker argumentieren mit den zuletzt schwachen Konjunkturdaten und der geringen Inflation. Auch die gesunkenen mittelfristigen Inflationserwartungen wurden thematisiert. In diesem Zusammenhang wurden auch die Projektionen für Wachstum und Inflation in diesem Jahr nach unten angepasst. Insofern bleibt die Tür für weitergehende Lockerungsschritte weit geöffnet."

  • Eugen Keller, Metzler Bank

    "EZB-Chef Mario Draghi hat geliefert, warum auch immer. Für uns ist das nicht gerade eine glückliche Maßnahme. Alle Banken und Vermögensverwalter sind jetzt in noch größerer Not, ihre Liquidität irgendwo zu parken, ohne bestraft zu werden. Auch die Sparer dürften sich verraten fühlen und werden immer mehr ins Risiko gezwungen."

  • Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer Bankenverband BDB

    "Die ökonomischen Wirkungen der heutigen Zinssenkung sind vernachlässigbar. Die EZB hat sich im Vorfeld der Zinsentscheidung unnötig unter Zugzwang gesetzt. Die Gefahr, dass der Euro-Raum in eine gefährliche Deflationsspirale rutscht, ist nach wie vor gering. Auf der anderen Seite wächst mit den Aktivitäten der EZB die Gefahr, dass die in mehreren Euro-Ländern dringend erforderlichen Wirtschaftsreformen weiter verschleppt werden."

  • Marco Bargel, Postbank-Chefvolkswirt

    "Das ist überraschend. Eine Zinssenkung hatte niemand so richtig auf der Agenda - zumal sie konjunkturell nichts bringt und verpuffen wird. Die Deflationsgefahr lässt sich damit nicht vertreiben. Dazu bedarf es eher eines Anleihen-Kaufprogramms. Die EZB signalisiert mit ihrer Maßnahme aber, dass sie sehr weit zu gehen bereit ist. Das ist eher ein symbolischer Schritt. Die realwirtschaftlichen Folgen sind bescheiden."

  • Carsten Brzeski, ING

    "Beginnt jetzt auch EZB-Chef Mario Draghi damit, Geld aus dem Hubschrauber abzuwerfen? Wenn Draghi um 14.30 Uhr mit der Pressekonferenz beginnt, wissen wir mehr. Dann wird sich zeigen, ob die Zinssenkung nur das Vorspiel für weiteres geldpolitisches Feuerwerk sein wird oder er damit den bequemsten Weg wählte, um unkonventionelle Maßnahmen in großem Stil ohne Gesichtsverlust abzuwenden."

  • Ein Aktienhändler

    "Das war schon eine heftige Überraschung, mit einer Zinssenkung hat kaum einer gerechnet. Bei der Senkung der Zinsen handelt es sich zwar nur noch um Nuancen, aber das ist ein wichtiges Signal an die Kapitalmärkte, dass die EZB bereit ist, alles zu tun, was nötig ist."

Was Kritiker hellhörig werden lässt: Den Berichten zufolge erwägt die EZB damit auch den Kauf von Papieren, die sie bisher immer ablehnte. Sie würde dann verbriefte Kredite kaufen, die von der Notenbank bisher nicht mal als Pfand für Bankdarlehen akzeptiert wurden. Das ist mit großen Risiken verbunden, die letztlich der Steuerzahler tragen muss.

EZB will sich nicht äußern

Ein Sprecher der EZB wollte sich zu den Angaben nicht äußern. Er habe darauf verwiesen, dass die Details noch nicht beschlossen seien, sie sollten erst Anfang Oktober festgelegt werden, sagte er.

Das EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hatte in der vergangenen Woche gesagt, beim Aufkauf von Kreditverbriefungen, sogenannten Asset Backed Securities (ABS), müsse das Risiko für die EZB tragbar sein.

Verbriefte Kredite, also ABS, entstehen, wenn Banken aus ihren Forderungen ein Paket schnüren. Das verkaufen sie in Form von Wertpapieren an Investoren weiter. In diesem Fall kauft die EZB die verpackten Forderungen und entlastet damit die Bilanzen der Banken. Diese sollen dadurch mehr Spielraum für die Kreditvergabe bekommen.

Handelbar werden diese Kredite durch die Besicherung der Bank. Das Bündeln mehrerer Kredite soll das Risiko verringern und für eine gewisse Streuung sorgen. Fällt ein Kredit aus und kann nicht zurückgezahlt werden, können die anderen Darlehen das ausgleichen.

Bisher kaum ABS ausgefallen

Natürlich sind Kreditverbriefungen nicht pauschal gefährlich. In Europa sind bisher kaum ABS ausgefallen. Es kommt eben drauf an, welche Kredite verbrieft werden. Sind es Forderungen gegenüber solide wirtschaftenden Unternehmen, ist das Ausfallrisiko relativ gering. Sind es dagegen Immobilienkredite von Schuldnern, die sich für den Hauskauf hoch verschuldet haben und denen die Liquidität ausgeht, ist das Ausfallrisiko hoch.

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Vor allem in der Finanzkrise gerieten ABS in Verruf. Denn in den USA wurden vor allem faule Hypothekenkredite verbrieft, die sogenannten Subprimes. Da die Kredite reihenweise ausfielen, hatte der Käufer der Verbriefungen faule Kredite in seiner Bilanz - und musste am Ende den Verlust hinnehmen. Der Markt für solche Papiere brach daraufhin weitgehend zusammen.

Das Programm der EZB soll im Oktober starten. Die Notenbank will damit vor allem erreichen, dass Banken kleinen und mittelständischen Firmen im Süden der Euro-Zone mehr Kredite gewähren und die lahme Konjunktur so wieder Tritt fasst.

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