Krieg um Donezk: Kämpfe in der Ukraine verschärfen sich

Krieg um Donezk: Kämpfe in der Ukraine verschärfen sich

Die jüngsten Vermittlungen im Ukrainekonflikt fruchten nicht. Die Rebellen kündigen eine Offensive an. Der Nato zufolge haben sie bedeutende Verstärkungen erhalten.

Eskalation in der Ostukraine: Ungeachtet aller Vermittlungsbemühungen haben die prorussischen Rebellen eine Offensive angekündigt. Seine Kämpfer wollten weitere Gebiete erobern und seien in fünf Richtungen auf dem Vormarsch, sagte Rebellenchef Alexander Sachartschenko am Freitag. Die ukrainischen Truppen würden an die Grenzen der Region Donezk zurückgedrängt. Die Nato sah Anzeichen für einen Großangriff. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko drohte den Rebellen mit Vergeltung.

Ukraine-Krise Ausweg ohne Gesichtsverlust

Deutschland schlägt den Russen eine Freihandelszone vor – sofern Putin seinen Teil zum Frieden in der Ukraine beiträgt. Der Schachzug ermöglicht dem Kreml einen Rückzug ohne Gesichtsverlust. Das ist überfällig. Und kommt womöglich zu spät.

Der russische Präsident Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko. Quelle: dpa

Sachartschenko sagte: „Unsere Seite wird keine Versuche mehr unternehmen, über einen Waffenstillstand zu reden.“ Unklar blieb, ob er eine Vereinbarung zum Abzug der schweren Waffen von der Front einhält. Diplomaten aus Deutschland, Frankreich, Russland und der Ukraine hatten sich in Berlin darauf geeinigt, dass die Rebellen und die Regierungssoldaten ihre schweren Waffen jeweils 15 Kilometer von der Demarkationslinie zurückziehen sollten, die im vergangenen Herbst nach Gesprächen in Minsk festgelegt worden war.

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Die wirtschaftliche Bedeutung der Ukraine

  • Rohstoffe

    Das flächenmäßig nach Russland größte europäische Land besitzt jede Menge davon: Eisenerz, Kohle, Mangan, Erdgas und Öl, aber auch Graphit, Titan, Magnesium, Nickel und Quecksilber. Von Bedeutung ist auch die Landwirtschaft, die mehr zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt als Finanzindustrie und Bauwirtschaft zusammen. Etwa 30 Prozent der fruchtbaren Schwarzerdeböden der Welt befinden sich in der Ukraine, die zu den größten Weizenexporteuren gehört. In der Tierzucht spielt das Land ebenfalls eine führende Rolle.

  • Wirtschaftskraft

    Sie ist gering. Das Bruttoinlandsprodukt liegt umgerechnet bei etwa 130 Milliarden Euro, in Deutschland sind es mehr als 2700 Milliarden Euro. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt nicht einmal 3900 Dollar im Jahr. Wuchs die Wirtschaft 2010 um 4,1 und 2011 um 5,2 Prozent, waren es 2012 noch 0,2 Prozent. 2013 dürfte es nur zu einem Plus von 0,4 Prozent gereicht haben.

  • Außenhandel

    Exportschlager sind Eisen und Stahl, gefolgt von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und chemischen Produkten. Wichtigstes Importgut ist Gas. Auch Erdöl muss eingeführt werden. Die Ukraine könnte aber vom Energie-Importeur zum -Exporteur werden, weil sie große Schiefergasvorkommen besitzt.

  • Industrie

    Sie ist von der Schwerindustrie geprägt, besonders von der Stahlindustrie, dem Lokomotiv- und Maschinenbau. Ein Grund ist, dass die Sowjetunion einen Großteil der Rüstungsproduktion in ihrer Teilrepublik Ukraine angesiedelt hatte. Eine Westorientierung und die Übernahme von EU-Rechtsnormen könnte das Land zunehmend zum Produktionsstandort für westliche Firmen machen.

  • Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

    Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner der Ukraine. Gemessen an der Größe des Landes ist das deutsche Handelsvolumen aber unterdurchschnittlich. Zu den wichtigsten deutschen Exportgütern zählen Maschinen, Fahrzeuge, Pharmaprodukte und elektrotechnische Erzeugnisse. Wichtigste ukrainische Ausfuhrgüter sind Textilien, Metalle und Chemieprodukte. Nach Angaben des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft sind knapp 400 deutsche Unternehmen in der Ukraine vertreten. Bei den Direktinvestitionen liegt Deutschland auf Platz zwei hinter Zypern.

    Chancen ergeben sich für die deutsche Wirtschaft vor allem im ukrainischen Maschinen- und Anlagenbau. Zudem ist die frühere Sowjetrepublik mit ihren rund 45 Millionen Einwohnern ein potenziell wichtiger Absatzmarkt für Fahrzeuge. Korruption und hohe Verwaltungshürden stehen Investitionen indes im Wege.

  • Wirtschaftsbeziehungen zur EU

    Rund ein Drittel der ukrainischen Exporte fließt in die EU. Eine engere wirtschaftliche Verknüpfung durch ein Handels- und Assoziierungsabkommen liegt auf Eis, nachdem Präsident Viktor Janukowitsch auf russischen Druck seine Unterschrift verweigerte. Für die EU ist die Ukraine für die Versorgung mit Erdgas von Bedeutung. Rund ein Viertel ihres Gases bezieht die EU aus Russland, die Hälfte davon fließt durch die Ukraine.

  • Wirtschaftsbeziehungen zu Russland

    Mit Abstand wichtigster Handelspartner der Ukraine ist Russland. Ein Drittel der Importe stammt aus dem Nachbarland, ein Viertel der Exporte gehen dorthin. Der Regierung in Moskau ist eine Orientierung der Ukraine nach Westen ein Dorn im Auge. Stattdessen drängt sie das Land zum Beitritt zur Zollunion mit Kasachstan und Weißrussland.
    Streit flammt zwischen beiden Ländern immer wieder über Gaslieferungen auf. Die Ukraine importiert fast ihr gesamtes Gas aus Russland, muss dafür aber einen für die Region beispiellos hohen Preis zahlen. Der Konflikt über Preise und Transitgebühren hat in der Vergangenheit zu Lieferunterbrechungen geführt, die auch die Gasversorgung Europas infrage stellten.

Bei einem Raketenangriff auf den Flughafen von Donezk kamen nach Angaben prorussischer Separatisten 24 ihrer Kämpfer ums Leben. Sprecher Eduard Bassurin sagte, ukrainische Regierungssoldaten hätten mit Raketenwerfern auf den Terminal des Airports geschossen. Dieses Gebäude hatten die Rebellen erst vor kurzem unter ihre Kontrolle gebracht. In der Nähe wurde aber weiter gekämpft

Poroschenko versicherte, er hoffe weiter auf einen Waffenstillstand. „Wenn sich der Feind allerdings weiter weigert, den Waffenstillstand einzuhalten, wenn er dem Leiden friedlicher Menschen in ukrainischen Dörfern und Städten kein Ende setzt, werden wir ihm die Zähne einschlagen“, sagte er am Donnerstag vor Militärs.

Weitere Artikel

Der Nato zufolge werden die Rebellen aus Russland mit schweren Waffen versorgt. Nach solchen Verstärkungen seien die Aufständischen bei früheren Gelegenheiten zum Angriff übergegangen.

Die Ukraine und der Westen werfen Russland vor, die Aufständischen mit Ausrüstung und Soldaten zu unterstützen. Moskau bestreitet das.

Der Sprecher des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Rupert Colville, sagte, in dem Konflikt seien bislang mindestes 5086 Menschen getötet worden. Es stehe zu befürchten, dass die tatsächliche Zahl noch bedeutend höher liege. Bislang hatten die Vereinten Nationen die Zahl der Opfer mit 4700 angegeben.

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