KommentarKrise noch lange nicht überstanden: Der überschätzte Höhenflug des Euro

22. Januar 2013
von Malte Fischer

Die Angst vor einem Zusammenbruch der Währungsunion schwindet. Europäische Aktien und der Euro sind wieder gefragt, Fluchtgelder kehren in die Peripherieländer zurück. Ist die Euro-Krise zu Ende?

Landeten in diesen Tagen Außerirdische in Europa und blickten auf das Geschehen an den Börsen, wäre ihr Urteil wohl eindeutig: Europa geht es gut. Die Aktienmärkte auf dem alten Kontinent befinden sich im Höhenflug, der Euro klettert und klettert, und die Börsianer sind zuversichtlich wie lange nicht mehr. Dass sich die Euro-Zone vor wenigen Monaten noch am Abgrund und die Existenz der Gemeinschaftswährung auf des Messers Schneide befand, dürfte keinem der Besucher aus dem All in den Sinn kommen.

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Weniger Druck im Kessel.
Weniger Druck im Kessel. Zwei wichtige Kennzahlen in der Schuldenkrise

Auch mancher Erdenbürger denkt an die Krisenszenarien, die bis vor Kurzem herumgereicht wurden, wie an einen bösen Albtraum zurück. Die Zeiten, so scheint es, haben sich geändert. Unübersehbar sind die Signale, die darauf deuten, dass die Euro-Krise abebbt. Die Zinsen für Staatsanleihen der Peripherieländer befinden sich auf Talfahrt. Italien, Spanien und Co. können sich so günstig verschulden wie lange nicht mehr (siehe Grafik). Anleger aus den Krisenländern, die ihre Konten vor Kurzem noch plünderten, um ihr Erspartes im Ausland in Sicherheit zu bringen, holen das Geld wieder in ihre Heimat zurück. Die Nettoforderungen der Bundesbank aus dem Euro-Zahlungsverkehrssystem Target sinken daher – und die Einlagen der Banken in den Peripherieländern wachsen.

Analysten rechnen mit Rückzahlungen aus Griechenland

Spaniens Banken mussten im Dezember nur noch für 313 Milliarden Euro Kredite bei der Europäischen Zentralbank (EZB) aufnehmen, im August 2012 waren es fast 390 Milliarden Euro gewesen. Griechische Geldhäuser können sich wieder über reguläre Refinanzierungskredite mit Zentralbankgeld versorgen, da die EZB Staatsanleihen aus Athen wieder als Sicherheiten für Leihgeschäfte akzeptiert. Den Rückgriff auf Notkredite der griechischen Zentralbank haben die Banken daher von 120 auf 100 Milliarden Euro zurückgefahren. Analysten rechnen gar damit, dass Europas Banken in diesem Jahr bis zu 300 Milliarden von den rund eine Billion Euro zurückzahlen werden, die sie sich vor einem Jahr über "Dicke-Bertha-Geschäfte" von der EZB geliehen haben.

Ist die Krise also überwunden und das finanzielle Risiko für die Steuerzahler verschwunden? Schön wäre es. Doch die Realität sieht anders aus. Die Währungskrise, die den alten Kontinent seit mehr als drei Jahren fest im Griff hat, tritt in Wellen auf. Immer wieder hat es in den vergangenen Jahren Phasen gegeben, in denen sich die Märkte beruhigten und die Anleger den Eindruck gewannen, die Krise sei vorüber. Doch dann wurden sie von der nächsten Welle umso heftiger überrollt.

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Kommentare | 8Alle Kommentare
  • 22.01.2013, 07:52 UhrWegweiser

    Die zahlreichen und vielfältigen Rettungs- und Stabilisierungsmaßnahmen haben den Europroblemvolkswirtschaften lediglich etwas mehr Zeit verschafft. Die EZB hat über LTRO, ELA, Target II und OMT giganitsche Mittel zur Verfügung gestellt, um deren Bankensektor und die Refinanzierung der eigenen Staatsschuldtitel zu subventionieren. Zu Lasten der mittel- und langfristigen Geld- und Währungsstabilität. Viele Eurovolkswirtschaften besitzen eine kaum oder gar nicht vorhandene Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit, um selbständig in dieser Währungsunion existieren zu können. Sie bedürfen der permanenten Drittmittelzuführung von außen.

    Diese Währungsunion hat sich zu einer Transfer- und Haftungsvergemeinschaftlichungsunion gewandelt. Von der angestrebten dynamischsten Wirtschaftsregion der Welt ist sie zu einem ökonomischen, finanz- und gesellschaftspolitischen Brandherd geworden. Große ökonomische Ungleichgewichte prägen diese Währungsunion, große Arbeitslosigkeiten und hohe Defizite kommen erschwerend hinzu. Die südlichen Eurovolkswirtschaften sind durch die jahrelangen stagnativen Phasen völlig ausgezehrt und können kaum diese Umgestaltungen und Neuausrichtungen ihrer Volkswirtschaften bewältigen.

    Will man diese Eurozone erhalten, heißt dies: Die EZB druckt per elektronischer Notenpresse Geld, viel Geld, man inflationiert die Schulden weg und bekommt dafür eine Weichwährung à la Lire. Als Spar- und Anlagewährung taugt der Euro dann nicht mehr, eine Kapitalflucht zeigt dies heute schon an. Eine Währung, die keine Werte mehr schaffen kann, hat ihre wichtigste Funktion verloren. Europäische Realitäten, die eine Vielzahl von kompetenten Ökonomem dem Euro schon vor seinem Start vorhergesagt haben. Und sie haben leider in allen Punkten Recht bekommen, leider nicht vor dem BVerfG. Diese ökonomischen Realitäten werden jedoch die politisch Verantwortlichen in Berlin und Brüssel bald einholen, vielleicht sogar noch vor der BTW 2013.

  • 22.01.2013, 08:32 UhrHaafJohannes

    Europapolitik führt in eine soziale und demokratische Katastrophe
    Die Erwerbslosigkeit in Europa steigt. Die Wettbewerbsfähigkeit vieler Volkswirtschaften in Europa bleibt über Jahre hinweg schlecht. Die Staatsschulden steigen, weil von Banken und Investoren Schulden hin zum Steuerzahler verschoben werden. Politik wird durch Verschuldung auf Kosten kommender Generationen gemacht. Die Verarmung breiter Massen nimmt zu. Wenige Reiche profitieren von dieser Politik. Kapital fließt unter den Augen der Politik in Steueroasen. Die sogenannten europäischen Eliten bauen systematisch die Demokratie ab, schaffen europäische Institutionen, die weder demokratisch noch gerichtlich kontrolliert werden. Rechtsfreie Räume entstehen, wo man sich selbstherrlich finanziell bedient. Sozialstandart´s werden geschliffen. Übrig bleibt Armut und Feindschaft der europäischen Völker. Deshalb braucht es dringend die Wahlalternative 2013. Dazu finden Sie Informationen im Internet. Unterstützen Sie bitte: http://www.wa2013.de/index.php?id=198

  • 22.01.2013, 09:09 Uhrallesverloren

    Die weltweiten Investoren haben erkannt, dass alle Risiken bei Bedarf an die EZB, also an Deutschland, transferiert werden können. Ausserdem verfestigt sich der Eindruck, dass Deutschland via Banken-Union ebenfalls für alle Schulden wird haften müssen. Das ist die Realität.

    Die Deutschen haben aber noch nicht erkannt, dass dem so ist ,und die Politiker, die davon wissen, verschweigen es. Unsere Ersparnisse sind nun einfach weg, das ist die Realität. Bei Bedarf wird das Geld von der EZB nun einfach nachgedruckt, mit dem wir dann bei uns selbst einkaufen können.

    Darüber hinaus gibt es 3 kollaborierende Währungsräume. An erster Stelle Japan, dicht gefolgt von den USA und Europa kurz dahinter. In keinem dieser Währungsräume können die Schulden bedient werden, nicht mehr bei 2% und schon gar nicht bei "normalen" 4-6% Zinsen.

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