Krise noch lange nicht überstanden: Der überschätzte Höhenflug des Euro

KommentarKrise noch lange nicht überstanden: Der überschätzte Höhenflug des Euro

von Malte Fischer

Die Angst vor einem Zusammenbruch der Währungsunion schwindet. Europäische Aktien und der Euro sind wieder gefragt, Fluchtgelder kehren in die Peripherieländer zurück. Ist die Euro-Krise zu Ende?

Landeten in diesen Tagen Außerirdische in Europa und blickten auf das Geschehen an den Börsen, wäre ihr Urteil wohl eindeutig: Europa geht es gut. Die Aktienmärkte auf dem alten Kontinent befinden sich im Höhenflug, der Euro klettert und klettert, und die Börsianer sind zuversichtlich wie lange nicht mehr. Dass sich die Euro-Zone vor wenigen Monaten noch am Abgrund und die Existenz der Gemeinschaftswährung auf des Messers Schneide befand, dürfte keinem der Besucher aus dem All in den Sinn kommen.

Weniger Druck im Kessel.

Weniger Druck im Kessel. Zwei wichtige Kennzahlen in der Schuldenkrise

Auch mancher Erdenbürger denkt an die Krisenszenarien, die bis vor Kurzem herumgereicht wurden, wie an einen bösen Albtraum zurück. Die Zeiten, so scheint es, haben sich geändert. Unübersehbar sind die Signale, die darauf deuten, dass die Euro-Krise abebbt. Die Zinsen für Staatsanleihen der Peripherieländer befinden sich auf Talfahrt. Italien, Spanien und Co. können sich so günstig verschulden wie lange nicht mehr (siehe Grafik). Anleger aus den Krisenländern, die ihre Konten vor Kurzem noch plünderten, um ihr Erspartes im Ausland in Sicherheit zu bringen, holen das Geld wieder in ihre Heimat zurück. Die Nettoforderungen der Bundesbank aus dem Euro-Zahlungsverkehrssystem Target sinken daher – und die Einlagen der Banken in den Peripherieländern wachsen.

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Analysten rechnen mit Rückzahlungen aus Griechenland

Spaniens Banken mussten im Dezember nur noch für 313 Milliarden Euro Kredite bei der Europäischen Zentralbank (EZB) aufnehmen, im August 2012 waren es fast 390 Milliarden Euro gewesen. Griechische Geldhäuser können sich wieder über reguläre Refinanzierungskredite mit Zentralbankgeld versorgen, da die EZB Staatsanleihen aus Athen wieder als Sicherheiten für Leihgeschäfte akzeptiert. Den Rückgriff auf Notkredite der griechischen Zentralbank haben die Banken daher von 120 auf 100 Milliarden Euro zurückgefahren. Analysten rechnen gar damit, dass Europas Banken in diesem Jahr bis zu 300 Milliarden von den rund eine Billion Euro zurückzahlen werden, die sie sich vor einem Jahr über "Dicke-Bertha-Geschäfte" von der EZB geliehen haben.

Ist die Krise also überwunden und das finanzielle Risiko für die Steuerzahler verschwunden? Schön wäre es. Doch die Realität sieht anders aus. Die Währungskrise, die den alten Kontinent seit mehr als drei Jahren fest im Griff hat, tritt in Wellen auf. Immer wieder hat es in den vergangenen Jahren Phasen gegeben, in denen sich die Märkte beruhigten und die Anleger den Eindruck gewannen, die Krise sei vorüber. Doch dann wurden sie von der nächsten Welle umso heftiger überrollt.

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